. Er lebte noch vorgestern , erwiederte der Geistliche . Die Aerzte sollen aber sein Aufkommen bezweifeln und der Divisions-General die heftigste Verfolgung der Flüchtlinge beabsichtigen . Deßhalb rathe ich Ihnen , Ihre Freunde so bald als möglich fortzuschaffen und nicht eine Minute länger , als es nöthig ist , zu zaudern . Der Graf dankte dem Prediger und eilte , seinem Oheime die Nachrichten , die er eben erhalten hatte , mitzutheilen , worauf Dübois gerufen wurde , der alsbald wieder die Zimmer des Grafen verließ , um Postpferde für den folgenden Morgen um fünf Uhr zu bestellen . Der Arzt hatte die Wunde des Kranken eben verbunden , als der Graf Robert zu diesem eintrat , ihm die Nothwendigkeit anzuzeigen , schon den andern Morgen zu reisen . Wertheim war mit dieser Anordnung zufrieden , denn er fühlte sich gedrückt unter dem Dache des Grafen . Der Arzt theilte ihm hierauf noch , ehe er sich zurückzog , die nöthigen Verhaltungsregeln für die Reise mit , versprach auch um vier Uhr die Wunde noch ein Mal zu verbinden und kehrte dann zum Prediger zurück , den er noch rauchend auf seinem Zimmer fand , und der nun auch mit dem übermüthigen Rathe von ihm schied , in der Zukunft das unnütze Bestreben ihm etwas zu verheimlichen aufzugeben . XV In der Dämmerung des Morgens hielt eine schlechte Postchaise auf dem Hofe und der Baron Lehndorf bestieg sie mit seinem Freunde , nachdem dieser aus den Händen des Arztes befreit war , der dieß Mal seinen Verband noch sorgfältiger als gewöhnlich aufgelegt hatte , damit die Anstrengung der Reise die Wunde so wenig als möglich erhitzen möge . Ein kleiner Mantelsack war gepackt worden , der die nöthigsten Gegenstände enthielt , mit denen der Graf Robert die scheidenden Freunde versorgte . Eine Summe Geldes hatte er ihnen ebenfalls eingehändigt , die ihre nächste Zukunft sicherte , und ob sie ihm gleich herzlich dankten , so empfingen sie doch seine Hülfe ohne Beschämung , da er zu ihrer Verbrüderung gehörte und es die Pflicht eines jeden Mitbruders war , aus allen Kräften die Glieder des Bundes zu unterstützen , die eben Hülfe bedurften . Da die Freunde aus sicheren Quellen wußten , daß Schill in Berlin erwartet wurde , so beschlossen sie , sich ebenfalls dahin zu begeben , und der Graf Robert hatte ihnen versprochen , dort wieder mit ihnen zusammen zu treffen , da auch er zunächst die Hauptstadt besuchen wollte und die Abreise dahin immer nur verzögert hatte , weil er sich vor dem Schmerze der Trennung fürchtete . Die beiden scheidenden Freunde hatten beinah die ganze Nacht dazu angewendet , ihn zu überreden , sich ebenfalls , wie sie es beschlossen hatten , an Schill anzuschließen . Der Graf aber war dem seinem Oheim gegebenen Worte treu geblieben , dem er feierlich versprochen hatte , nichts übereilt zu beschließen und jedes Unternehmen vorher streng zu prüfen , ehe er sich zur Theilnahme bereit zeigte . Deßhalb blieb er standhaft dabei , den Freunden zu versichern , daß er , wenn ihm in der Nähe Alles so sicher und vortheilhaft für die gute Sache erscheinen sollte , wie es ihnen in der Ferne vorkäme , dann keinen Anstand nehmen würde , sich mit ihnen zu vereinigen . Diese sehr bedingte Zusicherung war den Freunden keineswegs angenehm und sie beklagten in dieser Rücksicht ihren zu kurzen Aufenthalt auf Schloß Hohenthal , weil sie meinten , der Graf Robert würde ihrer Ansicht haben weichen müssen , wenn sie Zeit gehabt hätten öfter auf den Gegenstand zurück zu kommen . Doch trösteten sie sich damit , daß in Berlin der Anblick der Schaar begeisterter Krieger , die den heldenmüthigen Anführer umgab , auch die Seele des kälteren Freundes entzünden und ihn bestimmen würde , durch einen kühnen Entschluß in ihre Mitte einzutreten . Die Gräfin wunderte sich über die schnelle Abreise seiner Freunde , als der Graf Robert sie ihr beim Frühstück anzeigte . Doch fand sie es natürlich , daß der Herr von Wertheim einen Aufenthalt zu verlassen eilte , der ihm unangenehme Erinnerungen aufdrängte , und sie beklagte nur , daß vielleicht seine Gesundheit durch die zu große unnütze Eile leiden könne . Der Graf meinte , in der Jugend habe man viele Lebenskraft und könne großen Beschwerden Trotz bieten . Er selbst könne die Abreise der beiden Freunde nur loben und würde an ihrer Stelle eben so gehandelt haben . Man fand nichts Ungewöhnliches darin , als nach dem Frühstück der Graf sein Pferd zu satteln befahl , weil er dem Prediger einen Besuch machen wollte , mit dem er , wie er sagte , manche die Gemeinde betreffende Gegenstände zu berathen habe , und die Gräfin ahnte nicht , als sie ihm nachblickte , indem er von dem Hofe hinunter ritt , welcher Zusammenkunft er entgegen eilte . Im Hause des Predigers war er schon mit Ungeduld erwartet worden , denn dem Hausherrn wurden seine Gäste überaus lästig , weil der alte Lorenz unter dem Schirme seines vornehmen Freundes den Prediger mit einer beleidigenden Vertraulichkeit quälte , die dieser nicht zurückzuweisen verstand und sich auch nicht geneigt fühlte zu ertragen . Er eilte also dem Grafen , so wie er ihn erblickte , vor die Thür seines Hauses entgegen und bewillkommnete ihn mit herzlicher Freude . Der Graf erwiederte diese freundliche Begrüßung in merklicher Spannung , und die Eile , mit welcher er eintrat , zeigte deutlich , daß er die ihn erwartende peinliche Unterredung so bald als möglich zu beendigen wünschte . Als er das Wohnzimmer des Pfarrers erreicht hatte , trat ihm der Baron Schlebach mit verbindlicher Freundlichkeit entgegen und wollte ihn mit der Vertraulichkeit eines Verwandten umarmen . Der Graf wich diesem Zeichen der Freundschaft durch eine höfliche , kalte Verbeugung aus und sagte , indem er einen strengen , verächtlichen Blick auf den alten Lorenz richtete : Da Sie mich wahrscheinlich allein und ungestört zu sprechen gewünscht haben , so denke ich