Faust empor , ging in Dorotheas Zimmer und warf in seiner unmäßigen Wut die Stühle und den kleinen Toilettetisch um . Die Magd war erschrocken in die Wohnstube geeilt . Sie sah Dorotheas Brief auf dem Boden liegen , hob ihn auf und las ihn . Als sie ihren wütenden Herrn zurückkommen hörte , flüchtete sie , lief ins Erdgeschoß , läutete an Herrn Carovius ' Tür und zeigte ihm den Brief . Sein Gesicht wurde gelb , während er die Zeilen überflog . Da stieß die Magd einen leisen Schrei aus , riß Herrn Carovius den Brief aus der Hand und rannte in den Hof , denn von oben kam Andreas Döderlein herunter . Er wollte auf die Polizei und dort fordern , daß man den Entführer seiner Tochter verhafte . Als er Herrn Carovius im Flur gewahrte , blieb er stehen und fixierte ihn mit einem haßerfüllten Blick , in welchem gleichwohl etwas wie eine scheue Frage enthalten war . Ja , es hatte fast den Anschein , als ob ein einziges versöhnendes Wort , eine Gebärde nur des Langgemiedenen alles Vergangene hätte auslöschen und jenen zum Bundesgenossen beim Werk der Strafe und Rache hätte machen können . Aber Herr Carovius war fertig mit der Welt . Seine Züge verzerrten sich zu einer Grimasse der Bosheit und der Verachtung , dann kehrte er sich um und schlug die Türe seiner Behausung krachend hinter sich zu . Andreas Döderlein ging nur bis zum Portal des Rathauses . Dort überfielen ihn plötzlich allerlei Bedenklichkeiten , er starrte eine Weile düster auf das Pflaster und begab sich dann wieder auf den Heimweg , mit Schritten , die nur halb so ungestüm waren wie vorher und auf eine gebrochene Tatkraft deuteten . Kaum war er zu Hause angelangt , so wurde ihm Daniel gemeldet . » Sie erkühnen sich , Herr ? « schrie er dem Eintretenden entgegen , » Sie erkühnen sich , vor meinem Angesicht zu erscheinen ? Beim Himmel , das ist viel ! « » Ich nehme jeden Kampf auf , « sagte Daniel mit der kalten Würde , die ihm bei solchen Gelegenheiten eigen war und die einschüchternd wirkte . » Ich habe nichts zu fürchten . Mit dem Vater meines Weibes möcht ich gern in Frieden leben , deshalb bin ich da . « » Wissen Sie denn auch , was Sie mir tun ? Sie haben mir die Tochter gestohlen , Mann ! « rief Döderlein mit Pathos . » Aber ich werde Ihre Absichten durchkreuzen , verlassen Sie sich darauf , ich werde Ihnen meine Macht zu spüren geben . « Daniel lächelte verächtlich . » Dessen bin ich sicher , « antwortete er . » Ich kenne diese Macht , so lang ich lebe . Nur hab ich mich ihr nie unterworfen , und bisweilen ist es mir gelungen , sie zu brechen . Denken Sie ein wenig über mich nach , und über Ihr Kind , und über sich selbst . Adieu . « Damit ging er . Andreas Döderlein war beunruhigt . Das Lächeln des Menschen verfolgte ihn . Was mochte der Desperado wieder einmal im Schilde führen ? Böses Gewissen lähmt böse Entschlüsse . Länger als eine Woche rang Döderlein mit seinem Stolz , und als Daniel nichts mehr von sich hören ließ , auch von Dorothea keine Nachricht kam und zu allem Unheil der Mühlenbesitzer das Darlehen zurückforderte , sagte er sich , daß an dem Geschehenen nichts mehr zu ändern sei , und eines Tages stieg er die drei Treppen des Hauses am Egydienplatz empor . » Das freut mich , « sagte Daniel und streckte dem Besucher die Hand hin . Andreas Döderlein sprach von einem blutenden Vaterherzen , von der Vernichtung großer Hoffnungen , von der Pietätlosigkeit der Jugend und der Einsamkeit des Alters , dann , ziemlich unvermittelt , mit den Fingern seiner gewaltigen Hand auf die Tischplatte trommelnd , von der Zwangslage , in die er gegenüber dem Mühlenbesitzer geraten sei . Er habe für einen Freund Bürgschaft geleistet , sei zur Zahlung genötigt worden und habe sich nur helfen können , indem er bei dem reichen Bewerber um Dorotheas Hand eine Anleihe aufgenommen habe . Daniel mußte zugeben , daß die Sorge demütigend sei und die Schuld beglichen werden müsse . Es seien fünfzehnhundert Mark , sagte Döderlein ; er war selbst überrascht , als er diese Summe nannte , die ihm fünfzig Prozent Gewinn sicherte ; es war ein kluger Einfall gewesen , der zugleich dazu diente , die Generosität des künftigen Schwiegersohnes auf die Probe zu stellen . Im Grunde fand er seine Handlungsweise nicht honett und war daher gerührt , als Daniel , der die Schmälerung seiner Ersparnisse nur kurz bedachte , ihm das Geld am andern Tag zu bringen versprach . » Sie beschämen mich , Daniel , « sagte er , » wahrlich , Sie beschämen mich . Lassen Sie uns die Streitaxt begraben und gute Freunde werden . Sind wir doch ohnehin Kollegen in Apoll . Oder nicht ? Nennen Sie mich Vater , ich will Sie Sohn heißen , sagen Sie du , ich will ein gleiches tun . « Daniel reichte ihm schweigend die Hand . Döderlein fragte nach Dorothea , und als ihm Daniel mitgeteilt , wo sie sich aufhielt , zeigte er sich sehr zufrieden darüber . » Mein Haus und meine Arme sind ihr geöffnet , unterrichte sie davon , melde ihr die veränderte Konstellation , « sagte er weich ; » wir haben unrecht aneinander gehandelt , beide ; wir haben es beide gebüßt . « Daniel erwiderte trocken , er halte es für besser , wenn Dorothea bei Sylvia von Auffenberg bleibe . » Wie du willst , mein Sohn , « sagte Andreas Döderlein , » ich füge mich den Forderungen eures jungen Glückes . Nun aber sollten wir eine Flasche Malvasier oder Mosel haben und auf die Zukunft meines lieben Wildfangs trinken . Oder widerstrebt es dir ?