Mir ward so weh und wohl ums Herz beim Klange dieser Stimme . Und wie ich in sein mildes Auge sah , war ich meiner selbst nicht mehr mächtig . Weil mich die eigne Mutter haßt , weil ' s keine Liebe für mich gibt auf Erden . - Kind ! Kind ! Du bist krank , sagte er , und redest irr . Komm , komm mit mir zurück ! Du ? warte nur ! du wirst noch eine Königin der Liebe werden . Ich verstand ihn nicht . Aber ich liebte ihn unendlich für diese Worte , diese Milde . Fragend , staunend , hilflos sah ich ihm ins Auge . Ich bebte und zitterte . Es mußte ihn rühren ; oder er dachte , es sei die Kälte . Er nahm seinen warmen Mantel ab , schlug ihn um meine Schultern und führte mich langsam zurück durchs Tor , auf unbelebten Straßen , durch die Stadt nach dem Palast . Willenlos , hilflos , wankend wie ein krankes Kind folgte ich ihm , das Haupt , das er mir sorglich verhüllte , an seine Brust gelehnt . Er schwieg und trocknete mir nur manchmal die Augen . Unbemerkt , wie ich glaubte , gelangten wir an die Türe der Palasttreppe : er öffnete sie , schob mich sanft hinein : dann drückte er mir die Hand . Gut sein , sagte er , und ruhig . Dein Glück wird dir schon kommen . Und Liebe genug . Und er legte leise die Hand auf mein Haupt , schloß die Türe hinter mir und stieg die Treppe hinab . Ich aber lehnte an der halbgeschlossenen Tür und konnte nicht fort . Mein Fuß versagte , mein Herz pochte . Da hört ' ich , wie eine rauhe Stimme ihn ansprach : Wen schmuggelst du da zur Nachtzeit in das Schloß , mein Freund ? Er aber antwortete : Du bist ' s , Hildebrand ? Du verrätst sie nicht ! Es war das Kind Mataswintha : sie hat sich verirrt in der Nacht , in der Stadt , und fürchtete den Zorn ihrer Mutter . - Mataswintha ! sprach der andre , die wird täglich schöner . Und mein Beschützer sprach « - und sie stockte und flammend Rot schoß über ihre Wangen ... - » Nun , « fragte Aspa , sie groß ansehend , » was sagte er ? « Aber Mataswintha drückte Aspas Köpfchen nieder an ihre Brust . » Er sagte , « flüsterte sie - » er sagte : - die wird das schönste Weib auf Erden ! « » Da hat er recht gesagt , « sprach die Kleine , » was brauchst du da rot zu werden ? Ist ' s doch so ! Nun aber weiter ! Was tatest du ? « » Ich schlich auf mein Lager und weinte , weinte Tränen der Trauer , der Wonne , der Liebe , alles durcheinander . In jener Nacht stieg eine Welt , ein Himmel in mir auf : er war mir gut , das fühlte ich , und er nannte mich schön . Ja , jetzt wußt ' ich es : ich war schön , und ich war selig darüber : ich wollte schön sein : für ihn ! O wie glücklich war ich ! seine Begegnung brachte Glanz in mein Dunkel , Segen in mein Leben . Ich wußte jetzt , man konnte mir gut sein , man konnte mich lieben ! Sorglich pflegte ich des Leibes , den er gelobt . Die süße Macht in meinem Herzen breitete eine milde Wärme über mein ganzes Wesen : ich ward weicher und inniger : und selbst der Mutter strenger Sinn ward jetzt liebevoller gegen mich , seit ich nur sanfte Liebe ihrer Härte entgegengab : und täglich wurden alle Herzen gütiger gegen mich , wie ich weicher gegen alle . Und all ' das dankte ich ihm : er hatte mir die Flucht in Schmach und Elend erspart und mir eine ganze Welt von Liebe gewonnen . Seitdem lebte und lebe ich nur für ihn . « Und sie hielt inne und legte die Linke auf die wogende Brust . » Aber , Herrin , wann hast du ihn wieder gesehen ? gesprochen ? Lebt deine Liebe von so karger Kost ? « » Gesprochen nie mehr : gesehen nur einmal noch : am Todestage Theoderichs befehligte er die Palastwache , da sagte mir Athalarich seinen Namen : denn nie hätte ich gewagt , nach ihm zu forschen , aus Furcht , meine Flucht , ach , mein Geheimnis zu verraten . Er war nicht am Hof : und wann er dort erscheinen mochte , war ich auf den Villen . « » So weißt du weiter gar nichts von ihm , von seinem Leben , von seiner Vergangenheit . « » Wie hätt ' ich forschen können ! glühende Scham hätte mich verraten ! Lieb ' ist des Schweigens Tochter und der Sehnsucht . Aber von seiner , von unsrer Zukunft weiß ich . « » Von eurer Zukunft ? « lächelte Aspa . » An den Hof kam alle Sonnenwende die alte Radrun und erhielt von König Theoderich fremde Kräuter und Wurzeln , die er ihr aus Asien bringen ließ und vom Nil . Das hatte sie sich ausbedungen zum einzigen Lohn dafür , daß sie ihm als Knaben sein ganzes Schicksal geweissagt hatte : und war alles eingetroffen aufs Haar : sie braute Salben und mischte Tränke : das Waldweib nannte man sie laut : aber leise : die Wala , das Zauberweib . Und wir alle am Hof wußten - außer den Priestern , die hätten es gewehrt - , daß jede Sommersonnenwende , wann sie kam , der König sich das Jahr vorhersagen ließ . Und kam sie von ihm heraus , so riefen sie , das wußte ich , meine Mutter und Theodahad und Gothelindis und fragten sie aus : und nie blieb noch