, daß meine Sinne nur nach ihm gerichtet sind , daß ich durch mein dankbares Vertrauen seines Schutzes werth geworden bin ! - Erfüllt von diesen entzückenden Gedancken beugte die Lauschende dem Nahenden über die Spitze der Treppensäule den Kopf entgegen , und blieb stehen wie ein in gebückter Stellung ausgehauenes Steinbild , da der Anblick , welcher sich ihr darbot , ihr alle Kräfte zum Fliehen für den Augenblick benahm . Denn nicht Dagobert ' s blühendes Antlitz , umwallt von braunen Locken , - ein Rothkopf mit blassem häßlichem , aber wohlbekanntem Angesichte schaute sie an . » Ei , Schickselchen , « flüsterte der Häßliche , in welchem der abscheuliche Zodick nicht zu mißkennen war : » ei , lieb Estherchen ! Sind ' ich Dich endlich ? O Du bös Vögelein ! hast Du doch endlich nicht entkommen mögen dem Vogelsteller , der so lange hat geharrt umsonst ? « - Der Mensch stand nun lebensgroß vor der Versteinerten , und gab ihr das Leben wieder , da er es versuchte , ihre Hand zu ergreifen . » Zurück ! Gräßlicher ! « rief sie mit vor Entsetzen halb erstickter Stimme : » Du wagst es ? Diese Hand , die meine Väter ermordet , wagt ' s , mich zu berühren ? .. « - Zodick gebot ihr mit einer halb spöttischen , halb drohenden Geberde Schweigen , und zog sie in die offne Thüre der Giebelkammer . » Laß ein vernünftig Wort finden Platz in Deinem Ohre ; « ermahnte er mit leiser Stimme : » kümmre Dich nicht um das , was ich unternommen gegen Deinen Vater und Jochai . Solche Dinge gehören nicht für das Weib , und ich werde verantworten alles , so ich gethan , an jenem Tage des Zochs und der Barmherzigkeit . « - » Laß ab von mir , « seufzte Esther » wie kömmst Du hieher , ungetreuer Sohn Jakob ' s ? welch böser Fürst des Unglücks hat Dir verrathen , wo ich athme ? « - » Zwei scharfe Diener meines Willens ; « entgegnete Zodick : » meine beiden hellen Augen . Beruhige Dich . Nicht von heute erst ist die Entdeckung . Ich schlich Euch nach , da Ihr diesen Schlupfwinkel suchtet , Dein Buhle und , Du . « - Esther erblaßte . - » Beruhige Dich , sage ich noch einmal , « wiederholte Zodick scharf : » daß ich bis jetzo Dich nicht an die Gojim verrieth , die Deiner Freiheit Ketten schmieden möchten , sey Dir Bürge , daß ich Dich noch nicht verrathen will . « - » Lügner ! « zürnte Esther . - Er fuhr jedoch kalt und gemessen fort : » Ich spreche die Wahrheit . Ich will nicht gehen gerade von hier , wenn ich lüge . Warum sollte ich auch gehässig seyn Dir , die ich zur Frau machen wollte , ehe der Goi Deine Gunst errang ? Hast Du doch nicht den Christenknaben gekreuzigt , und nicht erschlagen den Friedberger . Hast Du Dich versündigt mit einem Edomiter , ist es Deine Sache allein , und Deinem Geschlechte der Treubruch angeboren . Schon Hera hat gefrevelt vor dem Gesetz . Warum nichts Du ? Die Obrigkeit würde Dich deßhalb auf den Scheiterhaufen setzen , aber ich vergebe Dir . « - » Welche . Sprache ? « fragte Esther entrüstet : » Bist Du gekommen , meiner zu spotten , ehe Du mich dem Henker überlieferst ? Geh ' oder ich rufe nach Hülfe . « - » Und bereitest dadurch Dein eigen Verderben ; « ergänzte Zodick boshaft : » thue es doch ja . Es sitzt ein Gast bei der alten Beschließerin , der es nicht ungerne sähe , wenn er mit der Verführerin seines Sohns bekannt würde . Herr Diether Frosch nämlich , der Altbürger . Verloren bist Du , gibst Du einen Laut von Dir . Ich verhafte Dich dann im Namen der Obrigkeit . « - » Barmherziger , hochgelobter Gott ! « klagte Esther die Hände ringend : » Entziehe mir nicht gänzlich Deine Huld ! Laß mich nicht umkommen in den Schlingen meiner Feinde . Oder , .. wär ' es nicht besser , ich theilte die Fesseln meines Vaters , als daß ich hier noch kurze Frist athme unter der Faust des unmenschlichen Henkers ? « - » Oder , .. « äffte Zodick nach ... » wär ' es nicht besser , ich gäbe mich gutwillig in die Fesseln des Schultheißen , als daß ich schmachte noch länger ohne Liebeskuß und Spiel , wie eine Wittib ? « - Esther erschrak mehr über die Mahnung an des Schultheißen Sinnlichkeit , als über die rohe Beleidigung , die sie aus diesem Munde erwarten mußte . Der Abtrünnige fuhr aber fort : » Bist Du klug , Estherchen , so schweigst Du , und vertraust auf meine Güte . Ich hab ' es überlegt : Du bist zu schön und zu holdselig für die lüsternen Richter aus Amalek . Ich gönne Dich ihnen nicht ; aber auch dem jungen Goi gönne ich Dich . Der Bube hat mich einst geschlagen mit Faust und Kolben , und das vergesse ich ihm nie , so wahr ich gedenke meines Vaters , dem das Paradies sey . Denn es heißt : Wer einen schlägt aus dem Volke Israel , dessen Stamm wird verdorren und sein Geschlecht ausgerottet werden mit der Schärfe des Schwerts , oder durch den Strahl des Himmels . Was der Herr bös gemacht hat durch meine Hand und meinen Mund , will er wieder gut machen auf dieselbe Art. Ergib Dich mir zum Weibe , und Ben David soll nicht sterben ; - auch Jochai nicht , « setzte er nach einigem Bedenken hinzu . - » Esther starrte ihn unbeweglich an und stumm empört . « » Besinne Dich nicht lange ; « fuhr er fort : » gemessen ist die Zeit .