. So machte es Orest . Gleich nach seiner Vermählung trat er mit Corona eine Reise in ' s Berner Oberland an und traf in Interlaken - auf Judith , auf seine schwarze Sonne , wie er sie nannte . Aber sie ließ kalt und stolz keinen Strahl auf ihn fallen . Sie übersah ihn bei jeder öffentlichen Begegnung , und als er ihr seinen Besuch machen wollte , nahm sie ihn nicht an . Dies war ganz genug , um seine Eitelkeit zugleich zu verwunden und zu befriedigen . Sie war verletzt , oder wenigstens beleidigt ; folglich war er ihr nicht gleichgültig . Je frostiger sie sich zeigte , desto heftiger wurde der Reiz , eine Kälte zu überwinden , die nur der Schild vor ihrem Herzen war - wie er hoffte und wie Judith es ihn zuweilen , wie durch ein leises Wetterleuchten , ahnen ließ . Noch in Interlaken , kaum drei Wochen seine Frau , sah Corona ihn in Judiths Fesseln und sich selbst in der Vernachlässigung , welche fortan ihr Los blieb . Es könnte befremden , daß ein so oberflächlicher Charakter wie Orest , dem es hauptsächlich nur darum zu tun war , den Schaum vom Lebensbecher zu schlürfen , in eine solche verzehrende Leidenschaft verfiel ; aber einesteils war er sehr hartnäckig , wenn es galt , das , was er sein Glück nannte , zu verfolgen - wie es Jäger gibt , die auf der Jagd voll Feuereifer , übrigens aber ganz phlegmatisch sind - und anderenteils zeigt leider die traurige Erfahrung , daß nicht selten Menschen , welche in jedem geheiligten Verhältnis eine Last finden und eine Sklaverei sehen , durch unheilige Verhältnisse in ganz erstaunlicher Weise sich binden lassen . Es ist die natürliche Strafe ihrer Verkehrtheit : sie wollten nicht die edle Freiheit ihres Willens üben , drum sind sie unfrei - und in einem solchen Grade , daß sie ihre Gefangenschaft für die rechtmäßigste und natürlichste Sache von der Welt halten . Corona war zu unerfahren und zu rein , um von diesen traurigen Verirrungen eine Vorstellung zu haben . Sie hatte , ohne die mindeste Neigung für Orest , dem Wunsche ihres Vaters , der Fügung Gottes gehorcht und , war je ein Traum von Liebe durch ihr junges Herz gezogen , so war es nicht Orest , der ihn hervorgerufen hatte . Aber sie reichte ihm mit dem festen Entschluß die Hand am Altar , daß sie ihn lieben wolle , wie es sich für eine christliche Ehefrau ziemt . Orest machte es ihr sehr schwer . Für die Feinheit ihrer Empfindung , für die zarte Jungfräulichkeit ihres Herzens fehlte ihm durchaus jedes Verständnis . Tausendmal verletzte er sie , quälte er sie durch seine Scherze , durch seine Bemerkungen , durch seine Handlungsweise , durch seine Auffassung von Welt und Leben ; sie litt und schwieg . Sehr selten erlaubte sie sich eine Einwendung , aber so bittend und demütig , daß Orest , der ohnehin schon , vermöge seiner Selbstsucht , vielmehr ihr Herr als ihr Gatte sich fühlte , dadurch in seiner Despotenlaune bestärkt wurde . Ihr Ton hätte sehr ernst und äußerst bestimmt sein müssen ; dann würde sie ihm imponiert haben - wie ihm das zuweilen bei Regina geschehen war ; aber diese unüberwindliche Entschiedenheit , die , auf dem innersten Grunde von Regina ' s geistigem Sein beruhend , ihre ganze Wesenheit gleichsam illuminierte - war nicht in Corona . Bei ihrem Vater hatte sie gehorchen gelernt ! an ihre Schwester hatte sie sich gelehnt wie an eine zärtliche und weise Mutter ; einem Orest war sie nicht gewachsen . Aber sie hatte die Tradition ihrer frommen Mutter und das Vorbild ihrer frommen Schwester ! Die Baronin Isabella und Regina hatten ihr oftmals erzählt , wie diese Mutter durch Milde , durch Stillschweigen , durch Opferwilligkeit dem Egoismus des Vaters begegnet sei und wie sie ihn damit gewonnen habe . Die Mutter , die kaum in ihrer Erinnerung lebte - lebte umso mehr in ihrer Gegenwart als ein Vorbild stiller , unscheinbarer Tugend und an dem Streben , diesem Beispiele nachzufolgen , entwickelte sich die tiefe Frömmigkeit , die von der Wiege an ihrem Gemüt eingesenkt , aber nicht entfaltet war und jetzt aus einer grünen Knospe in voller Blüte hervorbrach . Corona erkannte schnell , daß sie in ihren Verhältnissen himmlischen Beistand nötig habe , denn kein irdischer genügte ihr , noch bot er sich ihr . Ihr Vater hatte nun einmal beschlossen , daß Orest und Corona miteinander glücklich zu sein hätten . Der arme Vater ! sprach Corona zu sich selbst ; hat er nicht bei Regina , Hyazinth und Uriel sich an seinen Hoffnungen getäuscht gesehen und auf seine Wünsche und Erwartungen verzichten müssen ! ich will ihm , so viel an mir liegt , keinen Kummer machen ; ich werde glücklich sein , glücklich - die Bestimmung zu erfüllen , die Gott mir angewiesen hat . Und so machte sie sich denn an das Heldenwerk der Heiligen : in übernatürlicher Weise glücklich zu sein . Zu Orest ' s quälenden Eigenschaften gehörten auch die , daß er , wenn er nicht in irgend einer Spannung und Erregung war , sich beständig langweilte . Die soldatische Disziplin , dies und das und jenes zu der und der Stunde pünktlich verrichten zu müssen , war ihm anfangs äußerst lästig , allmählig aber ganz lieb gewesen ; denn sie gab ihm täglich die Befriedigung , die aus einer , wenn auch noch so geringen Pflichterfüllung hervorgeht . Überdas machte es der ganze Schwarm der Kameraden , unter denen sich doch mancher rebellische Kopf und störrische Nacken befand , genau so wie er , weil die Unannehmlichkeiten , welche der Mangel an Disziplin nach sich zog , doch am Ende noch lästiger waren , als die militärische Subordination . Aber auf Stamberg gab es keine Lebensregel für ihn . Er konnte schalten und walten wie - tun und