der Ueberzeugung , daß wir unter einer allliebenden und allweisen Führung stehen , welche für uns das Unheil in Heil , das Unglück in Glück verwandelt . Da wir aber nicht den Wahnsinn haben , zu behaupten , daß wir mit der Gabe der Weissagung ausgerüstet seien , so ist für uns nur die zweite Annahme möglich . Ich habe stets an Gottes Führung geglaubt ; ich werde an sie glauben und mich ihr mit herzlicher Zuversicht anvertrauen , so lange ich lebe , und ich bitte euch alle , dies auch zu thun ! Wir stehen hier an einem Orte , den wir wohl nie vergessen werden , an der Stelle eines Ereignisses , welches nicht bloß für Khutab Agha , unsern Freund , sondern auch für uns alle von der größten Wichtigkeit ist . Wir haben hier abermals eine Kijahma , eine Auferstehung von den Toten , erlebt . Sie mag uns nicht nur auf unsere einstige Auferstehung von dem leiblichen Tode hinweisen , sondern uns zu einer Auferstehung schon jetzt erwecken , zu einem Erwachen alles dessen , was noch tot und fruchtlos in uns liegt , zu einem Lebendigwerden besonders der Liebe , die uns gegeben ist , nicht , daß wir sie in uns vergraben , sondern daß wir sie von uns hinausstrahlen lassen auf jedermann , auf Freund und Feind , der mit uns in Berührung kommt . Ihr habt durch den Mund des Basch Nazyr die Worte seines Engels gehört , welcher sagte , daß dies der Weg sei zum klaren Lichte , zum wirklichen Leben und zur Seligkeit . Und in diesem Sinne wollen wir uns jetzt zusammensetzen , um Gericht zu halten , über die , welche sich so schwer gegen uns vergangen haben , daß sie nach dem Gesetze der Wüste nur den Tod erwarten dürfen ! « Es antwortete hierauf niemand . Selbst mein kleiner , sonst so sprechfertiger Halef war still . Die allgemeine Stimmung zeigte überhaupt einen Ernst , ich möchte sagen , eine Feierlichkeit , welche in diesem Grade und bei diesen Menschen nur bei höchst seltenen Gelegenheiten zu bemerken war . Mochte die Quelle , aus welcher die Reden und Darstellungen des Persers geflossen waren , sein , welche sie wolle , der Eindruck war ein ebenso tiefer wie nachhaltiger . Der Orientale ist für ein solches Hereinragen des Uebersinnlichen in das Sinnliche ganz besonders empfänglich , und ich bin überzeugt , daß ein Abendländer , der dem Basch Nazyr zugehört hätte , wohl schwerlich so unverständig gewesen wäre , über ihn und seine Erzählung zu lächeln . Ich bin ja auch kein Orientale , und das Leben hat mich gelehrt , allem , was mir unbekannt erscheint , zunächst kühl und forschend gegenüberzutreten ; aber das , was wir erst von Ben Nur und nun von dem Perser gehört hatten , kam mir denn doch nicht wie das ausschließliche Produkt eines kranken Gehirns oder wie die innere Folge eines äußerlichen Druckes auf die Herzgegend vor . Der Gelehrte wird zwar da gleich von Krankheit sprechen . Ja , krank war der Münedschi ; das ist nicht zu leugnen , und den Basch Nazyr hatte gar eine Kugel hingestreckt : aber der letztere war nach seinem Erwachen aus der Ohnmacht geistig völlig gesund und klar , und was den ersteren betrifft , so giebt es mehr als genug Gelehrte , sogar echte , richtige Zunftgelehrte , welche behaupten , es sei nicht durchgängig wahr , daß eine kräftige Seele nur in einem kräftigen Körper wohnen kann , sondern es habe sich umgekehrt sehr häusig erwiesen , daß die Seele erst und grad dann ihre Kräfte und Thätigkeiten entfalten könne , wenn die körperlichen Banden , in denen sie gefesselt ist , schwach und darum weniger hinderlich geworden sind . Was unsere Gefangenen betrifft , so hatten auch sie alles gesehen und alles gehört . Das Erwachen des Persers hatte bei ihnen gewiß dasselbe Erstaunen hervorgebracht wie bei uns . Höchst wahrscheinlich freuten sie sich nun desselben , denn sie glaubten wohl , der Umstand , daß die Kugel unschädlich gewesen sei , müsse uns zur Milde stimmen . Gesagt aber hatte keiner von ihnen etwas , kein einziges Wort . Der Münedschi saß mit geschlossenen Augen bei ihnen ; er rührte sich nicht , und wenn er ja einmal eine Bewegung machte , so war es diejenige des Rauchens , obgleich er seine Pfeife nicht in den Händen hatte . Was mit ihm geschehen werde , das hing ganz von dem Schicksale seiner Mekkanischen Gefährten ab . Dem Perser konnte ich in unserer gegenwärtigen Lage nur eine kalte Kompresse raten , welche von Zeit zu Zeit erneuert wurde . Er war schon sonst ein ernst angelegter Mann ; jetzt nun schien sich dieser Ernst verdoppelt zu haben , und ich will gleich bei dieser Gelegenheit bemerken , daß während unsers ganzen , spätern Beisammenseins nur sehr selten ein Lächeln auf seine Lippen kam . Die Wirkung der » Wage der Gerechtigkeit « , welche er , so oft er von ihr sprach , eine entsetzliche nannte , war keine vorübergehende bei ihm . An der Beratung über die Strafe , welche die Schuldigen treffen sollte , hatten folgende Personen teilzunehmen : Halef , Kara , der Perser , Omar Ben Sadek und ich . Es galt vor allen Dingen , festzustellen , wer sich an dem Kampfe gegen die Soldaten beteiligt hatte . Khutab Agha behauptete , gesehen zu haben , daß nicht bloß die Beni Khalid , sondern auch die Mekkaner geschossen hätten . Um sich Gewißheit zu verschaffen , ging Halef hin zu ihnen und fragte den Ghani : » Hast du auf die Soldaten geschossen ? « » Nein , « antwortete er . » Dein Sohn ? « » Nein . « » Einer deiner andern Gefährten ? « » Auch nicht . Warum hätten wir uns an dem Kampfe beteiligen sollen ? Es waren ja genug Beni Khalid da !