lachte er leise , vor sich hin und fuhr fort : » Es hat einen tragikomischen Beigeschmack zu beobachten , wie auch diesem Manne der That keine der üblichen Scherze erspart blieben , die man an jedem genialen Menschen verübt , bis Erfolg und Macht ihn gefeit haben . Das berühmte Was , der will mehr sein als ich ? Der hat ja mit mir am Biertisch gesessen ! begleitete auch Bismarcks Auftreten und man wunderte sich nicht wenig über diesen Glückspilz , der Karriere zu machen anfing , ohne regelrechte Staatsexamina absolvirt zu haben . Von übersprudelndem aufrichtigem Wahrheitsdrange beherrscht , konnte er öfters den jovialen Herzensergießungen seiner Zunge nicht Halt gebieten und vertraute seine großen Pläne Leuten an , die ihn gar nicht zu verstehen fähig waren . Il est fou urtheilte Napoleon über den Mann von Varzin und der intriguante Phantast Disraeli nannte Bismarcks vertrauliche Eröffnungen the moon-shine of a German baron ! Endlich fanden von jeher größenwahnsinnige Impotenzen , daß dieser erfolgreiche Streber weit überschätzt werde und daß eigentlich sie die wahren Messiasse seien - so Graf Goltz , so später Graf Harry Arnim . Ein Glück für die deutsche Nation , daß der eiserne Kanzler keine weichherzigen Humanitätsflausen zu üben pflegt , sondern all dies Völkchen mit rücksichtsloser Härte unter seine Sporen tritt . Und so steht er nun schon jetzt vor dem Auge der Mitwelt wie eine bronzene Statue da in seinen Siebenmeilenstiefeln , den wuchtigen Flamberg dem Boden eingerammt und das Wodanauge unter buschigen Brauen hervorblitzend aus dem behelmten Haupte . Wenn er sich zur letzten Ruhe streckt - Il est mort ! wird man in Europa aufstöhnen , wie bei der Todesnachricht von St. Helena - , so darf er sich selbst gestehen , daß ein heroisches Leben hinter ihm liege . Man mag an ihm mäkeln , so viel man will - er war unser letzter großer Mann , die mächtigste Erscheinung Deutschlands in diesem Jahrhundert , welcher sich kein Ebenbürtiger in der übrigen Welt vergleichen darf . Der würdevolle großherzige Gentleman , der als erster deutscher Kaiser und echter Mehrer des Reichs so glorreich seinem Volke vorleuchtete , und sein treuer Hagen werden ewig in deutschen Landen fortleben als Ideale heroischer Männlichkeit . Und ein neuer Nibelungendichter wird dereinst von Otto dem Großen singen und sagen , wie von dem alten Marschall der Burgonden : Da ritt der grimme Hagen den andern all zuvor , Er hielt den Nibelungen wohl den Muth empor . « Am anderen Tage erhielt Krastinik in Leonharts Handschrift das folgende Gedicht : An den Reichskanzler . Nie mengte ich mich jener Feigen Zahl , Der Sklavenherde , die der Tag regiert , Die , als Erfolg mit Lorber Dich geziert , Dich angestaunt als ihren Götzen Bai ! Nicht Deine Macht gilt mir Unfehlbarkeit . Nicht Du allein erschufest , was geschehn . Auch Du warst nur erfaßt vom Sturmeswehn Der allbeherrschend vorbestimmten Zeit . Und doch , wie stehst Du hehr und riesenhaft . Gewaltiger , vor diesem Zwerggeschlecht ! Ein Heiliges glüht unverlöschbar echt Dir ewig durch den Rauch der Leidenschaft . Es ist das Letzte , was dem Manne blieb , Seit Säul ' um Säule jeder Tempel fiel : Der Vaterlandesgröße stolzes Ziel , Zum eignen Volk der liebevolle Trieb . Nicht Liebe war ja Deines Lebens Amt . Dich hob zu Sternen ein erhabner Groll , Da Dir das Löwenherz im Busen schwoll Ob aller deutschen Schande insgesammt . Nicht mitzulieben wie Antigone , Nein , mitzuhassen , Grimmer , warst Du da . Doch aus dem Hasse keimte Liebe ja , Für uns geblutet hat Dein zorniges Weh . Dein Volk , Dein Vaterland hast Du geliebt . Des alten Reiches Schemen aufgenährt Mit warmem Blut , wie ' s einst Ulyß gewährt Dem Schattenheer , das durch den Hades stiebt . Erz nietete den thönernen Koloß . Noch jüngst - wie Freudenfeuer kreisend rann Ein flammend Hochgefühl von Mann zu Mann , Da Deiner Rede Flammenstrom sich schloß . In Dir nur lebt der wahre Ahnenstolz Des deutschen Namens , dessen Machtgebot Einst sonnenhell die weite Welt durchloht ! Geschnitten Du aus Nibelungenholz ! Den deutschen Hundesinn tritt in den Koth ! Lehr Du den Stolz , ein deutscher Mann zu sein ! Wo solche Eichen wachsen , muß gedeih ' n Der deutsche Stolz in aller Wetternoth . Wo deutsche Zunge spricht , da bleibe stumm Der Wälsche und der östliche Barbar ! Des Römers Erbe der Germane war - Civis Romanus sum ! III. Schon öfters war Leonhart von Schmoller aufgefordert worden , mit ihm socialistische Kreise zu besuchen , damit er mal einen wirklichen Einblick in die soziale Frage gewinne . Schmoller , der bei allem berechnete , wollte erstlich mit Leonhart ' s Freundschaft dort paradiren und zweitens wagte er sich lieber zu Zweit in die Löwenhöhle . Die Gestalt Catilinas und seiner Mitverschworenen tauchte unwillkürlich vor Leonharts Geiste auf . Wie sie sich alle zusammenfanden , die Unglücklichen und die Verbrecher , die Bedrückten und die Verkommenen , die Rachgierigen und Genußgierigen , um sich gegen die satte Gemeinheit der Glücklichen zu verbinden ! So entstand ihm in raschem rohem Entwurf realistischer Urkraft das folgende düstere Fragment , indem er dem herostratisch zerstörenden Größenwahn die wahre schicksalmäßige Größe gegenüberstellte und zugleich den Größenwahn der Weiber-Emanzipation in der Gestalt der vornehmen Catilinarierinnen geißelte , die ihr Kapital in die Verschwörung steckten , um es mit Zins und Zinseszins aus dem Staatsbankrott wieder herauszuschlagen . Soirée bei Crassus . - - Vorn links Lentulus und Cethegus beim Würfeln . Vorn rechts Antonius junior , Crassus junior , Faustus Sulla junior und Metellus plaudernd . METELLUS . Ich begreife nicht , warum ich diesem Zeitalter die Ehre anthat , darin geboren zu werden . Stände nicht unsere liebe Verschwörung hinter der Thür , so müßte diese Welt an ihrer eigenen Fäulniß verrecken . CETHEGUS würfelt . Diese adligen Packesel ! Damit verschwört sich ' s gut