. “ „ O , wie hübsch ist es hier , “ rief sie , als er sie in sein Empfangszimmer führte . „ Glauben Sie mir , es gefällt mir hier weit besser , als in meinen steinernen Sälen , wo kein Atem einer warm fühlenden Brust weht ! “ „ Nun , ich dächte , eine Frau wie Sie wüßte überall fühlende Menschen um sich zu versammeln , “ sagte Johannes zerstreut , nur um etwas sagen . Die Gräfin sah ihn zweifelhaft an . Bei dem Rufe , mit dem sie behaftet war , konnte diese Artigkeit eben so gut eine Bosheit sein . Doch die gedankenschwere Wolke auf seiner Stirn überzeugte sie sogleich , daß er im Geiste mit Anderem beschäftigt war . Sie schaute ihm in die Augen , aber er senkte unwillkürlich die Wimpern vor ihrem Blick , wie wir sie vor etwas niederschlagen , das unser Zartgefühl verletzt . Die Gräfin deutete das anders — seine Verlegenheit schmeichelte ihr . „ Sie nennen den Schwarm von lüsternen Schmeichlern , der mich früher — umgab , fühlende Menschen ? “ fragte sie mit bitterem Spott . „ Nun , wenn Sie in den ersteren keine solchen fanden , dann beklage ich es , daß jene die letzteren von Ihnen fern hielten . Denn kein wahrhaft fühlender Mensch wird sich Ihnen nahen , so lange Sie dieser Schwarm umgibt . “ Die Gräfin fuhr vom Sofa auf : „ Mein Gott , ich habe ihn ja längst entfernt — der Weg zu mir ist frei für jeden Edeldenkenden , doch keiner sucht ihn und ich muß ihm auf halbem Wege entgegnenkommen ! “ Johannes schwieg . Dies Gespräch war ihm eine Marter , er bedurfte aller seiner Ritterlichkeit , um es in der gebührenden Form zu ertragen . „ Sie sind schlimmer Laune , Möllner , — bin ich die Ursache davon ? “ „ Welche Frage , Gräfin ! Könnte ich sie bejahen , wenn dem auch so wäre ? Ich muß schlimme Verstöße gegen Sie begangen haben , daß Sie mir so wenig Lebensart zutrauen . “ „ Nun — übertriebener Artigkeiten hatte ich mich noch nie von Ihnen zu rühmen . “ „ Ich dränge Niemandem etwas auf , was keinen Wert für ihn haben kann , “ sagte Johannes kalt . Die Gräfin biß sich auf die Lippe : „ Diesen Grundsatz könnte ich mir zur Lehre nehmen . “ „ Ich wüßte nicht worin ? Ich sagte nichts , was auf Ihr eigenes Verhalten Bezug haben könnte . “ „ Wirklich ? “ „ Ich bin erstaunt , Sie dessen versichern zu müssen ! “ erwiderte Johannes , der jetzt erst ahnte , welche empfindliche Stelle er in der Gräfin berührt haben mochte . „ Gut — ich glaube Ihnen . So will ich Ihnen denn zuerst etwas aufdrängen , was zwar für Sie keinen , aber für gewöhnliche Leute sehr viel Wert hat : Geld ! “ Sie zog eine Brieftasche hervor und zählte eine Anzahl Banknoten auf den Tisch . „ Sehen Sie — ich bin gekommen , um Ihnen das Schmerzensgeld für die verunglückte Kleine einzuhändigen . Hier sind zehntausend Rubel . Ich kann im Augenblick über nichts weiter verfügen . Glauben Sie , man könne das einstweilen den Leuten bieten ? “ „ Sie sind sehr großmütig , Gräfin — doch meine ich , wäre es für diese einfachen Leute besser , ihnen nicht die ganze Summe in die Hand zu geben . Wenn ich Ihnen raten darf , so bestimmen Sie dem Mädchen eine kleine lebenslängliche Rente , welche sie vor Mangel schützt , denn da sie einen Arm verliert , ist sie unfähig , etwas zu erwerben . Mit einem großen Kapital wissen die Leute nichts anzufangen . “ „ Nun so verwalten Sie dasselbe und machen Sie es , wie Sie wollen . Mit einer Rente ist es nichts — ich könnte ja sterben und dann hätte es vielleicht Schwierigkeiten mit der Auszahlung . Nein — ich habe meinem Verwalter in Petersburg geschrieben , er solle mir noch vierzigtausend Rubel flüssig machen . Dann hat die Kleine ein Vermögen von fünfzigtausend Rubel . Damit wird sie in Deutschland sorgenfrei leben können . “ „ Gräfin “ — rief Johannes , sein Auge mit unverhehlter Bewunderung auf die Worronska heftend : „ Wissen Sie denn , was Sie tun ? So können nur Könige schenken ! Ich kann nicht beurteilen , in welchem Verhältnis diese Schenkung zu Ihrem Vermögen steht , aber es ist meine Pflicht , Sie zu warnen , bevor ich ein Opfer von Ihnen annehme , das weit über die Bedürfnisse jener Leute geht ! “ „ Mein Gott — welch ein Aufhebens um etwas so Geringfügiges ! “ rief die Gräfin ungeduldig . „ Ich brauche ja nur ein paar Jahre zu sparen , so ist der Ausfall gedeckt . Und wenn ich mir auch hier und da etwas versage — was ist das gegen den Schaden , den mein Leichtsinn dem armen Kinde zugefügt ? Ich würde ihm mehr geben , wenn ich nicht so viele arme Verwandte hätte , die ich nicht verkürzen darf . “ „ Nun wahrlich , Gräfin , ein solcher Besitz in solchen Händen — ist ein Segen für die Bedrängten ! Ich sehe heute zum ersten Male mit tiefer Rührung , daß diese Hand etwas Anderes zu tun vermag , als Zügel und Peitsche zu führen , daß sie sich aufschließt mit fürstlicher Freigebigkeit und sorglos ausstreut , was Andere ängstlich zusammen scharren . Reichen Sie mir diese Hand und lassen Sie mich einen Kuß aufrichtigen Dankes darauf drücken . Ich habe Ihnen viel abzubitten ! “ „ O Möllner , “ rief die schöne Frau über und über in Glut getaucht : „ Mein ganzes Vermögen , was ich bin und habe , gäbe ich hin um einen einzigen solchen Blick des Dankes aus Ihrem Auge ! Möllner , ich weiß es