indem die Menschen mit dem Gepäck zwischen den Kochfeuern hindurchliefen , wurde mancher brennende Klotz von seinem Orte hinweggestoßen , knisterte und sprühte in dem Wege , den das Brautpaar zu gehen hatte . Nach dem Linnen , dem Flachs , den Betten , den Kleidungsstücken nahm die Braut mit ihren drei Jungfern und dem Spinnrade , welches sie selbst trug , auf dem Wagen Platz . Der Bräutigam setzte sich abgesondert von ihr in den hintersten Teil des Fahrzeuges , und die jungen Bursche mußten diesem zu Fuße folgen , da die Ausstattung zu viel Raum einnahm , um ihnen noch Sitze zu gestatten . Hierüber machte der eine hergebrachte Späße gegen den Hofschulzen , auf welche dieser schmunzelnd antwortete . Er ging hinter den jungen Burschen her , und zu ihm gesellte sich der Jäger . So gingen zwei zusammen , welche an diesem Tage die entgegengesetztesten Empfindungen hegten . Denn der Hofschulze dachte an nichts , als an die Hochzeit , und der Jäger an nichts weniger , als an sie , obgleich seine Gedanken um den Brautwagen flogen . Fahre dieser nun langsam nach dem Hofe des Bräutigams , wo schon die ganze Hochzeitsgesellschaft , Männer , Frauen , Mädchen , junge Bursche aus allen umliegenden Wehren , und überdies die Freunde aus der Stadt , der Hauptmann und der Sammler seiner warten . Dort wird abgeladen ; wir gehen inzwischen voran zur Kirche , die in der Mitte der ganzen Bauerschaft auf einem grünen Hügel , beschattet von Walnußbäumen und wilden Kastanien liegt . - In der Sakristei beschäftigte sich der Diakonus still mit seinem Texte . Er gehörte zu den glücklichen Geistlichen , deren innerste Glaubenskraft vom Zweifel , welchen die neuere Wissenschaft erst recht gründlich ausgeschaffen hat , nicht berührt wird . Die verflüchtigenden Vorstellungen , welche in das Christentum eingedrungen sind , waren ihm nicht fremd geblieben , und sein Geist mußte zu sich sagen , daß darin mehr Wahrheit sei , als in dem Buchstaben des Orthodoxen . Aber es ging ihm mit der heiligen Geschichte , wie es uns mit unsern Eltern geht . Wir erkennen ihre Schwächen und sind doch , wo es auf etwas ankommt , immer ihre Kinder . Denn er wurde gleich ein anderer , wenn er das Heiligtum betrat ; zwischen dessen Wänden verschwand ihm die Kälte , er empfand das Evangelium in allen seinen Ausstrahlungen , Wundern und Widersprüchen als eine ewige Tatsache , und als eine wirkliche , nicht als eine gemachte . So war er denn nie in der Kirche Lippengläubiger , sondern erbaut , um andere zu erbauen . Auch heute war er in den Gegenstand seiner Predigt fromm vertieft . Indessen störte ihn einigermaßen der Küster , welcher , ohne noch dort ein Geschäft zu haben , auch in der Sakristei verweilte , seinen Oberen mit verlegenen Blicken anschaute und dazu unablässig seufzte . Der Diakonus sah sich endlich genötigt , ihn zu fragen , was dies zu bedeuten habe ? » Beklemmung , Beängstigung , ein ungemeines Blutwallen und Zudringen der Säfte nach dem Kopfe hat es zu bedeuten , Herr Diakonus « , versetzte der seufzende Küster . » Es ist nicht zu verwundern , daß Ihr beklommen seid « , antwortete lächelnd der Diakonus . » Dieses Kopfkissen , welches Ihr jahraus , jahrein , sobald wir die Stadt verlassen , eingeknöpft auf dem Unterleibe tragt , die Witterung mag so schön sein , wie sie will , muß Euch das Blut wallen machen und die Säfte zu Kopfe treiben . « » Es ist nicht dieses , mein Herr Diakonus « , erwiderte der Küster , indem er seinen ausgestopften Unterleib streichelte , welcher sich in sonderbaren Wellenlinien , Wülsten und Knoten darwies , weil der Inhaber die Federn des Kissens nicht ganz gleich verteilt und verstrichen hatte . » Es ist nicht dieses . Besser bewahrt , wie beklagt , ich weiß ja , was eine hartnäckige Verkältung auf sich hat . Das Kissen ist gleichsam ein Teil von mir geworden und ruht mir ohne die mindeste Beschwer auf dem Herzen . Aber weshalb ich beklommen bin , das ist die Furcht vor einer Herabsetzung meines Ansehens und vor einer Schändung sozusagen des ganzen Küsterstandes , welche mir auf dieser unglückseligen Hochzeit bevorsteht . « » Wie denn so ? « » Der Herr Diakonus wissen , daß der Schulmeister loci vor nunmehr beinahe acht Tagen verstorben ist , und seine Stelle noch keine Besetzung gefunden hat . So fehlet also dieser Hochzeit der zweite observanzmäßige Aufwärter7 , und da hat nun der Hofschulze , dieser alte eigensinnige Mann sich nicht entblödet , mir gestern an- und zumuten zu lassen , ich solle statt des fehlenden Schulmeisters aufwarten , weil Küster und Schulmeister miteinander die meiste Ähnlichkeit und Verwandtschaft hätten , worüber ich denn die ganze Nacht hindurch kein Auge zugetan habe . Annoch kann ich vor Herzklopfen mich nicht zufriedengeben . « » Freilich würde bei der Aufwartung die eigene Leibesnahrung nicht so wohl gedeihen « , sagte der Diakonus . » Dieses nebenbei « , sprach der Küster sehr ernst . » Nötigenfalls würde durch Bündelschnüren und Serviettenverpackung dafür gesorgt werden , daß Küsterei in ihren Gerechtsamen keinen Schaden erlitte . Aber daß die Würde eine Beeinträchtigung dulden müßte und die Freiheit der Stelle von allen und jeden Aufwartediensten eine Verletzung erführe ; dieses ist die Hauptsache . Und ehe ich ein solches Präjudiz aufkommen lasse , wodurch mittelst fernerer Nachlässigkeit der Amtsnachfolger Küsterei einer immerwährenden Last unterzogen werden könnte , sterbe ich lieber , obschon ich einsehe , daß meine Weigernis einen furchtbarlichen Lärmen hervorbringen kann , denn der Hofschulze ist in allem fest , was er sich vorsetzte . Daher entsprießet denn wohl nicht ohne Grund einiger Kummer . « Der Diakonus , der durch das Geschwätz des närrischen Küsters sich in seinen Gedanken unangenehm geirrt fühlte , beschwichtigte ihn mit der Versicherung , daß er seinen Einfluß verwenden werde ,