« Ruhig gleiten die Augen des Herzogs und rechnen und messen . Da drüben eine schwere Übermacht . Und ein Heerhaufe , dessen Kern aus einer geschulten Söldnertruppe und aus vielen Hunderten von ritterlichen Herren besteht , die aller Dinge des Krieges kundig sind . Herüben nur an die zwanzig adlige Leute , eine kleine Söldnerschar , dazu das bescheidene Heer der Städter , die gestern noch bei ihrem bürgerlichen Handwerk waren , und der regellose Schwarm der Bauern , die schlechtbewaffnet von der Drischeltenne gelaufen kamen . Doch hier der feste Boden , und für den Notfall die waldigen Hügel der Heimat als Deckung . Und die da drüben stehen auf feuchten , schlüpfrigen Wiesen , zwischen Dreck und Moos . Da drüben der übermütige Friedensbruch , herüben die ehrliche Notwehr , das stärkere Recht . » Mit Gottes Gnad ! Wir wollen es wagen . « Zwei adlige Herren des Hofes mit einem Trompeter reiten hinüber , um Herzog Ludwig von Ingolstadt zur Schlacht zu fordern . Vier Söldner begleiten sie und führen die zwei gefesselten Musikanten , die Herzog Ernst seinem gütigen Vetter Loys zurückerstattet , mit freundlichem Dank für den roten Weckruf dieser Nacht . Während die Rauchfahnen der beiden brennenden Dörfer sich in der Sonne hinkräuseln über die welkenden Buchenwälder , nimmt Herzog Ernst mit zwanzig Trabanten seinen Stand auf dem Hügel , der das kleine Jägerhaus von Hoflach trägt . Von hier aus kann er das ganze Wiesental , das ein Schlachtfeld werden soll , und die Anordnung seines Heerhaufens überschauen . In die Mitte des Treffens stellt er unter Führung des Prinzen Albrecht seine adligen Herren , die kleine Schar seiner Harnischreiter , die Berittenen der Bürgerschaft und den Kriegshaufen der schweren Zünfte , der Schmiede , Schlosser , Zimmerleute und Bräuer . Zur Linken und Rechten die Schwärme der Bauern . Beiderseitig ist das Treffen geflügelt durch die Armbruster und Leichtbewaffneten der Bürgerschaft , jeder Haufe gestützt durch hundert Faustschützen . Hinter dem Treffen steht ein Trupp von Nothelfern , deren Führung der Herzog sich vorbehält . In dieser ernsten Stunde , während das Treffen sich ordnet , hört man plötzlich aus einem hinter Stauden versteckt liegenden Bauerngehöft das klägliche Schreien und drollige Glucksen eines Schweines , das abgestochen wird . Und da ruft der schmucke Michel Ungeraten mit seiner starken , lustigen Stimme in das ernste Schweigen hinein : » Die schlauen Luder denken halt : Selber schlucken macht fett . Und stechen die gute Sau noch ab , eh die Raubleut kommen . « Über die Breite des Treffens rollt , jede Beklommenheit bezwingend , ein fröhliches Gelächter hin . Auch Herzog Ernst - in aller Sorge , die ihn bedrückt - muß schmunzeln . Und heiter sagte er zu den Kriegsleuten , die ihn umgeben : » Müssen wir sterben , so ist unser Tod kein hartes Ding . Wir sterben mit Lachen . « 7 In dem großen Zelte , das man am Ufer der Amper mit aller Hast auf dem feuchten Bruchboden der Olchinger Wiesen errichtete , stehen die beiden Münchener Herren und ihre Gefolgsleute mit verbundenen Augen vor Herzog Ludwig . Und hinter ihnen zittern die zwei , dem gütigen Vetter Loys zurückerstatteten Musikanten . Von draußen rauscht der wirre Lärm des gestauten Heerhaufens in das Zelt herein , dessen Tuchspalten verbrämt sind vom Glanz der Mittagssonne . Das Schreien und Fluchen , das Geklirr und Geknatter , das Stampfen und Keuchen der Gäule , die vielen Trompetenstöße , die von weit her Antwort erhalten - das alles klingt zu einer üblen Stimme zusammen . Der flüchtende Schwarm des Wessenacker , mit den Verwundeten und Erschöpften , mit den scheuen , keinem Zaum mehr gehorchenden Gäulen , verwirrte den Aufmarsch des Ingolstädter Haupthaufens , dessen Nachhut und Karrenwurm sich auf der Straße von Geiselbullach noch weit hinauszieht gegen Feldgreding und Dachau hin . Bis die Nachzügler eintreffen , wird ' s noch eine Stunde dauern ; sie können nur langsam , nur in dünner Zeile marschieren ; bei jedem Schritt , der hinausgeht über die schmale Straße , tappt der Fuß in den nassen Filzboden , den von der einen Seite das Dachauer Moos , von der anderen das stundenlange , den trägen Lauf der schwarzen Maisach geleitende Haspelmoor heranschiebt . Immer lauschte Herr Ludwig hinaus in diesen bösen Lärm . Etwas Grauenvolles wühlte in seinem zornroten Gesicht . Im Schimmer seiner französischen Rüstung saß er auf einem Feldsessel . Ein Dutzend von seinen Freunden und Hauptleuten war um ihn her . In einem Winkel des Zeltes nähte des Herzogs Leibarzt dem rotgefärbten Wessenacker die Wunden zu . Und gesondert von den anderen - auf einer kleinen Truhe , die Ludwigs Feldschatz , die Kleinode seiner Herzogswürde und sein Majestätssiegel enthielt - auf dieser Truhe saß mit lang übereinander geschlagenen Beinen eine wunderlich sinnwidrige Gestalt aus Silber , Gold und bunten Farben : Prinz Höckerlein , für den Kampf gerüstet . Er schien die zwei Musikanten nicht zu sehen . Mit ruhigem Lächeln betrachtete er bald die Münchener Herren , bald den Vater . Der schwieg und biß die Zähne übereinander , sah immer den einen der beiden Musikanten an , der die verbeulte Laute hinter dem Rücken trug , und nun plötzlich drehte der Herzog das Gesicht und musterte mit einem funkelnden Zornblick seinen Sohn . Da sagte einer der Münchener Herren , während er den Kopf mit der Augenbinde unmutig gegen den Nacken legte : » Euer Gnaden lassen uns lang auf Antwort harren . Mit der Tapferkeit und den ritterlichen Sitten , die man Euch nachrühmt , ist das übel zu vereinen . « » Du ! « Herzog Ludwig sprang vom Sessel auf . » Nimm das Maul nicht so voll . Und deinen zwei Fürsten sagt , sie sollen des Fechtens heute noch satt werden . Ich hoffe , sie haben für flinke Gäule gesorgt . Die werden sie brauchen . « Er machte einen Wink mit der Hand . Und