muß , so spielt er privatim eine ganz andere , sichere Partie . Das Repräsentativsystem , das sonst den Königen hinderlich war , ist durch seine Klugheit für ihn die bequemste Regierungsart geworden : ist die öffentliche Partei im Nachteile , so tragen die Minister Schande und Verlust , der Thron desavouiert sie und zeigt bescheiden , wie er bereits privatim viel vorteilhaftere Dinge vorbereitet habe ; siegt das Ministerium , so schließt er sich emphatisch diesem Siege an , zuckt die Achseln zur Privatpartei und bedauert gegen die fremden Gesandten , daß ihm die Hände gebunden seien . In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts regierten die Abenteurer aller Art mit kecken Lügen und Intrigen einen großen Teil von Europa ; an die Stelle jener berechnenden Personen sind jetzt berechnete Begriffe getreten ; man herrscht jetzt mit einer gewissen Staatsalgebra , und in kurzer Zeit ist aller Fortschritt , den wir erwarteten , auf ein paar Formeln gezogen , diese werden studiert , die neue Wissenschaft ist fertig , ihr Ursprung und Beikram werden auf die Seite geworfen . Als der Adel gestürzt ward , kam der Despotismus an die Reihe , diesen stürzten die Jakobiner , die Jakobiner unterlagen den Soldaten , die Soldaten überwältigte das Geld . Und das Geld herrscht heute noch , denn die Bildung , deren Herrschaft wir zu befestigen glauben , steht im Solde des Geldes . Ludwig Philipp ist auch der König des Geldes , und die Börse bedeutet jetzt Frankreichs Generalstaaten . Was ist nun geblieben von der alten Poesie der Herrschaft ? Etwa die Tapferkeit ? Allerdings ist eine gewisse Tapferkeit noch zu finden . Aber diese Tapferkeit hat nichts von jener poetischen Eigenschaft , die wir so nennen , sie ist die Tapferkeit des Kaufmannes , der sich für seine besseren Warenballen schlägt , der aber den Kampf aufgibt , wenn er bedenklich wird , um wenigstens einen Teil jenes Vermögens zu retten . Es ist nichts mehr von dem ritterlichen Elemente des Streites zu entdecken , nichts mehr von romantischen Fratzen jenes Schlachtrufes : » Sieg oder Tod , König oder nichts ! « nein , » Alles oder doch etwas « heißt die neue Parole . Diese Prosa beugt mich zu Boden . Die Poesie des Rittertums haben wir gestürzt , und um die Poesie des Liberalismus sind wir vorläufig gebracht . Wird die Zeit kommen und wann wird sie kommen , wo die Geldinteressen wieder die zweite , unterstützende , nicht aber herrschende Stelle einnehmen werden ? Frankreich , als Flügelmann Europas , ist auch das Horoskop Europas . Über kurz oder lang sinkt auch die englische Aristokratie unter den Zahlen der britischen Kaufleute , und so geht ' s weiter . Oder ist nicht eigentlich jetzt schon das Geld ein wesentliches Moment der englischen Lords ? Besitz ist die Losung unserer Tage , und die Kultur , wenn sie was gelten soll , muß sich ebenfalls danach richten . Erfinde eine Poesie des Besitzes , oder wir gehen unter in dieser breiten Prosa . Du hast recht , wenn Du mir Vorwürfe machst über mein völliges Stillschweigen seit so langer Zeit , ich hatte aber auch recht . Ich fing an , einherzutappen , statt einherzuschreiten durch die Welt . Soll ich meinen Freund mit herumzerren in der trunkenen Bewegung ? ! Schon bin ich wieder fester , und da bin ich auch wieder bei Dir . Wo Dich meine Briefe treffen werden - denn jetzt werd ' ich Dir öfter schreiben - weiß ich nicht ; ich will sie alle nach Grünschloß schicken , früher oder später kommen sie Dir von dort sicher in die Hände . Warum nicht nach Warschau ? Weil ich jeden Tag dachte , Warschau ist wieder russisch , und nun ist ' s soweit , und Leopold sagt mir , Du seiest über die Brücke , wer weiß wohin ; es ist zuviel brutale Eitelkeit der Personen unter jenen Starosten , als daß ihnen etwas gelingen könnte , was sie gemeinschaftlich unternehmen . Warum ich nicht zu euch gekommen bin ? Ich weiß es selbst nicht . Ich habe die Polen früher nicht leiden mögen , ich sah sie nur in der Fremde mit ihrem Stolze , ihren Bedienten , ihrer abstoßenden Nationalität - diesen Krieg erwartete ich nicht von ihnen . Und Du weißt , ich handelte immer weniger nach allgemeinen Begriffen , mehr nach besonderer Vorliebe , als Du , mein objektiver Freund . Du schreibst von einer Goldrolle , die ich Dir mit meinem letzten kurzen Briefe nach Warschau geschickt haben soll . Das ist ein Irrtum , mein Billett ging allein an Dich . Nun will ich Dir erzählen . Ich verließ Paris . Ungern , ja mit Schmerz schied ich von den Franzosen . Sie sind und bleiben das liebenswürdigste Volk der Welt ; selbst ihre Irrtümer und die Täuschungen , welche sie erleiden , keimen aus ihrer Liebenswürdigkeit . Eine gewisse Ritterlichkeit hat immer ihre Mißgriffe erzeugt , auch die letzten . Wenn sie sich wie die Helden geschlagen hatten , dann verziehen sie auch großmütig wie die Helden . Der ganze moderne Wirrwarr selbst mit Berechnung und Geld wird von ihnen und durch ihre Lebhaftigkeit so bunt und interessant ausgebildet , daß er immer noch einen Schimmer von Poesie behält . Ist ihnen auch oft die Freiheit wieder entglitten , die Gleichheit haben sie aus allen Stürmen gerettet ; der reiche Bankier und der ärmste Journalist , einer repräsentiert seinen Monsieur wie der andere ; und das ist nicht etwa gesellige Duldung mit allerlei Rückhaltsgedanken , wie man sie in den besten Gesellschaften Deutschlands findet , nein , es ist eine Sache an sich , ein Absolutes . Jeder Mann gilt für einen Mann , und seine Worte werden nach ihrem absoluten Werte beachtet , nicht nach Rücksichten . Das Geld ist mächtig , aber nicht allmächtig . Keime zu allerlei neuen , lockenden Zuständen liegen überall am Tage , nirgends ist