er mit Sicherheit und Verständnis allereinfachste Landschaftsbilder im kleinsten Maßstabe , belebt mit vorsichtig hingesetzten Figürchen , alles dies mit einem gewissen Reiz ausgeführt , hervorbringen könne . Ohne Zaudern machte er sich daran , und zwar mit redlichem und anständigem Sinne . Denn anstatt mit leichter Arbeit auf falsche Effekte und irgendein manieriert modisches Gepinsel loszugehen , das sich sozusagen von selbst hinschmiert ( gerade das wäre für manchen andern so recht angezeigt gewesen ) , blieb er wie ein wahrer Gentleman den Grundsätzen einer ehrlichen Vorbereitung und Vollendung getreu , und hiemit erneuerte sich bei jedem neuen Bildchen für ihn Arbeit und Mühe . Glücklicherweise gelang die Sache . Gleich das erste Produkt , das er ausstellte , wurde rasch verkauft , und es dauerte nicht lange , so suchten die für feinere Kenner geltenden Sammler die sogenannten Eriksons zu guten Preisen zu erwerben . Ein solcher Erikson enthielt etwa im Vordergrunde ein helles Sandbord , einige Zaunpfähle mit Kürbisranken , im Mittelgrunde eine magere Birke , dann aber einen weiten flachen Horizont , dessen wenige Linien , mit weiser Berechnung angelegt und in Verbindung mit der einfach gehaltenen Luft , die Hauptwirkung des Werkleins hervorbrachten . Obgleich dergestalt Erikson als echter Künstler angesehen wurde , verleitete ihn das weder zur Selbstüberschätzung noch zum Geiz ; sobald seinem Ausgabenbedürfnisse genügt war , warf er Pinsel und Palette hin und ging ins Gebirge , wo er sich als Jagdgenosse so einheimisch gemacht , daß er sogar zur Bärenjagd , wenn sich eine solche auftat , zugelassen wurde . Den größern Teil des Jahres brachte er , fern von der Stadt , auf diese Weise zu . Es gehörte nur zum Bilde des allgemeinen Lebens und seines Haushaltes , wenn ich jetzt genötigt war , dem wackern Gesellen , der sich selbst nicht für einen Meister hielt , die Geheimnisse des Handwerks abzulauschen . » Nun ist ' s aber genug ! « rief Erikson plötzlich , » auf die Art kommen wir nicht fort . Überdies wollen wir im Vorbeigehen einen Kameraden abholen , bei dem Sie Besseres sehen können , heißt das , wenn wir Glück haben ! Kennen Sie Lys , den Niederländer ? « » Nur vom Hörensagen « , versetzte ich ; » ist es der Sonderling , von dem niemand weiß , was er malt ? der niemanden in seine Werkstatt läßt ? « » Mich läßt er schon hinein , weil ich kein Maler bin ! Sie vielleicht auch , weil Sie noch nichts können und es noch unentschieden ist , ob Sie überhaupt je ein Maler sein werden ! Na , werden Sie nur nicht mauserig , etwas werden Sie schon werden und sind es ja bereits . Lys hat ' s Gott sei Dank nicht nötig , er ist reich und kann schon alles , was er will , nur ist es nicht viel ; denn er tut fast nichts . Am Ende ist er auch kein Maler , wenigstens sollte man keinen so heißen , der nicht wirklich malt , er müßte denn Abhaltungen haben wie jener Leonardo , der Talerstücke an die Domkuppel warf ! « Ich half ihm rasch sein Zeug reinigen , das er stets in so guter Ordnung hielt , daß er auch jetzt nachsah , wie ich es gemacht . » Denn es ist nicht gleichgültig « , sagte er , » ob man mit Mist malt , wenn man doch die Absicht hat , einen lautern Ton zu treffen . Wer immer Dreck in seinem Zeug hat oder das Unverträgliche mischt , ist wie ein Koch , der das Rattengift zwischen die Gewürze stellt . Aber die Pinsel sind rein , Gott segne Sie ! von diesem Punkte aus kann man Sie unbescholten nennen ! Sie haben eine ordentliche Mutter , oder ist sie tot ? « Nachdem wir einige Straßen zurückgelegt , betraten wir die Niederlassung des mysteriösen Niederländers , welche so gewählt war , daß die Fenster des geräumigen , von ihm allein bewohnten Stockwerkes auf den freien Horizont und offenen Himmel hinausgingen und von der Stadt selbst nichts zu sehen war als ein paar edle Architekturen und massige Baumgruppen . Befand man sich in dieser Gegend auf freier Erde , so sah man nur den unfertigen Rand einer Stadt , mit Bretterwänden , alten Baracken und Wirtschaftlichkeiten versetzt ; die Fenster des Herrn Lys , welche nichts als jene in einer Flut goldenen Lichtes ruhenden idealen Gegenstände zeigten , schienen daher mit sorgfältigem Geschmacke herausgefunden zu sein . Wenigstens wirkte die glänzende Durchsicht der großen Fenster durch eine offenbar bewußte Einfachheit und Ruhe in der Ausstattung der Zimmer in doppeltem Maße . Zu meiner Verwunderung hatte Lys , der uns freundlich empfing , nichts Holländisches an sich , wie man sich dieses vorzustellen pflegt . Ein mittelgroßer schlanker Mann von vielleicht achtundzwanzig Jahren , war er dunkel an Haar und Augen , letztere von einem fast melancholischen Ausdruck gleich dem hübsch lächelnden Munde . Noch mehr wunderte ich mich , daß das Zimmer , in welchem wir uns befanden , keine Spur von Kunsttätigkeit verriet , vielmehr dem Aufenthalt eines Gelehrten oder Politikers glich . Große , mit Gardinen verhangene Regale bargen eine Menge Bücher , worunter , wie ich später erfuhr , manche Raritäten und erste Ausgaben . An den Wänden hingen nicht etwa Bilder oder Studien , sondern Landkarten , auf einem Tische lag ein Haufen Journale verschiedener Sprachen , und an einem breiten Schreibtische schien Lys soeben gearbeitet zu haben . » Ich bin mir noch den Nachmittagskaffee schuldig « , sagte er , als wir uns setzten , » halten die Herren mit ? « » Da wir vermuten , er werde nicht schlecht sein , gewiß ! « antwortete Erikson für uns beide , und Lys klingelte einem jungen Menschen , der ihn bediente . Inzwischen sah ich mich immer noch im Raume um , nicht eben im Besitze des guten Tones . » Der wundert