wollte nicht glücklicher sein in der ganzen Fülle der Welt als so , wie es uns beiden da beschert war , und ich fühlte mich so gestärkt und knüpfte mich getreuer an Dich . - Und gelobte mir meinen Geist waffenfähig zu machen , und da gingen in Eile viele große kühne Taten vor mir vorüber , die ich all im Geist entschieden hatte , und da war ich so heiß einen Augenblick vor raschem Lebensentschluß und reiner Begeistrung . Und daher hab ich verstanden , was Du in Deinem Brief sagst von dem einfachen Phänomen , wo tragische Momente uns durch die Seele gehen , die sich ein Bild unsrer Lebensgeschichte auffangen , und wo die Umstände sich so ketten , daß man ein Tiefschmerzendes oder Hocherhebendes im Geist mit erlebt . - Mein Gefühl aber war nicht tragisch , es war glorreich , es war jubelnd , überall war ich Sieger ; - ja recht wie ein Adler , der sich aufschwingt über den Erdenballast von allen Geschicken , und der nur fliegen will , und so bin ich da auch ein paar Minuten über jenen Gelübden eingeschlafen , als wenn der Schlaf die Bestätigung aller Geisteserhebung wär ! - Oder ist es vielleicht im Schlummer , daß der Geist in seinen Gelübden aufsteigt ? - So war ' s mir nach jenem kurzen Schlaf , als sei ich im Port meines Lebens angelangt , und als brauche ich keine fremden Wege mehr zu suchen . - Es war , daß ich immer Dir verbleiben wollt , daß alles Glück , was uns entgegenkomme , nur Dein sein solle , und daß ich ' s nur durch Dich genießen wolle . Drum schieden wir auch am Morgen so leicht und heiter , ich stieg in den Wagen , der mich am Ufer erwartete , um nach Frankfurt zu fahren , und Du bliebst auf dem Schiff , und ich hatte Dir nicht einmal die Hand gereicht und rief nur hinüber : » Adieu Günderode ! « und Du riefst meinen Namen . Und es war , als ob die Welt uns nicht trennen könne . - Aber wie ich eine Weile vorwärtsgefahren war und sah Dein Schiff mit seinem südlichen Garten noch von weitem , da fiel mir ' s auf einmal ein , daß ich Dir nicht die Hand gereicht hatte und Dich nicht geküßt hatte und Du mich auch nicht auf meine Stirn , was Du doch sonst immer tatst und jeden Abend , wenn ich von Dir ging . - Und es war mir so angst drum , daß ich gern umgekehrt wär , wenn ich gedurft hätte . - Und jetzt , wenn ich an Dich denk und Du schreibst nicht , so fällt mir ' s ein und ängstigt mich . Aber doch ist es ja ein gutes Zeichen , ein so sicheres Gefühl , daß wir nicht getrennt seien , und wenn doch diese schönste idealische Nacht unseres Lebens die letzte war , die wir miteinander zubrachten , so wird uns auch der Genius wieder so zusammenführen , - und hin durch heiße Länder , wo kein Sehnen ist , und wo wir am Morgen nicht um den Abschied sorgen , weil wir uns nicht trennen werden . - Nur , daß ich jetzt in die beschneiten Felder sehe , und daß mir der Winter so tot jetzt erscheint , wo mir eine italienische Sommerglut im Herzen wogt ! - Ja , wir wollen fort , Günderode , wir zusammen ; - es war ein Schicksalsruf , jene himmlische Nacht unter südlichen Blüten , - sie rief uns zu dem Land , dort wohin mein Sehnen geht , um das ich schon mit der Mignon meine Nächte verweint habe . - Das erste , wenn wir uns wiedersehen , soll es sein , daß wir einen festen und reifen Plan machen . - Es ist am End ganz lächerlich , wenn wir alles Schöne und Herrliche , von dem gesprochen wird , im Geist berühren und genießen , und wir sitzen in der Wirklichkeit wie eingefroren . Ich bin begierig , ob wir ' s nicht dazu bringen , in der pappendeckelnen Welt ; das ist ' s eben , daß sie von Pappendeckel ist . - Da fällt mir wieder mein Kindertraum ein , wo ich auf einem backsteinernen Fluß auf der Reise war und die Ruderer vergeblich Wellen schlagen wollten , und nur mit den Stechstangen ging ' s langsam vorwärts , - und das krachte so unangenehm , es pfiff , daß es mir zwischen den Zähnchen weh tat . Ach und die Reisegefährten schnitten so fürchterliche Gesichter , - da hab ich recht in Natura gesehen und ohne Schleier , was ein Philister für eine fürchterliche Lebenslarve hat . - Der Trieb zur Schönheit ist doch wohl noch das einzige , was von einer höheren Natur übrig ist . - Am Feiertag wollt ich , der Ephraim sollt mich besuchen , es war mein Lerntag , aber weil ' s Feiertag war , so konnt ich einmal die Stund verplaudern mit ihm , wozu ich so große Lust hatte , und mit meinen Tannenbäumen eine Laube um seinen Sitz gebaut , das hat mir groß Vergnügen gemacht , ich schenkte ihm auch Wein ein , da kam der Professor Weiß dazu , der hatte mit ihm zu reden wegen zwei Schülern , der sprach auch mit großer Achtung mit ihm , daß er so große Kenntnisse habe . Sein Enkel holte ihn ab und blieb noch eine Weile da , aber er setzte sich nicht vor seinem Großvater und blieb stehen , und von dem Wein nippte er nur - und ich will Dir gestehen , daß ich die ganze Zeit von Dir gesprochen hab , denn ich kann auch nicht gut von anderem sprechen , weil ich doch immer dran denk , ob ich bald einen Brief von Dir krieg . - Was soll ich noch von