ihm Nachricht von seiner Ankunft und seinem Wohlergehen zu geben , bis das Schicksal sie wieder zusammenführen werde . So schieden sie . Während die kleine Gesellschaft , jetzt aus fünf Reitern mit einem Packpferd bestehend , auf der Straße nach Crevatis und Silivria dahin galoppirte , wenn man diesen kaum der Beschaffenheit unserer Feldwege damals gleichen Pfad eine Straße nennen mag , hatte der Arzt Gelegenheit , seinen neuen jungen Diener mehrfach zu beobachten . Derselbe hatte ihn mit einem tiefen demüthigen Gruß am Thor empfangen und Welland bemerkte , wie seine großen dunklen Augen oft , wenn er sich unbemerkt glaubte , mit lebhaftem Ausdruck auf ihm hafteten . Es war ein schlanker junger Bursche von ausgebildeten , etwas weichen Formen und einem für einen Schwarzen auffallend edel und wohl gebildeten Gesicht , dessen Züge ihm sogar etwas Bekanntes , Gesehenes hatten , ohne daß er sich jedoch zu erinnern wußte , wie und wo . Er rief ihn an seine Seite und redete ihn italienisch an , was der Knabe ziemlich gut zu verstehen schien , wenn er sich auch erst dürftig in der Sprache selbst auszudrücken vermochte . Auffallend war es Welland , daß der Schwarze so wenig das heitere sorglose Wesen seines Volkes zeigte , vielmehr eine Art Schwermuth und Kummer ; doch bemerkte er zugleich aus allen Antworten des Knaben , der sich Nursah nannte , daß er aufgeweckten und scharfen Verstandes war und sich auch hierin von seiner Nation vortheilhaft auszeichnete , die gewöhnlich die größte geistige Stumpfheit zeigt . Auch bei Caraiskakis blieb Welland ungewiß , ob dieser durch den Baron Etwas von seinen schauerlichen Abenteuern der vergangenen Nacht wisse . Der Grieche deutete mit keiner Sylbe darauf hin und erwähnte nur , daß ihm die Benachrichtigung des Barons , Welland werde sofort nach dem Kriegsschauplatz aufbrechen , sehr willkommen gewesen sei . Sie waren bereits über die Bai von Kütschük-Tschekmedsche gesetzt und nicht weit von Kumburgas , als sie unfern von einigen Fischerhütten am Meer halten mußten , um die Fähre abzuwarten , die sie über die zweite Buchtung führen sollte . Da dieselbe noch am anderen Ufer war , machte Welland den Vorschlag , zu den Wohnungen zu reiten und dort die Rückkunft abzuwarten , zugleich um zu versuchen , Wasser für sich und die Pferde zu erhalten . Als sie den Hütten nahten , kamen einige türkische Frauen und Kinder heraus , und eine derselben brachte auf die Bitte einen Krug mit Wasser den abgestiegenen Reisenden . Dabei betrachtete sie aufmerksam den Deutschen , der sich durch seine fränkische Kleidung vor den Uebrigen auszeichnete . Die Türken scheinen den Glauben zu hegen , jeder Franke ohne Unterschied müsse ein Hekim-Baschi , das heißt ein Arzt , sein , und da sie im Ganzen zu den fränkischen Aerzten weit mehr Zutrauen haben , als zu ihren eigenen , ergreifen sie im Innern des Landes jede Gelegenheit , von dem europäischen Reisenden Hilfe für ein oder das andere Uebel zu verlangen . Ein solches Anliegen schien auch die Frau , unterstützt von ihren Gefährtinnen , die sich um die Gruppe versammelten , zu haben , denn sie sprach eifrig auf Welland ein , der endlich seinen Freund zu Hilfe rief . Dieser verdolmetschte ihm das Anliegen der Frau dahin , daß in ihrem Hause ein Kranker liege , der von Räubern überfallen , verwundet und dann in ' s Wasser geworfen worden sei , wo ihn durch Zufall ihr zum Fischen dahin , gekommener Mann gefunden und gerettet habe . Welland war sogleich bereit , seine Kunst anzuwenden , und indem er Nursah befahl , ein bezeichnetes Kistchen aus dem Gepäck ihm nachzubringen , folgte er den Frauen in das Haus . Hier , auf einem dürftigen Lager , hatte die Menschenfreundlichkeit der armen Moslems Jussuf , den Courier der unglücklichen Mariam , gebettet ; denn dieser war es , den vor acht Tagen die Fischer , in der Küstenbucht ihre Hafen aufstellend , auf den Steinen am Ufer der tiefen Schlucht gefunden hatten . Die Kugel des corsischen Mörders hatte den Schwarzen in der linken Seite getroffen , war aber durch den dicken Shawl des Gürtels geschwächt worden und hatte glücklicher Weise kein edleres Gefäß verletzt . Nur der Schmerz und die Betäubung warfen ihn zu Boden , und selbst der schreckliche Sturz von der Höhe des Felsens in ' s Wasser hatte neben mehreren geringeren Contusionen nur einen Bruch des linken Arms zur Folge gehabt . Die Kühle der Wellen hatte zugleich die betäubte Lebenskraft wieder aufgeregt und die Blutung gestillt ; so gelang es ihm , das Ufer zu erreichen , und hier , halb im kühlen Wasser hängend , liegen zu bleiben , bis gegen Abend der Zufall die Fischer herbeiführte . Das Alles wußte Doctor Welland freilich nicht , aber es bedurfte dessen auch nicht , um seine Theilnahme für den Leidenden zu erregen , und nachdem er sich von der Beschaffenheit seiner Verletzungen überzeugt , war er eben bemüht , mit der Sonde die Kugel zu suchen , als hinter ihm ein geller Schrei erklang und der Knabe Nursah , das Geräth des Herrn zu Boden werfend , auf den Verwundeten zustürzte und ihn stürmisch umschlang . Ausrufungen , zärtliche Worte , Liebkosungen und rascher Austausch des Erfahrenen in fremder , allen Anwesenden unverständlicher Sprache wechselten im Fluge , und erst auf sein wiederholtes Fragen und nachdem Nursah dem Kranken noch Vieles zugesprochen , erfuhr Welland , daß die Beiden Geschwister seien , durch den Zufall kürzlich getrennt , so wie das Schicksal , das Jussuf , den Tataren , betroffen hatte . Der Knabe Nursah hatte bereits in dem Arzt ein so lebhaftes Interesse erregt , daß er sich mit doppeltem Eifer des Kranken annahm . Während er den gebrochenen Arm so gut , als es die Umstände erlaubten , schiente und verband , die Kugel aus der Seite glücklich herauszog und einen Verband auf die eiternde Wunde legte , war Nursah mit tausend