und gewann dadurch mehr Zutrauen zu dem Grafen in seinem Verhältnisse zur Fürstin . Wieviel edler ist er als Waller , dachte sie ; zum erstenmal fühlte sie auch ein Bewußtsein , als sei ihr Fehler in ihren Kindern abgebüßt . Heiliger Gott , was hast du den Dichtern für Kraft verliehen in der Welt ! Der folgende Tag war der dreizehnte Geburtstag des frommen Johannes . Dolores wurde in der Erinnerung jener früheren Zeit wieder sehr gerührt , noch mehr aber durch die Abwesenheit dieses Sohnes , der sein Kloster in dem letzten Jahre nicht verlassen durfte ; sie betete lange in der Schloßkapelle und es schien ihr , als wenn ihre Bitte ihn zu sehen , gewährt werden müßte . Wirklich trat Johannes mit zweien Ordensgeistlichen , kurz nach ihrer Zurückkunft ins Zimmer , in den Kreis ihrer Kinder , die beschäftigt waren , ihm die gewohnten Geburtstagsgeschenke , prächtige Blumensträuße mit schönen Bändern , Zeichnungen , Verse einzupacken , um ihm alles nach dem Kloster zu senden . Alle liefen mit Jubel auf ihn zu , besonders eine Schwester Hyolda , mit der er sonst eine besondere Vertraulichkeit gehalten ; aber den ersten Kuß schon verhinderte die Verwunderung , wie er sich verändert habe . Er war nicht gewachsen , hatte aber in dem letzten Jahre seiner Abwesenheit seine männliche Bildung ganz beendigt ; der Kirchendienst und die Frömmigkeit hatten die starre Heftigkeit in ihm vernichtet ; er drückte niemand mehr an sein Herz , daß er aufschrie , und stieß keinen von sich , daß er weinte ; mit einer anständigen Güte , die den Geschwistern als Kälte erschien , begrüßte er alle . Hyolda war untröstlich , sie weinte , daß er sie nicht mehr liebe , und verließ rasch das Zimmer . Johannes fragte nach dem Vater ; der war aber schon sehr früh in Geschäften ausgeritten . Die Ordensgeistlichen hatten unterdessen der Mutter erzählt , daß Johannes durch seine frühe Reife in Kenntnissen , Sitte und Heiligkeit heute die Priesterweihe sich erworben habe ; sie war entzückt über die Gnade des Himmels , die ihr ein so wunderbares Kind verliehen ; sie schlichtete den Streit der Geschwister über ihn , indem sie allen anbefahl , ihn als ein geheiligtes Mitglied des Ordens mit ihren kindischen Grillen zu verschonen . Keines von den Kindern wußte recht zu begreifen , wie der Johannes , den sie alle so genau zu kennen glaubten , nun plötzlich etwas anderes geworden ; er suchte ihnen alles in Liebe und Güte deutlich zu machen , fand aber noch weniger Berührungen wie sonst wenig Mitteilung mit ihnen , machte sich deswegen von ihnen los und schlich in den Garten zu seinen ehemaligen Anlagen . Mit Wehmut fühlte er da , daß sie alle wie ein fremdes Werk , wie eine ferne Zeit vor ihm lagen , und kam in solchen Gedanken an den Fluß Skamander , der den herzoglichen Garten durchschneidet , indem er sich über Felsen herabstürzt . Er setzte sich ans Ufer , und hörte an dem entgegengesetzten eine schöne Stimme , die ein Duett zwischen zwei Diskantstimmen , Mutter und Tochter , worin er sonst die eine der Mutter häufig mit Hyolda gesungen , mit wunderbarem Ausdrucke einsam anstimmte . DIE STIMME : Wald ' ge Hügel , grüne Auen , Frühlingsheimat , heimlich Glück , Freude , endlich euch zu schauen , Freude strahlet ihr zurück . Mit dem schönen Tenor , den er bekommen und im Kirchendienste ausgebildet hatte , sang er seine Gegenstrophe : Sieh wie dein befriedigt Lächeln Ziehet übern grünen Wald Und die Winde dich umfächeln , Alles dir entgegen schallt . Jetzt schrie die Sängerin auf , und trat am andern Ufer aus dem Gebüsche hervor : es war Hyolda , sie erkannte ihn jetzt , grüßte und sang weiter : Wie der Frühling wieder waltet , Neugestaltet ist mein Glück . ER antwortend . Weiße Blüte sich entfaltet Hell in deiner Unschuld Blick . HYOLDA . Unschuld findet hier den Frieden . JOHANNES . Frieden finden hier die Müden . HYOLDA . Alle Wasser sanken nieder In der warmen stillen Flur , Ew ' ge Feinde wurden Brüder In der himmlischen Natur . JOHANNES . Keiner kann sich mehr begreifen , Was ihn hielt in Stahl so fest , Nun sie leicht durch Wälder schweifen Baut die Taub im Helm ihr Nest . HYOLDA . Als wenn gar nichts wär geschehen , Sieht das neue Grün uns an . JOHANNES . Pfauen stolz die Farben drehen , Sehn die bunten Nelken an . HYOLDA . Diesen Baum hab ich gepflanzet , Diese Blumen rings gesät . JOHANNES . Die der Schmetterling umtanzet Und den Duft zum Himmel weht . HYOLDA . Unvergänglich ist Vertrauen . JOHANNES . Sehnsucht kennen nur die Frauen . HYOLDA . Blätter dringen zu dem Himmel , Worte dringen aus dem Mund , Sel ' ge Fülle , froh Gewimmel , Grün ist Hoffnung , Freude bunt . JOHANNES . Wie die Farben nieder sinken Von dem Himmel tagelang , Alle Wesen froh sie trinken , Hoffnung such ich oben bang . HYOLDA . Und ich muß hier niedersinken , Hier an meiner Rasenbank , Betend zu dem Himmel winken : Bleibt der Vater denn noch lang ? JOHANNES . Alte Priester , heil ' ge Bäume , Alte Freunde , bleibt ihr stumm ? HYOLDA . Hörst du nicht der Vögel Träume , Und der Bienen summ , summ , summ ? JOHANNES . Nein , der Vater müßte kommen , Daß mich freute der Gesang , Bienenfleiß wär mir willkommen , Daß der Tag mir nicht so lang . HYOLDA . Mach uns beide nicht beklommen , Frühlingsluft macht schon so bang . BEIDE . Wie in den gewohnten Orten Mir des Vaters Bild noch weilt , Also mein ich , daß von dorten Er schon grüßend zu uns eilt , Süße Täuschung , schnell verschwunden Hast uns doch mit Lust umwunden . HYOLDA