nichts von meiner heftigen Weise , die stärker ist , als ich sie sonst in mir kannte , was ich jetzt wohl fühle ; denn die Kräfte des Menschen , wenn sie erweckt werden , treiben gute und böse Früchte , und , eingehegt von treuer Liebe und belebt vom reinsten Vertrauen , kannte ich den Widerstand nicht , den ich heftig in mir sich regen fühle , wo Beides aus meinem Leben nun verschwunden ist . Doch ich will mich gegen Euch ganz bezwingen lernen ; denn Euch muß ich am meisten jetzt vertrauen , wenn ich auch wünsche , Ihr vertrautet in höherem Grade Euch selbst . Es sind erst Stunden verflossen , seit mein Geist von einer Schwäche befallen war , die , mir sonst fremd , mich jetzt mit Angst erfüllt . Ich glaubte sonst , der äußern Noth zu widerstehen , sei das Schwerste ; aber ein tödtliches Grauen umschleicht mich , wenn ich denke , der Geist wird endlich müde und schläft ein ; im Schlaf könnte er geschehen lassen , wovor ihm beim Erwachen grauete . Seht , sagte sie leiser und mit kindlicher Furchtsamkeit ihm nahend , ich zittere für das Heil meiner Seele ! Ihr könnt nicht läugnen , ehrwürdiger Herr , hier wird ein anderer Glaube , als der meine , streng geübt , man wird mich ungern als anders Glaubende hier dulden , man wird den Uebelstand durch Bekehrung heben wollen , und seit heute Morgen fehlt mir der gute Muth , ich könnte siegend mir selbst getreu verbleiben . Ich sehnte mich zu sterben in meinem Schmerze , und konnte nicht recht beten , und jeder Trost , der lebenskräftig sonst aus meinem Glauben mir entgegen trat , war mir so fern , wie hinter Nebeln ein Freund , den man nur schwach erkennt . Das könnte wiederkehren ; ich weiß nicht , wie ich sagen soll ; sterben möchte ich , nur nicht den Rückschritt thun zu Eurer Kirche , und möglich halte ich ihn blos , weil mir die neue Erfahrung geworden ist von meiner Geistesschwäche . - Unglückliches Kind ! sprach nach einer Pause der Geistliche mit mehr Gefühl , als er sich gestatten wollte , Ihr rührt mich , so sehr ich Euch im Irrthume sehe , und darum desto mehr . Warum ward Euerm fähigen Geiste nicht von Jugend auf die sanfte Lenkung unsrer Kirche zu Theil ? Nicht Furcht , nicht Zweifel beugten dann Euern Muth ; Ihr würdet in jedem Glaubensbruder die Verwandten wieder finden , die Euch entrissen sind , wie Tausenden vor Euch . Das ist der Fluch von jener Spaltung der wahren , vom Heilande eingesetzten Kirche , daß Mensch vom Menschen geschieden steht im irren Zweifel , daß der Eine seiner Seele Heil nur dann behütet glaubt , wenn er gering hält und verachtet , was dem Andern heilig erscheint . Wo ist der Anhalt in Eurer Kirche , wenn der Geist ermüdet unterliegt , wie Ihr eben an Euch selbst gewahrtet ? Der Hochmuth Eurer Selbstgerechtigkeit treibt Euch hinaus , weit über die Grenzen Eurer wahren Kraft . Ihr unterliegt in dem eiteln Treiben der Welt , und nirgends findet Ihr den Anhalt in dieser Wüste , nirgends den sichern Port , in dem Ihr ausruhen könnt , und Schutz und Hülfe findet . Er ist nur im Schooße unserer Kirche , nur Eigenthum der frommen Männer , die in heiliger Betrachtung der göttlichen Dinge den Maaßstab für die richtige Würdigung irdischer Noth gefunden . Sie allein vermögen uns zu stützen , wo wir erlahmen in dem wilden Jagen nach eitler Lust ; und Ihr fürchtet diese Stütze , Ihr fürchtet sie in dem Augenblicke , wo Ihr Euch schwankend fühlt in Eurem stolzen Alleinsein . - Genug , ehrwürdiger Sir , unterbrach Maria hier den Eifernden schnell ; zu sehr mahnt mich Eure Rede daran , daß ich nicht umsonst fürchtete , in diesem Hause den Angriffen Eures Glaubenseifers ausgesetzt zu sein . Nicht zum polemischen Kampfe fühle ich mich gerüstet , und billig solltet Ihr meinem Geschlechte und meiner Jugend dies erlassen wollen , obwol , verhehlen will ich ' s Euch nicht , mir Einiges beifällt , das darthun möchte , die Erde sei überall des Herrn , und Hinfälligkeit drücke ihren Stempel auf alles Menschen-Werk . Der Glaube , dem ich angehöre , giebt mir Kraft , und eben jetzt , mich aufzulehnen gegen falsches , unklares Treiben . Frei bin ich geboren , und einem hohen Geschlechte gehöre ich an , wenn über seinen Namen mir auch ein Gewebe gezogen ist , in welchem ich Wahrheit von Trug nicht mehr zu trennen weiß . Dem gemäß darf ich nicht leiden , daß ich zu unbekannten Zwecken unbekannter Menschen diene und müßt Ihr mich verlassen , so begehre ich mindestens durch Euch die kennen zu lernen , die hier gebieten , auf daß ich mich offen mit ihnen selbst verständigen könne . Maria hatte ihre volle Energie wieder erlangt ; ihr schönes Antlitz zeigte Licht und Farben , ihr schlanker Wuchs hob königlich sich höher , und der Ton ihrer Stimme hatte die bebende Tiefe , die aus einem gekränkten Herzen kömmt . Pater Clemens übersah dies nicht und fühlte wohl , wie wenig fürs Erste diese Stimmung geeignet sei , ihrem Schicksal eine bessere Wendung zu geben ; aber diese Betrachtung war zugleich mit einem warmen Gefühl der Theilnahme verbunden und machte es ihm unmöglich , ihren Vortheil ganz zu übersehen , ja , ihn beschlich sogar ein Gefühl von Furcht vor derselben Macht , der er diente , als müßte er sie davor zu schützen suchen . Vielleicht hätte ein etwas ruhigeres Nachdenken ihn dieser menschlichen Empfindung entzogen und ihn wieder zum Sklaven seiner aufgenommenen Pflicht gemacht . Häufig indeß übt eine wahrhaft edle Natur auf ein mühsam bezwungenes Gemüth , worin der edle Keim , überbaut von Absicht und Sophisterei , begraben liegt , die magische Gewalt , belebend