Herzogin am Arme , in den Saal eintrat . Sie hatten beide das Wort gehört , und unwillkürlich sagte der Freiherr zu sich selbst : Welch ein Anruf ist das ! - Auch Angelika , deren übles Aussehen Allen auffiel , sah nach dem Secretär hinüber und ihre Mienen zuckten leise zusammen . Ihre Schwäche fing an , ihr oftmals die Herrschaft über sich zu rauben . Die Frauen nahmen auf dem Canapee ihre Plätze , die Männer , der Freiherr in ihrer Mitte , standen in einer Gruppe in ihrer Nähe , als man meldete , daß der Pfarrer mit seiner Frau , der Amtmann mit seiner Schwester angekommen wären . Der Freiherr ging dem Geistlichen ein paar Schritte entgegen , reichte ihm und der Pfarrerin die Hand und hieß sie willkommen , als sie ihm ihre Glückwünsche aussprachen . Er schien Adam und seine Schwester nicht zu sehen , und doch hatten sie ihr Bestes gethan , sich heute bemerklich zu machen und es zu beweisen , daß sie nicht in Sorgen , sondern guten Muthes in das neue Jahr hinübergingen . Der Amtmann hatte den Haarbeutel abgelegt und sich , wie Herbert das schon lange gethan , nach der neuen französischen Mode gekleidet . Auch Eva hatte die ländliche Dormeuse abgenommen und trug ihr schönes , braunes Haar , wie Herbert dieses liebte , frei um Gesicht und Rücken niederfließend . Sie sah auffallend hübsch aus , und die Blicke der männlichen Gäste richteten sich auf sie , als sie sich der Baronin näherte , ihr die Hand zu küssen , während der Amtmann noch immer da stand , erwartend , ob der Freiherr es endlich für angemessen finden werde , seine Gegenwart zu bemerken , ob er endlich die geflissentliche und sehr gnädige Unterhaltung mit dem Pfarrer unterbrechen werde . Adam fand den Freiherrn in den letzten Monaten wesentlich älter geworden , und wie er so von ihm hinaufsah nach dem verstorbenen Herrn und dann zu Renatus hin , der zwischen den Knieen des Caplans stand , konnte er sich eines Seufzers nicht erwehren ; aber dieser Seufzer galt nicht dem eigenen Geschicke . Wer wird künftig für sie schaffen , wie wir ' s gethan ? dachte er , und er fühlte den Groll , den er seit seinem Zusammenstoße mit dem Freiherrn gegen ihn gehegt , in seinem treuen , festen Herzen schwinden , da er sich baldiger Freiheit sicher und seinen Stern im Steigen wußte , während die Sorge seinem bisherigen Herrn immer näher rückte , daß er sie kaum noch von sich weisen konnte . Plötzlich , als habe der Seufzer des Amtmanns ihn erst aufmerksam auf ihn gemacht , wendete er sich zu ihm und sagte : Ich dachte , Er wäre auf ' s Güterkaufen aus ! Diese Anrede hatte Adam nicht erwartet , aber da er den Freiherrn kannte , erschreckte sie ihn mehr als sie ihn kränkte . Was muß ihm geschehen sein , daß er sich so vergessen kann ? dachte er , und gutherzig und nachsichtig wie ein Glücklicher , sagte er : Da ich nach meinem Abkommen mit dem gnädigen Herrn noch bis zum Herbste in seinem Dienste bleibe , konnte ich ja nicht ohne Urlaub fort , und hätte mich nicht unterfangen , den Herrschaften am letzten Neujahr meinen Glückwunsch schuldig zu bleiben . Möge es den Herrschaften so wohl gehen , als wir es von je mit ihnen und ihrem Dienste gemeint ! Adam war bewegt , und der Freiherr hörte das . Aber da er verstimmt und gereizt war , klang selbst der gute Wunsch ihm wie ein Vorwurf , und fast widerwillig sprach er sein kurzes : Ich danke , ich danke Ihm ! zu seinem Untergebenen aus , der dies nicht lange mehr bleiben sollte . Er konnte den Ton gegen ihn nicht mehr finden , seit er Adam nicht mehr ganz zu ihm gehörend wußte , und er zwang sich zu der Frage , was Adam denn für Plane habe , weil diese Frage eine Verzeihung und ein Anerkenntniß in sich schloß . Ich habe ein Angebot auf Marienau gethan . Ich kenne das Gut genau , und der Besitzer kann es nicht mehr halten , sagte Adam . Ich weiß , ich weiß ! rief der Freiherr und wendete sich kurz und hastig von dem Amtmanne ab . Die Vorstellung , einen alten Lebensgenossen aus seiner Nähe scheiden , einen alten Edelmann von dessen Hause auswandern zu sehen und dafür einen Menschen niedern Standes , ja , seinen eigenen Amtmann zum Grenznachbar zu bekommen , die Steinerts sich einnisten zu sehen , wo die Herren von Raven seit langen Jahren fest und wohl gesessen hatten , war dem Freiherrn gar zu widerwärtig . Es kamen ihm seit diesem Morgen nichts als unangenehme Neuigkeiten zu . Aber noch empfindlicher , als der Freiherr durch das Zusammentreffen mit dem Bruder , fühlte sich Angelika durch die Begegnung mit der Schwester berührt . Sie hatte Eva nicht wiedergesehen seit dem Tage , an welchem sie die Verse in Herbert ' s Pult gelegt , und die heiße Röthe der Scham übergoß ihr bleiches Antlitz , als sie Eva vor sich hintreten sah . Das war also das Mädchen , welches der Mann sich erwählt hatte , den sie liebte , um dessentwillen sie mit sich selbst und mit ihren Pflichten zerfallen war , das Mädchen , welches Herbert ihr , der Gräfin Berka , der Baronin von Arten , der hochgebornen edlen Frau , vorgezogen hatte ! Und mitten in der Pein dieser qualvollen Empfindung erkannte die Baronin in dem großen Medaillon , mit welchem Eva ihr weißes Busentuch über der Brust zusammengenestelt hatte , Herbert ' s sprechend ähnliches Portrait , welches eben heute anzulegen sie sich trotz der Abmahnung des Bruders nicht hatte versagen mögen . Eva sah die Bewegung der Baronin , und ein Lächeln der befriedigten Eitelkeit flog über ihre vollen Lippen , als sie sich niederbückte