Der gute Künstler war ganz verwundert , daß seiner Geschichte nichts als ein dumpfes Schweigen folgte . Beim Nachhausegehn fragte er mich , ob er gegen jemand verstoßen habe , worauf ich ihm versetzte , der ganze Tag sei nur ein Verstoß gewesen . Kurz nach diesem unglücklichen Ausgange byzantinischer Bestrebungen schickten die Meyer und Wilhelmi Verlobungskarten umher . Wir erfuhren , daß Wilhelmi nach ihrem Rückzuge aus der Gesellschaft ihr gefolgt sei , und sie auf dem Sofa liegend , erschöpft und weinend , gefunden habe . Sein Herz war gegen die Leidende übergegangen , aus sanften Tröstungen hatte sich bald eine zärtliche Erklärung entwickelt . Da sie , zu beständigem Wittum entschlossen , dieser widerstanden hatte , soll er auf eine kluge Weise haben einfließen lassen , daß ein kunstkundiger Gemahl ihr gesagt haben würde , die Maler ständen nun einmal von nackten Mädchen nicht ab , und wer solches nicht ertragen könne , der müsse sie nicht in das Haus nehmen . Da hat die Meyer auf einmal die ganze Mißlichkeit ihrer Stellung erkannt , hat eingesehen , daß eine gelehrte Frau , welche sich behaupten will , durchaus eines Gatten bedarf , der seine Schulen durchgemacht hat ; und aus diesen Gefühlen und Erwägungen ist das Bündnis erwachsen , worüber die Stadt beinahe eine ganze Woche zu reden hatte , welches aber jetzt über andre Dinge von Belang schon wieder vergessen worden ist . « Nur ungern hörte Hermann diese Erzählung mit an , welche ihm zwei Personen , denen er zugetan war , in einem lächerlichen Lichte zeigte ; indessen konnte er der unermüdlichen Zunge des Spötters nicht entrinnen . - » Wie sie bemüht sind , sich alles zu zersprechen , damit nur gar nichts übrigbleibe , woran Liebe und Verehrung haften kann ! « rief er , als er allein war , aus . » Dieser Mensch nennt sich einen Freund des Hauses und scheut sich nicht , mit der giftigsten Lästerung über die Herrin des Hauses herzufallen ! « Er hatte vergessen , daß ein geheimer Hohn die Lebensluft der guten Gesellschaft ist , weil nur durch ihn das Gleichgewicht bewahrt wird , dessen sich jedes Mitglied bewußt sein muß , um zur Unterhaltung beizutragen . Nach manchen vergeblichen Gängen traf er endlich seinen Freund Wilhelmi , und wünschte ihm herzlich Glück . Mußte er auch über dessen Emphase lächeln , womit Wilhelmi lauter Eigenschaften an seiner Verlobten hervorhob , welche diese wirklich nicht in ausnehmendem Grade besaß , so war in dessen Äußerungen doch so viel Empfundnes , so fühlte der Freund doch so tief das Glück , einem einsamen Leben zu entrinnen , daß er sich wahrhaft über dessen Schicksal freuen konnte . Selbst das Äußere Wilhelmis hatte der Bräutigamsstand verwandelt , seine Wangen waren röter geworden , seine Augen lebhafter , und er sah wieder wie ein stattlicher Mann in den besten Jahren aus . Auch Madame Meyer fand er vorteilhaft verändert . Sie war stiller und sinnender , trug sich nicht mehr so viel vor , redete auch mehr von den gewöhnlichen Dingen des Lebens , als von der Kunst . Die Kapelle und die altertümlichen Sammlungen waren geschlossen . Sie empfing ihre Freunde wirklich in den Zimmern , die der Spötter beschrieben hatte . Der Kreis ihrer Gesellschaft hatte sich verengt , und sie bekannte unsrem Freunde in einer traulichen Stunde , daß sie sich dabei wohler fühle . Dagegen sagte Wilhelmi , daß er nur die Hochzeit abwarten wolle , um dann die Vereinigung seiner Sammlungen mit denen seiner Frau vorzunehmen , und in das ganze Besitztum eine systematische Ordnung zu bringen . Er fügte triumphierend hinzu , daß diese verbundnen Schätze von der Art sein würden , um auch noch neben den Sammlungen des Staats die Aufmerksamkeit der Kenner und Liebhaber zu erregen . » Dein gutes Geschick hat freundlich für dich gesorgt « , versetzte Hermann . » Du wolltest Direktor des Nationalmuseums werden , worin du manchen Verdruß und Zwang würdest zu erdulden gehabt haben . Anstatt dessen macht dich die Liebe zum Kustos eines Privatkabinetts , mit dem du wirst schalten können , wie du magst . « War es ihm von Herzen lieb , das Los seiner Freunde auf so zuverlässige Art gesichert zu sehn , so konnte er sich doch eines stillen Neides nicht erwehren . » Der Misanthrop , der Grillenhafte wird ohne sein Zutun , aller Wahrscheinlichkeit zuwider , in den Hafen geführt , während ich , der ich das Glück einfach und gerades Weges suche , plan- und bahnlos mich von meinem Ziele fortschleudern lassen muß ! « rief er . » Wo ist da noch Zusammenhang in der Welt , wenn Launen und Seltsamkeiten das Gute und Zweckmäßige gebären , dem wirklichsten Bedürfnisse aber sich grausam die Erfüllung versagt ? « Er fühlte lauter Widersprüche in seinem Schicksale , und ein unbestimmtes Grauen vor der nächsten Zukunft überschlich ihn . Um Schutz gegen sich und seine Gedanken zu finden , nahm er die Bibel zur Hand , welche aber hier , wie in jedem Falle einer aus dem Stegreife mit ihr gesuchten Bekanntschaft , dieselbe ablehnte und dem heftig Andringenden ein hartes , undeutsames Antlitz zeigte . Von Johannen und Medon hörte er wenig . Sie hatte sich seit einiger Zeit fast ganz zurückgezogen und selbst den Umgang mit Madame Meyer aufgegeben : Er war , wie man sagte , von seinem Plane , zu reisen , abgegangen , und sollte sehr ernsthaft an einer staatswirtschaftlichen Schrift arbeiten . Hermann schob seinen Besuch von Tage zu Tage auf , obgleich ihn eine tiefe Sympathie zu dem unglücklichen schönen Wesen hinschmeicheln wollte . Das Museum war jetzt der Sammelpunkt der feinen Welt geworden . Eines Tages traf Hermann dort den Prinzen , welchem er in Medons Hause vorgestellt worden war , den Erzähler des Mondscheinmärchens . Er war so gefällig , sich seiner zu erinnern , und freute sich , ihn wiederzusehn . » Man wollte hier