- das Messelesen selbst mußte nüchtern geschehen - mit eigener Hand ... Windhack brachte dann siedendes Wasser , das auf einer Theemaschine im Kochen erhalten wurde . In ein kleines Gefäß wurde das Wasser durch einen Hahn abgelassen und während es langsam strömte , mußten die dünnen Scheibchen der Chocolade , die der Dechant dem Strahl entgegenhielt , schmelzen . Nach jedem geschmolzenen Stücke quirlte er die gewonnene Auflösung , die er so oft mit neuen Täfelchen wiederholte , bis sein Geschmack getroffen war . Er behauptete , diese Art der Chocoladebereitung wäre die einzig richtige . Er hätte sie einst von seinem Bruder Max , Benno ' s Adoptivvater , gelernt , als dieser aus Napoleon ' s in Spanien kämpfender Armee verwundet zurückkehrte und damals ein Knäblein von wenigen Monaten mitbrachte gen Borkenhagen , wo er zum besten der ganzen Familie Landwirth werden wollte , unsern Benno , der indessen dem Haarrauch acclimatisirt und der Familie längst wie ein geborener Angehöriger war . Die heute so düstere Miene des Dechanten galt zuvörderst dem Mismuth über die abendlichen Enthüllungen wegen Lucinden . Noch wußte er nichts von dem nächtlichen Vorfall und der bereits schon definitiv erfolgten Kündigung . Bonaventura gab Lucinden sogar das Zeugniß , daß sie dem Onkel eine anregende , originelle , wenn auch die Menschen etwas wirr durcheinander hetzende Unterhaltung werden könnte . Da wird nichts helfen ! sagte der Dechant . Ihre Erscheinung ruft bei uns Erinnerungen wach , die wir fern halten müssen ! ... Bonaventura wußte , wie wenig gern der Dechant an Schloß Neuhof erinnert wurde ... doch hielt er Lucindens Bleiben für so entschieden noch nicht gefährdet , als es war . Dann hatten die Briefe sehr aufregend auf den Onkel gewirkt , die Angelika Müller durch Benno und Hedemann geschickt hatte und die letzterer schon gestern Nachmittag abgegeben ... Von Benno sah und hörte man nichts . Endlich aber und vorzugsweise galt die düstere Stimmung einigen auf einem Nebentische ausgebreiteten wunderlichen Gegenständen , die im ersten Augenblick vielleicht einem Eintretenden nicht einmal wären aufgefallen , da sie den allgemeinen Nippcharakter des ganzen Mobiliars trugen . Auf dem Tischchen , einem jener zierlichen von Mahagoni , die zu den kleinen Spielpartieen in der Dechanei gebraucht wurden , lagen eine zerbrochene goldene Uhr , ein Gemshorn , ein grüner Schleier , eine Spielhahnfeder , ein Klappmesser mit vielen eingeschlagenen Klingen und ähnliche Gegenstände von verwittertem und verrostetem Aussehen . Dies waren die Sachen , die man in dem Sarg des alten Mevissen gefunden hatte . Warum hatte der Alte diese Dinge so gehütet ? Warum hatte Mevissen , der in seinem eigengezimmerten Sarge schlief , eine so große Furcht vor ihrer Entdeckung gehabt ? Wie hing , da Bonaventura sehr bald aus der Uhr und einem Namenszuge des Messers erkannte , daß diese Gegenstände einst seinem Vater gehört hatten , ein dem Werthe nach so unbedeutender Besitz zusammen mit der Furcht des alten Begleiters seines Vaters , sie durch den Tod in andere Hände gelangen zu wissen ? Warum hatte er , wenn er diese Gegenstände der Welt und ihrem Verkehr entziehen wollte , sie nicht vernichtet ? Die Uhr , das Gemshorn , das Messer ließen sich vielleicht nicht so leicht zerstören ; was aber sollte noch die Aufbewahrung des grünen Schleiers und der Spielhahnfeder ? Die Unfähigkeit , sich alle diese Fragen zu beantworten , beunruhigte auch Bonaventura so sehr , daß er wegen dieser theuern Reliquien zu seinem Oheim gereist war . Der Dechant freilich sagte , als er soeben mit Rührung diese Erinnerungen an seinen Bruder Fritz gemustert hatte , er wisse wohl , wie diese Gegenstände mit dem unglücklichen Ende desselben in Verbindung zu bringen wären . Er könne nur nicht erklären , warum der Diener , dessen Anhänglichkeit und Treue eine seltene und erprobte war , auf diese Andenken einen so ganz unbegreiflichen Werth gelegt hätte . Ja , fuhr Bonaventura fort , wie konnten diese Dinge damals bei dem theuern Todten selbst fehlen , da Sie doch , wie ich hörte , so manche andere Andenken bei ihm fanden , den Trauring meiner Mutter , das Portefeuille mit seinem letzten Willen , die Wäsche , die er in einem Reisesack trug , als er durch das Val de Bagne über den St.-Bernhard nach Aosta wollte , sogar die Schaumünzen , die er in der sogenannten Jupitersebene noch gefunden ? Wie ist überhaupt der Tod meines Vaters verbürgt ! Begruben Sie ihn selbst ? Ich zweifle jetzt an allem ! Bona ! rief der Dechant verweisend . Stand Ihnen denn Mevissen zur Seite , als Sie doch wol eine Untersuchung über den Tod des Vaters anstellten ? Mevissen war ja mein Führer bis St.-Remy , wo der Verunglückte zur Ruhe bestattet liegt ! Ließen Sie denn nicht den Sarg öffnen ? Nie haben Sie mir , nie der Mutter , nie dem Stiefvater erzählen mögen , wie alles beim Ableben des Vaters zuging ! Was sollt ' ich vor eure Seelen diese Bilder des Schreckens führen ! Meine Aeltern liebten sich nicht ! Doch ! Doch ! ... Ich war in Wien , lieber Sohn , und recht wie um mich zu strafen für meinen heitern Genuß der Stadt , erhielt ich dort die Mittheilung , von deinem Vater hätte man seit Wochen keine Nachricht und fürchte ein Unglück . Im ersten Augenblicke glaubte man ... An Selbstmord ? Es ließ sich daran denken ... Um meine Mutter ! Bona , gib diesen Vorstellungen nicht ohne prüfende Gerechtigkeit Raum ! Deine Mutter lebt und liebt dich ! ... Mevissen hatte bereits nach dem Orte geschrieben , wo deine Mutter während der Reise deines Vaters weilte ! Von dort erhielt ich die Nachricht , daß man seine Spur verloren . Er hatte von Genf Abschied genommen , um durch die Walliser Alpen eine Fußwanderung anzutreten , die er ohne Begleitung seines Dieners machen wollte . Wochen waren vergangen , bis Mevissen etwas von ihm erfuhr . Endlich