als die Münchener Herren aus dem Zelt geführt waren , sagte er in wühlender Erregung zu seinen Hauptleuten : » Wir müssen Zeit gewinnen . Man soll die Münchener Kindlein mit verbundenen Augen im Kreis herumführen , bis sie die Geduld verlieren . Alles andere ist beredet . Dieses München , das meiner vergaß , soll merken , wer ich bin . Ich will rote Hochzeit mit ihm halten . « An seiner kostbar inkrustierten Rüstung zerrte er eine Schnalle auf , als wäre der Stahl für seine Brust zu eng geworden . » Von den Frauen , die ich genommen , hat sich noch keine als sturmfest erwiesen . Sie starben an meinen Umarmungen . So soll München fallen , wenn ich es umklammere . Jeder an seinen Platz ! Mit Gott , meine Treuen ! Helft mir ! Und ich will ' s euch danken . « Er reichte jedem die Hand ; den Prinzen übersah er . Die Herren verließen das Zelt - nur der Wessenacker blieb und ließ sich den nackten Oberkörper mit den nötigen Pflastern belegen . Auch Prinz Ludwig tat so , als wollte er sich mit den Hauptleuten entfernen . » Mein Seelenwürmchen ? « Herr Ludwig lachte in galligem Hohn . » Willst du nicht bleiben ? « » Gerne , lieber Vater ! Wenn du mich duldest in deiner Nähe ? « Der Bucklige setzte sich wieder auf die Truhe hin . Der Herzog riß abermals eine Schnalle seiner Rüstung auf . Und schrie : » Wo ist der Wolfl ? « Aus der Zeltkammer , in der man zwei Hunde winseln hörte , huschte der Kämmerer Graumann heraus . Er sah , daß dem Herzog etwas an seiner Rüstung nicht taugte , und wollte zugreifen . Mißtrauisch , mit groben Fäusten , packte Herr Ludwig den Greis an den Handgelenken . » Wolfl ? Bist du auch schon falsch ? Hab ich von denen , die in meinem Hause waren , nur meine zwei Hunde noch ? « » Herr ! « Dem Alten wurden die Augen naß . Da sagte der Herzog rasch : » Verzeih mir ! « Er küßte ihn auf die Wange . Nun war er ruhig . » Mein guter Wolfl , heut muß ich mich wehren um mein Leben . Schnalle mir diesen glitzrigen Pariser Dreck herunter ! Und gib mir die blaue deutsche Rüstung , die mir meine Ingolstädter schenkten ! Und giß mir das schwerste von meinen deutschen Schwertern ! « Im Winkel des Zeltes brummte der Wessenacker : » Gott sei Dank ! « Das hörte Herr Ludwig nicht . Während Wolfl die Arbeit begann , sah der Herzog immer die zwei Musikanten an , die , grau von Staub , mit ihren verprügelten Köpfen und den blutig zerkratzten Gesichtern zitternd neben dem Spalt des Zeltes standen . » Du ! « Er meinte den kleinen Dicken mit der zerfetzten Blatterpfeife . » Dich kenn ich nicht . Was gehst du mich an ? Auf Erden gibt ' s viele Menschen , die keine Ursach haben , mir treu zu sein . Spring zu den Dunklen , die dich bezahlen für dein leuchtendes Feuerwerk von gestern . Mach , daß du weiterkommst ! « Wie eine Ratte , die der Falle entronnen , surrte der Dicke durch den Spalt des Zeltes hinaus . » Aber du ? « Herr Ludwig nickte gegen den Lautner . » Warum bleibst du heute so fern ? Sonst warst du doch immer sehr nahe bei mir . Komm her ! Oder hast du Angst ? Vor mir ? Hab ich dir nicht tausendmal bewiesen , wie gütig ich sein kann ? « Zitternd machte der Lautner ein paar taumelige Schritte , während das Gesicht des Prinzen , der lächelnd in seiner Mißgestalt auf der Truhe saß , eine gelbliche Färbung bekam . Der Herzog sah den hinkenden Musikanten an . » Wahrhaftig ! Das Gehen wird dir sauer . Warum bist du mit dem rätselhaften Dorn in deinem Fußballen nicht daheimgeblieben ? Um mir den Verläßlichsten meiner Verläßlichen wieder gesund zu machen ? Warum nicht , mein treuer Nachtigall ? « In einem Schreck , der zum Verwechseln einer Wahrheit ähnelte , sprang Prinz Höckerlein von der Truhe auf . » Vater ! Um Christi Barmherzigkeit ! Der da ? Dein Peter Nachtigall ? Jetzt erkenn ich ihn erst ! Gott , Gott , ich sorge , er hat was Böses getan . Laß ihn in Ketten legen ! Laß ihn verwahren - « » Schweige ! « schrie Herr Ludwig . » Gestern hat dir mein treuer Peter keinen Sperber vergiftet . Gestern hat er nur mir einen Tropfen Gift ins Leben geschüttet . Wem zuliebe ? « Da sagte der Bucklige sanft : » Mein treuer Vater ist seiner Sinne nicht mächtig und redet , er weiß nicht was . « Während er sich gegen die Truhe hindrehte , warf er einen beruhigenden Augenwink zu dem zitternden Musikanten hinüber . Der atmete auf und fing von seiner Ehrlichkeit zu reden an . Ein Dorn , den man sich in den Fußballen trat , kann ausschwären . Freilich , das Gehen bleibt eine schmerzhafte Sache . Aber reiten kann man . Und da reitet man mit einem guten Gesellen durch Tag und Nacht zu seinem Herrn , auf dem kürzesten Wege . Und da sieht man bei München die Dörfer brennen . Und da muß man glauben : Wo die Flammen aufsteigen , ist unser Herr , unser siegreicher Fürst ! Man reitet auf diese weisenden Feuer zu . Aber die dummen Bauern ! In ihrem Grimm und Wahnsinn fassen sie zwei Unschuldige . » Wessenacker ? « Herr Ludwig , dem der Kämmerer die blauen Stahlplatten der deutschen Rüstung um den hohen , kraftvollen Körper schnallte , stieß einen lachenden Laut vor sich hin . » Klingt das nicht so bieder , als war es auf Münchener Malzboden gewachsen ? Und darf ich