, lieber Bruder , daß ich einen Feldzugsplan im Großen beabsichtige und diesen gegen einen Feind angewendet wünsche , der uns fürchterlicher werden kann , als es gegenwärtig noch den Anschein hat . Soll ich wahr sein , so gestehe ich gern , daß mir die plumpe Forderung dieser Fremdlinge recht zu gelegener Zeit kommt . Sie hilft mir eine Idee verwirklichen , die ich lange Jahre still mit mir herumgetragen habe . Das Nähere , sobald wir uns sprechen ! Ich wünsche nur , daß Du meine Ansichten und Entwürfe theilen magst ! Einigen wir Brüder uns , so ist die Ausführung leicht , und stände ein ganzes Volk uns feindlich gegenüber . Es gilt nur Einsicht und kraftvolles Handeln . Nach den Erkundigungen , die ich seit zwei Tagen unter der Hand eingezogen habe , ist es nicht so gar unwahrscheinlich , daß wirklich hier oder da ein illegitimes Kind unseres galanten Herrn Vaters unbekannt in der Welt herumläuft . Es wäre zu viel verlangt , wenn irgend Jemand von uns forderte , daß wir solch wilden Sprößling und Ableger aufsuchen und an unsere Bruderherzen drücken sollten . Ich meines Theils spüre wenigstens ganz und gar keine Lust dazu . Allein gut wäre es doch , wenn man mit Bestimmtheit wüßte , wo sich diese Pseudo-Bobersteine umtreiben , die wohl schwerlich auf gräflichen Burgen Hof halten werden . Es wäre wichtig der Zukunft und unserer eigenen etwaigen Nachkommenschaft wegen . Auch könnte man mildthätig sein und das großmüthige Schicksal spielen , indem man solch unbekannten Bruder unterstützte , falls er sich in Noth befinden sollte . Aber nur spärlich , damit er stets abhängig bliebe und sich nie überheben könnte ! Ist eigener Besitz Macht , so wird er durch Gegenbesitz in gewisser Hinsicht Ohnmacht und das muß ein berechnender Kopf vermeiden . Unterlasse daher nicht , ganz in der Stille herumzuhorchen und nach Spuren Boberstein ' scher Lebensthätigkeit zu suchen ! Nur schweige , schweige unverbrüchlich , ich bitte Dich ! Da die Jahreszeit noch nicht zu sehr vorgerückt und das Wetter mild ist , wird es hoffentlich nichts zu bedeuten haben , wenn Du auch vier Wochen später unter Segel gehen solltest . Es wäre mir ohnehin des Geschäftes wegen solche Verzögerung lieb , denn um diese Zeit kann ich Dir die prächtigsten Proben neuer Druckmuster mitgeben , für die sich in Ostindien , sollte ich meinen , ein großer Absatz finden wird . Doch darum kümmerst Du Dich nicht , wie ich weiß , deshalb nur diese oberflächliche Andeutung . - So eben erhalte ich Antwort von Adalbert aus Schlesien . Er kommt nach Boberstein und ist ganz meiner Ansicht . Ich bitte Dich , eile ebenfalls zu mir , damit wir schleunigst einen gefährlichen Feind vernichten können , ehe er noch Zeit und Macht gewinnt , sich gegen uns zu erheben . Es grüßt Dich liebevoll Dein Bruder Adrian . « » Das wird lustig , « sagte Aurel , indem er den Brief verschloß und schnell nach den Kleidern grift , die Gilbert inzwischen herbeigeholt hatte . » Mein Bruder glaubt seiner Sache sehr gewiß zu sein , « fuhr er im stillen Selbstgespräche fort , während er sich ankleidete . » Vielleicht änderte sich diese Ansicht , hätte er Kenntniß von meinem Funde . - Arme , unschuldige Opfer eines leichtsinnigen Mannes ! Verbergen , nicht kennen , in Dürftigkeit will man Euch schmachten , vielleicht auch verkümmern lassen , wenn man Euch wirklich auffindet ! - Das läuft schnurstracks Sturm auf mein Gewissen , Bruder Adrian , und darum besorge ich , daß es in Bezug auf diesen Punct zwischen uns zu einem Kreuzfeuer kommen wird . - Vergrößerung des Elendes der Armen , herzloses , vorausberechnetes Verstoßen eigener Blutsverwandten ? - Nein , Bruder , das ist ein Weg , den ich nicht betrete ! - Ich habe des Elendes auf Erden schon zu viel gesehen , als daß ich aus eigensüchtigen Absichten noch beitragen sollte zu dessen Vermehrung . Lieber etwas weniger besitzen und Andere auch glücklich wissen , als im Ueberflusse schwelgen beim Gewimmer Verhungernder ! - - Gehe ich nach Boberstein ? Warte ich unbestimmte Zeit auf die Gefahr hin , bei späterem Absegeln mit Mann und Maus unterzugehen ? - Hm , das Ungefähr , das Schicksal , mein Spiritus familiaris mag entscheiden ! Erfahre ich , wessen Finger dieser Ring ehedem zierte , so will ich die Heimath meines Geschlechtes besuchen . - Heda , Gilbert , bist Du fertig ? « » Immer , wenn mein Kapitän befiehlt . « » Wie viel Uhr haben wir ? « » Ein Viertel nach eilf . « » Vorwärts denn nach der Mohrentaverne ! - - - « Jene hoch liegende Fläche , die zwischen Hamburg und Altona in beträchtlicher Ausdehnung sich hinzieht und nach der Elbe zu in ziemlicher Hügelsteile abfällt , heißt wie bekannt der Hamburger Berg . Ein Theil desselben ist den Spiel- , Gaukler- und Thierbuden eingeräumt , die Jahr aus Jahr ein in abwechselnder Mannigfaltigkeit dem Publicum daselbst offen stehen . An diese Buden lehnen sich Schenken und Tanzplätze für die niedrigsten Volksklassen in reicher Auswahl . Hier tummelt sich der Matrose Nacht für Nacht in ausgelassenster Lust und verpraßt , was er zur See sich erspart hat . Ein eigenthümliches , wüstes , tolles , oft wahrhaft satanisches Leben entfaltet sich gegen Mitternacht in diesen geräumigen Höhlen , ein Leben , wie es in solcher charakteristischen Buntheit , in solcher Raserei der Lust kaum eine zweite Stadt des europäischen Festlandes kennt . Wer den Menschen herabgewürdigt bis zum vernunftlosen Thiere , als willenlosen Knecht der entfesselten Sinnenlust sehen will , der trete in eine dieser Matrosenkneipen , und er wird seine kühnsten Erwartungen noch übertroffen finden . Scenen , wie sie unter dem Deckmantel der Nacht sich hier fast täglich wiederholen , vermag die ausschweifendste Phantasie des Dichters nicht zu erfinden . Zu den besuchtesten Orten des Hamburger Berges gehörte