- und bald wird er mir folgen - , hei , welch selig Willkommen beut ihm seine Verlobte ! Denn ich verlobe mich ihm , werde unauflöslich ihm angetraut durch freien Opfertod in den Flammen « ... » Um Gottes willen ! « raunte Heinrich . » Ich muß hin . Bleibet hier , rühret Euch nicht ! Ich will auf der andern Seite über Graben und Wall gelangen . « Und geduckt schlich er hinweg , während ich zitterte und vor Angst kaum vernahm , was die Tolle weiter redete . Doch klingt mir noch ein Kreischen im Ohre : » Und vor Lichtvaters Thron will ich weisen das Pfand meiner Minne , das ich mit mir nehme von dieser Erde ... Und sollt ich nicht rein genung sein , euch zu entführen , mag denn das andere Opfer die Erlösung vollbringen . Die geopferte Unschuld macht uneinnehmbar diese Burg . Nun ade , ihr alle ! Ein Ade auch meinem Liebsten ! Hineilen soll er , wo ich sein harre . Für mich hebet jetzo an der Hochzeitstanz . « - Und drunten sangen sie ; später - wie oft habe ich darüber grübeln müssen ! - sind mir die grausigen Worte , alles Einzelne , wieder deutlich geworden : » Springe denn , springe denn Deinen allerletzten Tanz . Morgen darfst du schweben In des ew ' gen Vaters Glanz . O weh und juchhe ! O weh und juchhe ! Weinet und lachet : Lichtbraut ade ! Laß die schwarze Erde stahn , Heim ins Lichtmeer sollst du gahn . « Indessen hatte sich die Hexe umgewandt und mit Lächeln meinem Knaben gewinkt . Ich war vor Grauen gelähmt , der Schrei erstickte in meiner Kehle . Und zur lockenden Teufelsbraut kam der kleine Johannes , wie ein Vögelchen vom Blick der Schlange in ihren offenen Rachen gelockt . Jauchzend nahm sie das Kind auf den Arm , küßte es und sprang in die Glut - mit meinem Kind in die Glut ! Ich sah Funkengarben , hörte den Aufschrei der Menge , dann fühlte ich in meiner wunden Brust einen Stich , heiß quoll es mir vom Munde , hintaumelnd verlor ich die Sinne . Wieder erwacht , lag ich im finstern Walde am rauschenden Bache . Sibylle netzte mir den Mund . » Mein Kind ! « wimmerte ich und hörte Heinrich schluchzen . » Still , still , « sagte Sibylle weinend . » Ergebt Euch in des Ewigen Schickung ; einst werdet Ihr Trost finden ob der harten Prüfung . Nur stille , stille ! « Und sie streichelte mir die Hand . Ach , wie höhnische Höllengeister kamen mir jetzo die Leuchtkäfer vor , so trunken durchs Dunkel taumelten . Was soll ich weiter sagen ? Höllenpein leide ich , sooft ich bedenke , was damals geschehen . Von Heinrich vernahm ich , er habe die tolle Berthulde niederschießen wollen , doch sei sie ihm mit ihrem Sprunge zuvorgekommen . Zurückgekehrt , habe er mich ohnmächtig gefunden , und auch Sibylle sei halb von Sinnen gewesen . Das Blut sei mir aus dem Munde gequollen , aus meiner Wunde müsse es sich in die Lunge ergossen haben . Ein wilder Taumel habe nach dem Opfer die Versammlung hingerissen . Ein Weinen und Jauchzen sei losgegangen , Weibsbilder seien in Entrückung hingesunken , schluchzend habe man einander umarmt , sei dann lachend ums Feuer gesprungen und habe emsig Holz hineingeworfen . Hätten damals die Grabenwächter besonnen gespähet , wir wären entdeckt worden und dann wohl des Todes gewesen . Aber die Wächter hatten sich nach dem Schauspiel umgewandt , und die ganze Teufelsgemeinde war von dem Opfervorgang derart hingerissen , daß sie für nichts andres Augen hatte . Auf mein Flehen trugen mich Heinrich und Sibylle fort . Ich wimmerte nur immer : » Fort von hier ! Die Hölle ist hier ! « Erst wie kein Laut und kein Feuerschein von der Teufelsmette mehr zu spüren , ward Rast gemacht , und ich lag zum Sterben erschöpft , von Fiebergesichten geängstet . Mein Gatte kann mitfühlen , was in der Mutter vorging , da sie ihr Kindlein , ihren einzigen Trost , so schaurig ins Flammengrab sinken sah . Verzweifelt bin ich zuerst an Gottes Barmherzigkeit , und die Folter hätte mir bald das Hirn zerrissen . Dann aber , im tiefsten Abgrund des Leides , spürte ich ein Fünklein , und innen klang mir ein sanftes Lied . Aus der Finsternis dämmerte und leuchtete ein Lichtkreuz . Und ich betete immerfort : » Selig , die da Leid tragen , denn sie sollen getröstet werden . « So bin ich langsam , ein neuer Mensch worden . Gottes Stille ist über mich kommen , ich habe gelernt , demütig alles hinnehmen , was seine Hand mir schickt . Im übrigen hat es sich mit mir folgendermaßen begeben . Heinrich und Sibylle hatten ihre liebe Not , als ich wegen meines Kindes Opferung halb von Sinnen und vom Blutverlust erschöpft war . Auf der Iserwiese war eine Baude gelegen ; dorthin brachten sie mich und pflegten mein länger als eine Woche . Wie ich dann halbwegs zu Kräften gelangt war , reiseten wir zurück nach Altenhain , wo Heinrichs krankes Eheweib nebst dem Kinde geblieben war . Ach wie blind waren wir - blind vor Entsetzen . Wir unterließen es , Näheres über die Teufelsmette zu erforschen - wiewohl die Rede der Lichtbraut ein Rätsel enthielt , von dem eine geheime Stimme in meiner Tiefe sagte : » Sollst es aufklären ! « Wir unterließen es , weil ich nichts hören mochte von dem grausigen Erlebnis , auch weil wir bald darauf von einem neuen Schmerz in Anspruch genommen wurden . Wir fanden nämlich Heinrichs Frau dem Tode nahe und kamen kaum rechtzeitig , ihren letzten Willen zu vernehmen . Mich bat sie , ihr Kind fürder als das meine anzusehen und bei ihren Lieben zu verbleiben . So hab ich