, an dem er malte . Sonst war , außer einigen Skizzenbüchlein , in dem geräumigen Zimmer nichts zu erblicken als ein paar Jagdflinten an der Wand , auf dem Boden ausgestreckte Wasserstiefel und auf dem Tische liegende Pulverhörner und Schrotbeutel neben einigen Büchern . Eine kurze Jägerpfeife im Munde , rückte die Hünengestalt eben , als ich eintrat , mächtige Rauchwolken ausstoßend , auf dem Stuhle stöhnend und brummend hin und her , stand auf , setzte sich wieder , warf die Pfeife weg , daß das glimmende Kraut umherfuhr , zielte mit dem Pinsel und rief in abgebrochener Weise : » O heiliges Donnerwetter ! Welcher Teufel mußte mir einblasen , ein Maler zu werden ! Dieser verfluchte Ast ! Da hab ich zuviel Laub angebracht , ich kann in meinem Leben nicht eine so ansehnliche Masse Baumschlag zusammenbringen ! Welcher Hafer hat mich gestochen , daß ich ein so kompliziertes Gesträuch wagte ? O Gott , o Gott ! wär ich , wo der Pfeffer wächst ! ei , ei , ei , ei ! Das ist eine saubere Geschichte - wenn ich nur diesmal noch aus der Tinte komme ! « Plötzlich fing er ans Verzweiflung machtvoll an zu singen : » O wär ich auf der hohen See Und säße fest am Steuer ! « was ihm zum Durchbruch zu verhelfen schien ; denn der Pinsel saß jetzt an der rechten Stelle und arbeitete mehrere Minuten gemächlich fort , indessen Erikson die angefangene Melodie immer ruhiger und gedämpfter wiederholte und endlich verstummte und still weitermalte . Aber offenbar um Gott nicht allzulange zu versuchen , sprang er unversehens auf und betrachtete , einen Schritt zurücktretend , mit höchster Zufriedenheit den alten Dessauermarsch pfeifend , sein Werk . Dann setzte er das Gepfiffene in Worte um und sang , indem er das Rauchzeug wieder zusammensuchte : » So leben wir , so leben wir , so leben wir alle Tage « usf. , wobei er endlich meine Anwesenheit entdeckte . » Sehen Sie , wie ich mich plagen muß ! « rief er , mir unbefangen die Hand schüttelnd ; » seien Sie froh , daß Sie ein gelehrter Komponist und Kopfmaler sind , der nichts zu können braucht , während so ein armer Teufel von Handelsmaler nicht weiß , wo er die Tausende von bargültigen Halbtönchen , Druckerchen und Lichtchen auftreiben soll , um seine kabinettsfähigen vierzig Quadratzoll nicht allzu schwindelhaft zu überstreichen ! « Das war durchaus nicht ironisch gemeint ; vielmehr betrachtete er seine Arbeit von neuem mit mißtrauischen Augen und setzte sich wieder hin , um noch ein bißchen sein Heil zu versuchen , indessen ich ihm gespannt zuschaute , wie er auf der großen Palette mit ängstlicher Vorsicht reine und sichere Tinten aussonderte , mischte und in der beschriebenen Weise auftrug . Wie er später , bei entwickelter Vertraulichkeit , von sich selbst behauptete , war er nicht etwa ein schlechter Maler ( dazu war er allerdings zu geistreich ) , sondern im wesentlichen Sinne der Frage gar keiner . Ein Kind der nördlichen Gewässer , von der Grenzmark zwischen den Deutschen und Skandinaviern herstammend , Sohn eines in guten Umständen lebenden Seefahrtsmannes , hatte er in den ersten Jugendjahren ein anmutiges Geschick bekundet , mit gewandtem Stifte zu skizzieren , was ihm vor die Augen kam , und hauptsächlich für das jährliche Schulexamen prunkende Schaustücke in schwarzer Kreide angefertigt . Durch den Einfluß eines jener verkümmerten Zeichenlehrer , welche die Dürftigkeit ihrer Existenz mit unversieglicher Begeisterung zu verhüllen oder zu verbessern trachten und überall mit unseligem Aufstacheln zur Hand sind , war er vom freisinnigen Mut einer glücklichen Familie , sich selbst nur halb bewußt , der Kunst zugewendet worden , nicht ohne daß jener Lehrer hiebei manches kräftige Liebesmahl und auch klingenden Lohn für allerlei Rat und Tat zu genießen wußte . Die ungewöhnliche Laufbahn schien auch dem hellen und fröhlichen Sinn des Jünglings , seiner unbändig emporwachsenden Kraft eher zu entsprechen als der Aufenthalt in der väterlichen Schreibstube . So wurde er denn , im Widerspiel mit so vielen andern Jünglingen in ähnlicher Lage , unter bester Zustimmung und Hoffnung , wohlausgestattet und empfohlen , zur Reise nach den berühmtesten Kunstschulen entlassen und fand bei den namhaftesten Meistern , welche ihre Werkstätten zu öffnen pflegten , willige Aufnahme . Im Anfange ging die Entwicklung ganz frisch und ohne Unterbruch vonstatten , besonders da der junge Mann , zwar nicht übereifrig und mehr lebenslustig , doch keine wirklichen Pausen in seinem Fleiße eintreten ließ und sowohl mit seiner prächtigen Gestalt als seinem heiter frohen Ernste eine Zierde der Ateliers bildete . Aber die Fortschritte gingen nur bis zu einer gewissen Grenze und standen dann unerbittlich still , auf geheimnisvolle Weise , da jedermann die schönsten Hoffnungen hegte und in der Führung des männlich ruhigen Scholaren keine Änderung eingetreten war . Erikson ward des Phänomens zuerst inne , glaubte aber dagegen ankämpfen , dasselbe überwinden und beseitigen zu sollen . Er veränderte den Ort , versuchte sich auf allen Gebieten , wechselte Meister um Meister - umsonst , er fühlte , daß ihm die Gewalt zur Erfindung sowohl wie zur Fülle der Ausführung abging , daß ihn das innere Sehen auf einem deutlich erkennbaren Punkte verließ oder höchstens sich vereinzelt gleich einem glücklichen Würfelspiel einstellte , welches sich nicht wiederholte , und schon hatte er sich entschlossen , den beschämenden Kampf aufzugeben und heimzukehren , als ihn die Nachricht von dem Ruin des väterlichen Hauses ereilte . Derselbe war so vollständig und hoffnungslos , wenigstens auf Jahre hinaus , daß die Heimkehr des Sohnes als eine Vermehrung des Übels betrachtet und bestimmt gewünscht wurde , er möge zusehen , wie er sich mit den Früchten seines bisher so löblichen Fleißes nun weiterhelfe . So war denn sein Entschluß bald verändert . Mit unbestechlich bedächtiger Selbstkritik durchsuchte und verglich er das ganze Gebiet dessen , was in seinem Vermögen stand , und gelangte nach reiflichem Nachdenken zu dem Ergebnisse , daß