zu ihrer langsamen Auflösung einschlagen würde ; denn den Gedanken an gänzliche Herstellung räumte er weder sich , noch den Anderen ein , wenn er den fliegenden Puls unter seinem Finger fühlte - und fast war Keiner , der es wünschte . Auch blieb Fennimor ' s Zustand lange in einer Verhüllung , die halb geistig , halb körperlich war ; und zum Erstaunen , zur tiefsten Erschütterung gereichte es ihren Umgebungen , daß sie aus der Gegenwart entrückt blieb und das spielende Kind in den Buchenwäldern von Stirlings-Bai war , mit allen holden Tändeleien und dem vollen Liebesschatze dieser Zeit . Daß dieser milde Zustand mit der Genesung enden müsse , sagten sich Alle mit Schmerz , und so war auch ihr erster Ruf : » Leonin ! « ein Symptom der Krisis - mit denselben Uebergängen kehrte sie zurück - Thränenströme flossen nieder - Keinem gab sie Antwort , als die eine : » er hat mich doch so sehr geliebt ! « Dann trat ein tiefes Verstummen ein , was sie bei den nöthigen Störungen nachgiebig und verstehend , aber völlig wortlos zeigte . Bis dahin hatte sie weder ihres Kindes gedacht , noch war es ihr nahe gebracht worden . Da regte der Vikar diese Erinnerung in ihr an , und nach einigen Wiederholungen sah man ihrem Aufhorchen an , daß ihre Gedanken aus dem Schlummer geweckt wurden . Wie rührend war es , die steigende Ahnung in diesem bleichen himmlischen Antlitze zu verfolgen ; - plötzlich rötheten sich die lilienweißen Wangen , die Augen gewannen Glanz , und sie sagte kindlich schluchzend : » ein liebes kleines Kind , was mein ist ! « Da legte ihr Emmy das schlafende Wesen in den Schooß und zog den Schleier von seinem Köpfchen . Sogleich erkannte es Fennimor , und ein heißer Strom von Wonne fluthete noch ein Mal durch dies gebrochene Herz . » Mein Kind ! mein liebes kleines Kind ! « sagte sie immerfort leise , bebend , aber mit einer Innigkeit und so wunderbarem Ausdrucke von Entzücken , daß Beide davon schlichen , um im Nebenzimmer , schreiend fast vor Erschütterung , sich in die Arme zu sinken und Thränen zu weinen , die einem Gemische von Wonne und Schmerz angehörten . Lange ließ man sie allein - sie bemerkte nichts , als ihr Kind . Als es erwachte und sich ruhig dehnte , und die klaren Aeuglein mit dem Schlafe kämpfend so lieblich blinkten , und die kleinen Händchen das wunderliebliche Hämmern begannen , sahen sie Fennimor zuerst leise lachen . Sie versuchte es instinktartig an ihren bleichen Mund zu ziehen ; aber die müden , schwachen Hände hatten dazu keine Kraft . Das Kind ward unruhig - ein leises Weinen hub an . Fennimor erschrak und ward roth - sie nahm alle Kraft zusammen und drückte es endlich an ihre Brust ; - aber das Kind weinte nur lauter . Mit Gewalt fast hielt der herbeigekommene Arzt die Freunde zurück . - » Hieran wird sie sich sammeln , stört sie nicht ! « sagte der verständige Mann - » Gott ist groß in der Stimme der Natur ! « Die Angst , es zu trösten , zeigte sich deutlicher ; sie hatte nur zu bald eine Ahnung früheren Glückes empfunden . Mit dem Bewußtsein , wie sie es sonst beruhigt , tauchte die Erinnerung ihrer langen Trennung von ihm auf ; - seufzend ließ sie die müden Arme niedersinken - vor ihrem Kinde fand sie ihr Bewußtsein , ihren Schmerz , ihr ganzes Unglück wieder ! Als sie laut mit ihrem Kinde zusammen weinte , traten die Freunde hinzu . - Emmy nahm das hilfsbedürftige Wesen von ihrem Schooße . Da versiegten Fennimor ' s Thränen - sie versuchte aufzustehen , und da sie es nicht allein vermochte , unterstützten sie der Arzt und Veronika . Wohin sie begehrte , sagten ihre Augen , die Emmy ' s Schritten folgten . Der Arzt gab immer nach ; sie trugen Fennimor fast , die von ihrer Hinfälligkeit nichts zu bemerken schien . Im Nebenzimmer fand sie schon die Bäuerin mit dem Kinde an ihrer Brust . In tiefen Gedanken blieb sie vor diesem Anblicke stehen - sie setzten sie leise in einen Lehnstuhl vor der mitleidigen Amme nieder , und Fennimor sah nun , wie ihr Kind von einer Anderen Leben und Trost empfing . Tiefe Seufzer stiegen aus ihrer Brust auf - Thräne auf Thräne floß nieder , ein leises , schmerzliches Wimmern deutete an , daß sie ihr großes Leiden langsam zu verstehen begann . Die Bäuerin selbst zerfloß in Thränen und kniete dann mit dem rosenroth gefärbten , süß entschlafenen Kinde vor der unglücklichen Mutter . Da verlor der Schmerz seinen Stachel - der süße Athem , der über die kleinen , rothen Lippen säuselte , stieg erquickend zu ihr auf - das Kind verdrängte mit seiner reichen Schönheit jede damit verknüpfte Beziehung . Fennimor bekam wieder den verklärten Glanz von Wonne und verlor sich ganz in seinen Anblick . Als es aber unter ihren zärtlichen Liebkosungen erwachte und sie erst erstaun tansah , dann suchend das Gesicht der Bäuerin fand , und das entzückte Lächeln des Erkennens plötzlich durch den ganzen kleinen Körper zuckte , da richteten sich Fennimors Augen auf diesen ersten Liebesgegenstand ihres Kindes ; - und als sie den zärtlichen Blick sah , womit das gute Weib dies Erkennungszeichen erwiederte , lächelte auch sie ihr freundlich zu und strich leise mit der Hand über das gutmüthige , braune Gesicht . Von da an behielt sie eine still versenkte Existenz in ihrem Kinde , über das sie oft in rührenden Gebeten lag , die alle so harmlose , süße Gespräche mit Gott waren , so immer nur über seine schönen , wunderbaren Werke , daß Alle sichtlich zu verstehen glaubten , wie Gott sie zu sich zöge und ihr die Welt verhülle , nur den Weg zu ihm ihr offen zeigend . Von ihrem eignen