es denn auch gehalten und habe mit Heinrich , der Feldweibel eines kursächsischen Regimentes war , länger denn ein Jahr Heereszüge mitgemacht . Immer herzlicher mir zugetan , hat er mich zum Eheweibe begehrt , von mir aber die Antwort erhalten , mein Gatte sei vielleicht noch am Leben . Mit Betrübnis hat Heinrich diesen Bescheid vernommen , sich aber nicht zufrieden gegeben und oft angedeutet , wie er auf meine günstige Antwort noch immer hoffe . Wie sein Regiment einmal am Flusse Unstrut quartierte , hat sich jenes Unglück zugetragen , das Du kennst . Klein Anneliesel , das mir anvertraute Mägdlein , ist , da ich im Behüten nachlässig gewesen und unter einem Weidenbaume eingeschlafen bin , beim Blumenpflücken ins Wasser gefallen und ertrunken . Drauf hab ich heftige Anklagen wider mich erhoben und nur den einen Trost vor mir gesehn , dem unglücklichen Vater durch alle mögliche Güte die Herzenswunde zu heilen , wenn anders dies möglich . Und aufs neue ist Heinrich in mich gedrungen , daß ich die Seine werden solle . Da deuchte es mich Pflicht , die Lücke in seinem Herzen auszufüllen , die seines Kindes und Weibes Verlust ihm gerissen . Und da er endlich meine Bedingung , daß ich ihm nach unserer Trauung nur Schwester sein wolle , bewilligte , gelobte ich ihm vor dem Geistlichen alle Treue , so er von mir beanspruchen durfte . Ein Trost ist es mir bei diesem Schritte gewesen , daß ich Heinrich bestimmen gekonnt , sein blutig Handwerk aufzugeben und nach einem friedlichen , unschuldigen Brote zu trachten . Schließlich ist uns das Glück zuteil worden , daß Heinrich das Hirtenamt auf dem Breiten Berge erhielt . Aber die Ruhe , so in den ersten Tagen unseres Hirtenberufes in den klaren Berglüften mein Herz besänftigte , hat gar bald einem wilden Sturme weichen müssen . Wie ich nämlich einen Besuch bei Petersdorfer Leuten gemacht und das Gespräch auf die Teufelsmette gelenkt habe , um Genaueres zu erkunden , da ist mir das Herz schier stillegestanden , als ich vernommen , Johannes Tielsch , der die Hexe Berthulde zu unsinniger Minne entzündet und so die Teufelsmette veranlaßt habe , sei anoch am Leben und in den Trümmern der ehemaligen Beste als Eremite wohnhaft . Meine Aufregung , ein seltsam Gemisch von Schrecken und Jubel , von Gram , Reue und Trost , hab ich vor den Leuten kaum hehlen können , als sie mir des weiteren über Dein Geschick berichteten . Zuerst mit Verzweiflung , dann mit trüber Ergebung hab ich bedacht , wie nah uns das Glück gewesen , da Du und ich und unser Kind auf dem engen Raum der Abendburg beisammen gewesen , und wie eine herbe Schickung gleich darauf den kleinen Johannes uns entrissen , seine Eltern aber voneinander geschieden hat , daß sie erst nach Jahren ihr Wiedersehen gefunden haben und dabei zögern müssen , einander in die Arme zu schließen . Und was nun weiter ? Was soll hinfürder mit uns zwei armen Herzen geschehen ? Mit stets erneuter Wildheit wird diese Frage meinen Johannes bestürmen , und alle Leiden wird er durchmachen , mit denen ich selber ringen gemußt . O wie bitter hab ich den Himmel verklagt : » Warum nur hast du der Frau , die ihren Gatten suchte , dicht vor ihrem Ziel ein Hemmnis in den Weg geworfen , das ihr Hoffen vereitelte und auch noch ein höchst jämmerlich Klagewort heraufbeschwört ? Mein Johannes kennt dies Wort ; es heißt : beinahe ! Beinahe wär ' s geglückt - so klagen unsere armen Herzen . Es fehlte nur diese oder jene Winzigkeit . Eine mißlungene Botschaft , ein eitel Gerücht , falsche Deutungen , dazu Tücke und Unzuverlässigkeit der Menschen - das alles hat neue Wirren zwischen den getrennten Gatten angestiftet , also daß sie nicht zueinander gelangten - nicht rechtzeitig ... Zu spät , ach zu spät ! Erst als ich des festen Glaubens , du seiest tot , Heinrichs Ehehälfte worden , hat die Sonne den Nebel zwischen uns beiden verscheucht , so daß wir einander mit unsern Augen gefunden haben . Da geht nun zugleich ein Jauchzen und ein Schluchzen durch unsere Seelen . Beglückt sind wir , weil jeder den andern noch am Leben weiß und nahe bei sich hat . Und doch können wir nicht unterlassen , bitterlich zu weinen , weil wir nicht unverzüglich einander in die Arme eilen können . Vor mir ist ja eine Kluft und hinter mir ein Band ; halt an , du ungestüm Herze , so weh es auch tut , wenn der Zügel zurückreißet und Sorge verstört . Solches Weh durchzumachen ist nunmehr Dein Los , teurer Mann . Und ich , obwohl allbereits etlichen Friedens teilhaftig , werde im Geiste bei Dir , Deine schaurigen Seelenstürme mitfühlen . Da ich indessen tief innen ein Plätzlein des Friedens gefunden , so möcht ich gern meinen armen Liebling aus seinen Kümmernissen an meine Seite retten und aus meinem gesammelten Seelenschatze erquicken . Wohlan denn , erwäge folgenden Trost , den ich für dich wie für mich ausfindig gemacht : Zum ersten : Wir dürfen nicht unbescheiden im Wünschen sein . Ein unsagbar Glück allerdings scheint es auch mir , so wir zwei beide endlich dauernd und friedreich einander als Gatten angehören . Ja , himmlisch wäre solch Los hier auf den einsamen Weidematten im Schutze der Waldberge . Doch nur des Himmels Güte - und ich meine den Himmel im Menschenherzen - nicht Ungestüm und Kampf , kann dieses Glück bescheren . Harren wir in Demut , bis er alles zum Besten fügt , trösten wir uns einstweilen mit der Gunst , die uns allbereits beschieden . Ist denn nicht das , was wir jetzunder schon haben , weit besser , denn ein ander Los , so uns doch auch nahe lag ? Mein Johannes hätte ja wirklich des Todes sein können , so daß uns in diesem Leben kein Stündlein des Wiederfindens