auch auf dem Pfade , den Witiko in den Büschen gemacht hatte , herzu , und hinter ihm der Mann in dem braunen Gewande . Raimund rief : » Und ich schleudere dieses Beil in deinen Körper , wenn du dich rührst . « » Nimm ihn gefangen , Raimund « , sagte Witiko . Raimund nestelte die Stricke , welche ihm Wolf gegeben hatte , von dem Sattel , und stieg von seinem Pferde . Dann reichte er dem Manne in dem braunen Gewande die Zügel desselben , und sagte : » Halte mir das Roß , bis ich fertig bin . « Der Mann in dem braunen Gewande nahm die Zügel , und hielt an denselben das Pferd Raimunds . Raimund aber näherte sich dem rotbärtigen Manne , indem er das Beil hoch in der Hand trug . Der Mann stand ruhig . Da Raimund zu ihm gekommen war , ließ er das Beil in das Gras fallen , nahm die beiden Hände des Mannes , legte seine Unterarme vor der Brust übereinander , umwickelte sie mit einem Stricke , und knüpfte die Enden des Strickes zusammen . Der Mann ließ es geschehen . Dann nahm er wieder sein Beil , nahm die Armbrust , die auf der Erde lag , und führte den Mann zu Witiko . Dort hieb er mit dem Beile einen Ast aus dem Gesträuche , hieb aus dem Aste einen Knebel zurecht , befestigte den Knoten mit dem Knebel noch besser , und band an den Fesselstrick noch einen andern Strick als Leitseil . Dann sagte er : » So , mein Gaurabe , jetzt bist du versorgt . « » Führe ihn mit uns « , sagte Witiko . Raimund gab dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles in die Hand , und sagte : » Jetzt mußt du mir diesen da ein wenig halten . « Der Mann in dem braunen Gewande tat es . Raimund hing die Armbrust an seinen Sattel , stieg auf sein Pferd , richtete sich zurecht , nahm dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles wieder ab , und sagte : » Jetzt bin ich fertig . « » So reiten wir « , sagte Witiko . Der Zug setzte sich wieder in Bewegung . Witiko ritt von dieser Stelle fortan schneller , als er bisher geritten war . Die andern folgten . Der Mann an dem Leitstricke mußte mit beschleunigten Schritten hinter dem Pferde Raimunds gehen . So gelangte man endlich zu den Häusern Hauzenberg . Die Männer stiegen von den Pferden . Das Leitseil des Gefangenen wurde an einen der Pflöcke gebunden , die auf der Gasse zum Anhängen der Pferde in die Erde getrieben waren . Dann wurden die Pferde mit Halftern an Pflöcken befestigt , mit Decken gut behüllt , und man begann ihre Verpflegung . Als dieses geschehen war , setzte sich Witiko an einen der Gassentische , und der Mann in dem braunen Gewande setzte sich in kleiner Entfernung von Witiko auf eine Bank an demselben Tische . Der Krämer , welchen Witiko vor vier Jahren auf dieser Gasse gesehen hatte , saß wieder auf der Gasse der Herberge . Sonst war kein Gast zugegen . » Raimund « , sagte Witiko , » führe nun den Mann an seinem Stricke zu mir . « Raimund löste das Leitseil von dem Pflocke , und führte den Gefangenen an den Tisch Witikos . Dort blieb er mit ihm stehen . Aus der Tür und dem Tore des Wirtshauses kamen mehrere Menschen , und blickten von ferne auf Witiko und auf die , welche bei ihm waren . Witiko sagte zu dem Gefangenen : » Es werden bald vier Jahre werden , da bist du an einem Tische auf der Gasse vor dieser Herberge mit deinem graubärtigen Genossen , der heute durch die Büsche entronnen ist , gesessen , eben da ich mit diesem meinem Pferde und in diesem meinem Gewande hier Mittagruhe hielt . Ist es nicht so ? « » Ich weiß es nicht , wo ich vor vier Jahren oder vor drei Jahren gewesen bin « , sagte der Mann . » Wenn Ihr mich den Schergen übergeben wollt , oder wenn Ihr mich von hier wieder fortführen , und in einem Graben erschlagen wollt , könnt Ihr es tun . « » Ich habe dir das Leben zugesichert « , sagte Witiko . » Ihr könnt mich martern lassen « , antwortete der Mann . » Ich lasse dich nicht martern « , sagte Witiko . » Ich habe dem Herzoge Heinrich immer treu gedient ; aber die Bischöflichen sind arge Genossen « , erwiderte der Mann . » Ich werde dich den Bischöflichen nicht ausliefern , sondern werde dich selber richten « , sagte Witiko . » Da ist wenig zu richten , weil ich unschuldig bin « , sagte der Mann . » Das ist gut « , antwortete Witiko , » und ich werde die unschuldigen Leute schützen . Jetzt sprich . « » Ich werde wohl vor vier Jahren auf dieser Gasse gesessen sein « , sagte der Mann . » Und weshalb hast du heute mit dem andern Bolzen auf uns geschossen ? « fragte Witiko . » Hat der andere Bolzen geschossen ? Ich habe es nicht gesehen , da ich zu ihm kam « , sagte der Mann . » Bist du aus Zufall zu ihm gekommen ? « fragte Witiko . » Ich bin aus Zufall zu ihm gekommen « , antwortete der Mann , » da ich meines Weges zu dem Kirchlein des heiligen Ulrich beten ging . « » Bist du auch vor vier Jahren aus Zufall mit ihm auf dieser Gasse gesessen ? « fragte Witiko . » Aus Zufall « , antwortete der Mann . » Gehst du , wenn du auf dem Wege zu dem heiligen Ulrich bist , in den dichten Gebüschen statt auf dem Pfade ? «