ganze Geschichte eine tragische Farce genannt haben , die ihm noch dazu die Freiheit ließ , von da seinen Weg allein zu gehen . So aber ! daß er mußte , was er eigentlich nicht wollte , das machte ihm das Dasein verhaßt . Er suchte einen andern , einen ungewissen Ausweg . Wohin er nur gekommen sein mag ? Ich frage mich das hundertmal , und dann regt sich mir ' s im Gewissen . Du hast ihn dahin gebracht ! Elise wird das auch glauben . Es thut einem doch wehe , verkannt zu sein . Ich weiß das wohl von sonst her . Es ärgerte mich immer . Jetzt - nun , es wird sich auch geben . Es ist das größte Glück auf Erden , daß sich Alles vergißt , Alles verschmerzt . Was würde auch sonst aus der Welt ? Schreiben Sie mir ja gleich , liebe Mutter ! wenn Elise etwas von sich hören läßt . Ich habe keinen Begriff davon , wohin sie sich wenden , was sie nun mit sich selbst anfangen wird . Die verwünschten Romanenstreiche ! Antwort Wie kann es Dir nur einfallen , lieber Sohn ! daß Du an all ' dem verruchten Wirrwarr schuld bist ? Du gerechter Gott ! Mir schwindelt es im Kopfe , wenn ich denke , daß Menschen auf dergleichen Abwege gerathen ! Ich habe in meinem Leben immer eine große Furcht vor Narren gehabt , und bin gerannt , was ich nur konnte , wenn ich Einem auf tausend Schritt nahe kam . Aber jetzt , ich sollte es wohl nicht sagen , denn es klingt vermessen , doch mir kommt es so vor , als wäre die ganze Welt wie ein Irrenhaus zu betrachten . Was hört man nicht für Dinge ! was erlebt man nicht ! Und wie die Leute unsern Herr Gott immer im Munde führen , von Opfer und Entsagung , und weiß der Himmel Alles raisonniren , und nun läuft eine christlich getraute Ehefrau mir nichts , dir nichts , von ihrem Manne fort , stellt sich todt , läßt ihn in dem sündlichen Glauben , er dürfe nun dem Gelüsten seines Herzens nachgehen , und kann doch selbst nicht von ihm lassen , windet sich um ihn herum , bis es so weit kommt , daß er sie wiederfindet , und erfährt , wie sie ihn zu einer doppelten Ehe verleiten wollte . Ei , da kann einem wohl die Haut schaudern , und der gesunde Menschenverstand ausgehen ! Ich bin sonst nicht die Lobrednerin des Grafen , aber hier muß ich doch der Wahrheit die Ehre geben , ihm ist schlimm mitgespielt worden . Ueber die Art , wie er ein Ende genommen hat , sollen wir auch nicht richten . Wir tappen hier im Finstern . Viel Kluges habe ich von ihm nie erwartet , denn warum ? Er glaubte an Nichts . Das habe ich Elisen wohl angemerkt . Eine Frau singt immer in dem Ton , den ihr Liebster anstimmt . Es hat mich Thränen genug gekostet . Von daher also sah ich Gottes Gericht wohl anrücken . Aber drüben - von dem grünen Holze - da war ich mir besserer Früchte gewärtig . - Wie das Alles klug thut und über seine Kräfte hinaus will ! Ich weiß es am besten , man hat in den engen vier Pfählen , auf gerader Diele schlechtweg , einen Tag wie den andern denselben Weg gegangen , und hat sich vorzusehen , daß man nicht einmal über die eigenen Füße fällt . Und die da wollen die feste Erde gar wegstoßen , und in der Schwebe bei Sinn und Verstand bleiben . Ja , siehst Du , wenn das nicht verrückt sein heißt , so weiß ich es nicht . Kurz und gut , soll ich die Menschen nicht mit Krankheit geschlagen , nicht für verwirrt und aberwitzig halten , dann kann ich mir gar keinen Begriff von unserer Zeit machen . Du , Curd , darfst auch nicht soviel nach Elisen fragen . Das schickt sich nicht für Dich . Ja , hättest Du sie nicht heirathen wollen , und Dir allerlei darüber in den Kopf gesetzt . In Gottes Namen ! Du bist ihr Vetter . Verwandte sollen zu einander halten . Aber so ! - Schilt nicht so strenge auf Romanenstreiche , Du möchtest auch Deinen Theil mit dran haben . Nun will ich Dir dann aber doch sagen , ich reise selbst zu Elisen . Ich muß wissen , wie es dem armen Kinde geht ? sie mag daraus abnehmen , wie lieb ich sie habe , daß ich mich mit meiner Aengstlichkeit auf einen so weiten Weg mache , alles hinter mir lasse , Haus und Hof und Wirthschaft , blos um sie zu sehen , sie da wegzuholen , wo ihr so schwer ums Herz sein muß ! Ja , wenn sie auch ganz , ganz anders wie ich , und auch nicht so denkt , wie sie sollte , kann ich dann aufhören , ihr gut zu sein ? Ich wüßte nicht , wie ich es anfinge . Lebe wohl , lieber Sohn ! Von dem Stifte aus , schreibe ich Dir wieder . Sophie an den Comthur Der Anblick meiner Schriftzüge wird Sie nach gerade unruhig machen . Seit lange hörten Sie nur traurige Berichte durch mich bestätigen , oder Sie darauf vorbereiten . Ich eile deshalb um so mehr , Sie im Voraus zu beruhigen , ja , Ihnen Erfreuliches zu verheißen . Elise , hoffe ich , ist ihrer ängstlichen Unsicherheit , dem kranken Hin- und Hergreifen , der ganzen schmerzlichen Trostlosigkeit , in die wir sie mit Betrübniß kraftlos versinken sahen , entrissen ; oder vielmehr , alles dies führte ihre Rettung herbei . Ich sagte Ihnen , daß sie Tavanelli kommen ließ , auch an Leontin schrieb , daß sie überall hinhörte , etwas wollte , sich gleichwohl nirgend verständigen konnte , und