noch Minister werden , wie der Justizrath gesagt hat ... Indem brachte die unpolitische Liese ein Packet neuer frischangekommener Zeitungen , das sie unwirsch vor ihrem begierig darüber herfallenden Herrn hinwarf . Es waren deren eine so reiche Auswahl , daß Dankmar sagte : Alle neuen Zeitungen ? Sie treiben ja die Politik wie Metternich ! Das sollte Sie freuen , bester Herr , erwiderte Justus , die Blätter begierig auseinanderfaltend . Das Licht besserer Erkenntniß , die Verbreitung der Hülfsmittel , um das Wahre von dem Falschen zu unterscheiden , that endlich noth . Wir haben auch früher in den Zeiten des Druckes , wo unsere Klagen in dem jämmerlichen Institut der Provinzialstände ungehört verhallten , nicht die Hände in den Schoos gelegt . Sehen Sie , daß ich mich wohl vorbereitete auf eine bessere Stunde und las , was uns frommen kann , nun sie endlich geschlagen hat . Damit öffnete Justus nicht ohne einige Zaghaftigkeit und geschmeichelte Verschämtheit die Thür eines Nebenzimmers . Es war ein Cabinet , recht traulich und fast wie das Studierzimmer eines Gelehrten anzusehen . Da waren Epheuranken am kleinen Fenster , Vogelbauer hingen mit einigen schon schlummernden Canarienhähnen , ein Stehpult mit einem Drehstuhl davor zeigte Spuren fleißiger Benutzung sowol des Tintenfasses wie der Streusandbüchse . Das Auffallendste aber war eine reiche Bibliothek . Hinter den Glasfenstern eines hohen Bücherschranks las Dankmar in der Abenddämmerung an dem Rücken der Bücher : Rotteck ' s Weltgeschichte , Das Pfennigmagazin , Welcker ' s Staatslexikon und eine Menge von Schriften , die früher zu den verbotenen gehörten und meist in Altenburg , Hamburg oder im Auslande erschienen waren ... Diese verbotenen Bücher , bemerkte Justus , enthielten viel Falsches , allein man mußte sie sich anschaffen , um auch das Gute sich anzueignen , das sie mit dem Falschen zugleich brachten . Wahrheitstrieb erschien damals für unerlaubte Freisinnigkeit . Ich galt viele Jahre für einen schlimmen Feind des Königs und wurde von seinen bösen guten Dienern arg verfolgt . Diese Schriften , die ich mir mit List und Gefahr verschaffen mußte , lagen alle versteckt und sind erst jetzt gebunden worden . Es war wahrhaft traurig , daß man etwas hüten und heimlich schützen mußte , was man nur las , um es sehr bald als Übertreibung zu vergessen . Doch war auch manches gute Korn unter der Spreu , und Das soll jetzt aufgehen und gute Frucht bringen . Nicht wahr , Herr ? Dankmarn war sonderbar zu Muthe . Er mußte den Mann , der sich da so ganz aus eigenen Mitteln emporgerafft , eine Bildung und sogar eine Meinung sich erworben hatte , von ganzem Herzen achten und doch misfiel ihm das Selbstgefühl des Heidekrügers , sein gewichtiger , feierlicher und dann wieder naiver und gemachter treuherziger Vortrag und mehr noch als Dies seine egoistische Auffassung des Staats . Als der Heidekrüger das Kämmerchen wieder schloß und nach den Zeitungen griff , um mit großer Spannung selbst noch in der Dämmerung , ehe man Licht brachte , ihren Inhalt zu überfliegen , mußte er sich sagen , daß ja zuletzt der Absolutismus eines Fürsten von Gottes Gnaden nicht schlimmer ist als so ein Patriot von Gottes Gnaden , der ganz wie Jener den Staat aus seinem eigenen Ich herleitet . Dennoch gefiel ihm wieder , als dieser Mann , den er fast für den rechten Urtypus des politisirenden deutschen Michels hätte nehmen mögen , beim Umblättern der Zeitungen sagte : Diese albernen sogenannten Eingesandts ! Ist ' s denn möglich ! Die Gesinnung möcht ' ich hingehen lassen , obgleich sie in übertriebener Unterwürfigkeit nur den Rückschlag in die alte dumme Zeit zu weit befördern , aber sieht man nicht jeder Unterschrift an , daß sie von Menschen herrührt , die gleichsam dem Landesfürsten sagen mögen : Merkst du dir denn auch meinen Namen ? Unterstützest du mich denn nun auch bei Gelegenheit oder befiehlst den Ministern , meinen Sohn zu befördern ? Da flucht ein Rittergutsbesitzer der Umgegend hier über die Demokraten und unterschreibt sich groß und breit mit seinem ganzen Major außer Diensten und allen Kreuzen , deren Inhaber und Ritter er ist . Aber wir Alle wissen , daß dieser Herr Vom Busche neulich die Dreistigkeit hatte , an den König zu schreiben , seine Tochter müßte doch nun wol auch das Pianoforte lernen , er könnte ihr , da er fünf Kinder hätte , kein Instrument kaufen , ob sein allergnädigster Fürst und Herr nicht die Gnade haben wollte und ihm für seine treuen Dienste - Ein Pianoforte kaufen ? sagte Dankmar , zornglühend , und setzte hinzu : Und ich glaube fast , daß der Mann das Pianoforte bekommen wird ? Er hat es schon , sagte Justus . Ja , ja , die Geheimnisse unserer fürstlichen Chatoulle gäben das unterhaltendste Buch , das einem hamburger Buchhändler nur könnte verboten werden ... O , rief Dankmar , müßte den König nicht Zorn , ja Scham ergreifen , wenn er sähe , worauf er die Behauptung seiner Vorrechte gründet , wenn man solche Adressen schreibt und schreiben läßt ! Sind es denn freie , unabhängige Menschen , die da mit sich selbst beschränkendem , lohndienerischem Verstande seiner Gewalt zustimmen ? Nein , es sind Die , denen die alte Ordnung der Dinge Vortheile brachte , die sie bei der neuen zu verlieren fürchten . Die Demokratie mag viel zügellose Elemente in sich hegen und manchen verdächtigen Ansprüchen einen schimmernden Namen geben , aber so auf die Lüge gebaut ist sie nicht , wie bei uns die Vertheidigung des alten beschränkten Landeskinder-Gehorsams . Menschen , die nie einen andern Blick in die Zukunft warfen , als der bis zu ihrem nächsten Gehaltstage oder bis zu ihrem Avancement reichte , geben sich plötzlich das Ansehen , politische Gedanken zu haben und wollen den Thron befestigen , indem sie ihn auf ihren eigenen Egoismus bauen ! Hätte sich das Regiment bei uns wirklich geändert , auch dieser Major Vom Busche