kann ich nicht , denn ich weiß von dem Allen nichts . « » Gedenke Deines Eides ! « mahnte der Hüttenmeister . » Ich gedenke meines Eides und betheure meine Unschuld ! « antwortete Hieronymus . « » Ueberlege was Du sprichst ! gedenke Deines Eides ! « wiederholte der Hüttenmeister ; » weißt Du auch nichts von Ulrich ' s Schuld ? « Hieronymus schwieg und blickte zu Boden . Es herrschte eine lange Pause und Stille - man hörte nur draußen das Feilen der Steinmetzen , das gerade jetzt wie ein zur Andacht rufendes Geläute ineinander klang . Endlich sagte der Hüttenmeister wieder : » Du weißt , wir drohen mit keiner Folter , um von den Unsern Geständnisse zu erpressen ; wir brauchen keine profanen Mittel und Hände , um die Wahrheit von Denen zu erforschen , die sie verbergen und verleugnen wollen - wir kennen nur eine einzige Drohung : Wer nicht freudig die Wahrheit redet und bekennt , auch wo sie ihm Schaden bringen kann , wer betroffen wird auf einer Lüge , wer nur im Kleinsten sich versündigt hat an der Heiligkeit des Bundeseides - der wird ausgestoßen aus der Gemeinschaft freier Maurer , die Profanen mögen ihn richten . « Hieronymus blickte empor und sagte flehend : » Ulrich ist mein Bruder und Freund ; er hat mir das Leben gerettet mit Gefahr seines eigenen , wie Ihr wißt - ich kann nicht wider ihn zeugen . « » Damit hast Du schon seine Anklage ausgesprochen , « sagte der Hüttenmeister ernst ; » aber Du weißt auch , daß die Wahrheit bei uns herrschen muß über jedes andere Gefühl , jede andere Rücksicht ; der Eid , den Du geschworen , da Du Mitglied unseres Bundes wurdest , band Dich früher als jeder andere ; Du durftest gar keine andere Verpflichtung eingehen ohne diesen Vorbehalt - Bundesbrüder sind wir Alle ; aber über uns Allen herrscht Einer und ein einziges Gesetz , dem zu dienen mehr gilt , als unsern Gefühlen , ja dem zu Ehren wir diese bekämpfen müssen , wenn sie einmal mit ihm in Widerspruch gerathen wollen . Stehe Rede und Antwort - vielleicht kann Dein redliches Bekenntniß Ulrich eher retten als verderben , denn seine Sache steht schlimmer als die Deine , und ich verlange nicht , daß Du wider ihn zeugest , sondern für ihn , wenn Du es kannst . Gedenke Deines Eides ! « Hieronymus begann : » Ein Judenmädchen , Rachel , hat ein paar Mal versucht sich an uns zu drängen , und da wir einmal bei einem Straßenlärm vor unserm Hause ihrem Vater , dem alten Ezechiel , Hülfe leisteten , da er sonst wäre von Betrunkenen erschlagen worden , hatte sich seine Tochter in unser Haus geflüchtet , und Ulrich sperrte sie dort allein in eine dunkle Kammer , bis sie ungefährdet heim gehen konnte . Wohl fand ich es unrecht , daß er das Mädchen so lange duldete , da er uns dadurch in Schande bringen könne . Zwei Tage darauf wurden wir in das Benediktinerkloster gesandt und dann hat Ulrich nicht mehr bei mir gewohnt . Das Mädchen hatte damals einen Ring verloren , den Ulrich ihrem Vater in der Wirthschaft des Klosters wieder zugestellt hat ; aber weiter hat er keine Gemeinschaft mit den Juden gehabt . « Der Hüttenmeister frug weiter : » Und was hab ' t Ihr im Benediktinerkloster gethan - außer der Arbeit , die Euch zukam ? « » Ich weiß von nichts , « antwortete Hieronymus . » Hast Du nicht den Mönch Amadeus schon vorher gekannt , der das Weihbrodgehäuse zertrümmerte ? « » Gekannt ? - nein ! « » Auch Ulrich nicht ? auch nicht gesehen ? « » Gesehen - ja , « antwortete Hieronymus nach einigem Zögern ; » Ulrich ' s Schwert war vor Jahren im Gedränge an dem Rosenkranz des Mönches hängen geblieben , er hatte sein Kreuz verloren , das Ulrich bewahrte , um es ihm wieder zu erstatten . « Der Hüttenmeister lächelte ungläubig ; » Ihr hattet Glück im Finden ! - Wie seid Ihr im Kloster mit Amadeus in Berührung gekommen ? « » Wenn es eine Berührung war : als seine Ankläger . Wir sahen , daß das Tabernakel gewaltsam zerstört war - da hat er sich selbst als schuldig bekannt ; als wahnsinnig ist er im Gefängniß an die Kette gelegt worden - weiter weiß ich nichts von ihm . « » Kanntest Du den Novizen Konrad ? « » Er begrüßte uns als Baubruder - ich mißtraute ihm , weil er von unserer freien Kunst der Möncherei sich zugewendet , gleichviel ob es aus freiem Willen geschehen oder aus Strafe . « » Aber Ulrich traute ihm ? « » Allerdings - es schien so . « » Ihr seid schon zwei Mal angeklagt gewesen , Euch in Händel mit Raufbolden und Raubrittern eingelassen zu haben , die Frau von Scheurl zu beschützen , « begann der Hüttenmeister ein anderes Thema ; » das erste Mal hat unser königlicher Bruder Max Euch selber freigesprochen , zum andern Male hat man es Euch um deswillen nachgesehen und Ihr seid mit einem Verweis und einer Verwarnung , nicht unnütz das Schwert zu ziehen , davon gekommen - weißt Du , ob Ulrich sich weiter mit diesem Weibe eingelassen ? « » Ich weiß es nicht , « antwortete Hieronymus ; » Ihr wißt , wir haben seit Monaten nicht mehr zusammen gewohnt . « » Geh ' an Deine Arbeit ! Wir werden weiter erfahren , ob Du die Wahrheit geredet . « Nachdem Hieronymus mit diesen Worten entlassen war , ward Ulrich zu dem Hüttenmeister berufen . Er wiederholte ihm die vorige Anklage und fügte hinzu : » ich hoffe , Du wirst bekennen , wie Hieronymus auch bekannt hat . « » Hieronymus ! « rief Ulrich , » er ist unschuldig ; Alles , was Ihr