ihm schon bis an die Grenze des Parks entgegengegangen war ; aber heute riß Emilie sich alsbald aus seinen Armen , und rief , die Hände , wie um ihn abzuwehren , vor sich streckend : Wo kommst Du her ? was willst Du hier ? Kannst Du das fragen , Emilie ? erwiderte er traurig ; was ich hier will ? Dich ! woher ich komme ? von Paris , wo ich nach monatelangem Suchen Deine Spur fand , in dem Augenblicke , als Du abreistest , und von wo ich Dir von Stadt zu Stadt , von Gasthof zu Gasthof gefolgt bin , ohne daß es mir einmal gelungen wäre , Dich allein zu finden . - Nicht , als ob ich mich vor ihm fürchtete ! sagte der junge Mann , indem er sich unwillkürlich stolz zu seiner vollen stattlichen Höhe aufrichtete , aber ich wollte freundlich und gut mit Dir sprechen , und ich wußte , daß mir das in seiner Gegenwart nicht möglich sein würde . Adolf von Breesen näherte sich seiner Schwester und wollte ihre Hand ergreifen ; sie wich vor ihm zurück . Was willst Du von mir ? murmelte sie . Emilie , sagte er traurig , ist das die alte Liebe ? Emilie ! Kind ! besinne Dich ! was soll ich anders wollen , als Dich aus diesem unwürdigen Verhältniß befreien , das Dir schon längst zur Qual geworden ist . O , sage nicht nein ! ich sehe es ja an Deinen Augen , an Deinem blassen Gesicht , daß Du tief unglücklich bist ! Emilie , Schwester , liebe , liebe Schwester , folge mir ! Bei unserm alten Vater , der aus Gram um Dich vergeht , bei dem Andenken an unsere selige Mutter , bei Allem , was Dir heilig ist , beschwöre ich Dich , folge mir ! Emilie hatte sich schluchzend und ihr Gesicht in den Händen verbergend in die Sophaecke geworfen . Adolf kniete vor ihr nieder . Er nahm ihre Hände in die seinen , er küßte ihr die Stirn und Haar und Augen ; er sprach zu ihr in beredten Worten , wie sie auch einfache Menschen finden , wenn ihr Herz von treuer Liebe voll ist . Er sagte ihr , daß er nicht daran denke , sie zu ihrem Gatten zurückzuführen , den er selbst niemals habe leiden können , den sie gegen seinen Willen geheirathet habe ; daß sie niemals in ihre Heimath zurückkehren solle , wenn sie es nicht wünsche , daß er mit ihr in ein fernes Land gehen , daß er sie nie verlassen wolle . Er berührte alle Saiten ihrer Seele , von denen er wußte , von denen er hoffte , daß sie ihm antworten würden . Aber es war lange Zeit vergeblich . Ich kann ihn nicht verlassen , war Alles , was sie unter Schluchzen und Thränen immer wiederholte . Aber um Gotteswillen , Emilie , rief der junge Mann ; ist es denn möglich , daß eine Thorheit so lange währt ? ist es denn möglich , daß Du diesen Menschen noch immer liebst ? Ja , ja , ich liebe ihn ; liebe ihn mehr , als ich ihn je geliebt habe ; schluchzte sie . Adolf sprang empor und ging ein paar Mal mit heftigen Schritten im Zimmer auf und ab . Dann trat er wieder an Emilie heran und sagte : Ich will es glauben , weil Du es sagst ; aber Emilie , bei Deiner Ehre - denn Deine Ehre ist es , die auf dem Spiel steht - beantworte mir diese Frage : bist Du ebenso auch noch von seiner Liebe überzeugt ? Ein heftiges Weinen war Emilien ' s Antwort , und in dem Weinen schüttelte sie mit dem Kopfe . O , mein Gott , sagte Adolf bitter , bist Du so tief gesunken , daß Du einem Manne folgst , der Dich nicht liebt ? dem Du zur Last bist ? der viel darum gäbe , wenn er Dich nur wieder los wäre ? ist das meine stolze Schwester ? so will ich denn unser altes Wappen zerbrechen und vor jedem Lump auf der Straße die Augen niederschlagen , und wenn mich Jemand einen Buben schimpft , thun , als hätte ich es nicht gehört . Der junge Mann schlug sich mit der geballten Faust vor die Stirn , und Thränen des Zornes und der Scham drangen aus seinen Augen . Emilie sprang von dem Sopha auf . Komm ! sagte sie hastig , komm ! Du hast recht ! ich bin ihm zur Last ! er wird froh sein , wenn er mich los ist , komm ! Gott sei gelobt ! rief Adolf . Sogleich wollen wir fort ! sagte Emilie , in dem Gemache hin und her irrend und leidenschaftlich die Hände ringend ; ich will ihn nicht wiedersehen . Ich will ihm schreiben - Ja , ja ! sagte Adolf ; hier ist ein Blatt aus meinem Portefeuille , Tinte und Feder ist hier ; - schreib ihm , aber nur wenige Worte ! Emilie setzte sich an den Tisch , aber sie hatte kaum ein paar Buchstaben geschrieben , als sie von neuem in Thränen ausbrach . O Gott , o Gott ! sagte sie , die Feder sinken lassend , ich kann es nicht . Gieb mir ! sagte Adolf , ihr die Feder aus der Hand nehmend ; ich will es thun . Binde unterdessen Deinen Mantel um ; ich bin gleich fertig . Während Emilie sich den Mantel umband , schrieb Adolf mit fliegender Feder ein paar Zeilen . Er war nicht eben gewandt in solchen Dingen , aber in diesem Augenblick kamen ihm die Ausdrücke wie von selbst . Bist Du bereit ? Ja ! Sie gingen die Treppe hinunter . Es begegnete ihnen Niemand . Adolf gab dem Portier den Schlüssel zum Zimmer . Sagen Sie dem Herrn , wenn er nach