gefühlt hast , aber mir ist jetzt vor allem der Sinn des Aug ' s gereizt , sehen möcht ich , nur sehen . - Wie groß und herrlich die Kraft , mit dem Aug alles zu beherrschen , alles in sich zu haben , zu erzeugen , was herrlich ist , - wie würden da die Geister uns umflügeln auf einsamer Stelle ? - Und dann kennen wir uns , wir würden ineinander so einheimisch sein , es bedürfte keiner Mitteilung , die Gedanken flögen aus und ein , in ' einen wie in ' andern , was Du siehst , das ist in Dir , denn ich auch , ich hab mich nicht vor Dir verschlossen ; - ja , Du bist tiefer in meiner Brust und weißt mehr von meinem Seelenschicksal , als ich selber , denn ich brauch nur in Deinem Geist zu lesen , so find ich mich selbst . Und wie glücklich hab ich mich doch hingehen lassen in Deinem Kreis ? - Als schütze Dein Geist mich , so hab ich alles Unmögliche gewagt zu denken und zu behaupten , und nichts war mir zu tollkühn , überall fühlt ich den Faden in Deinem klugen Verstehen , der mich durchs Labyrinth führte . Ach , ich möchte alles haben , Macht und Reichtum an herrlichen Ideen und Wissenschaft und Kunst , um alles Dir wiederzugeben ; und meinem Stolz , von Dir geliebt zu sein , meiner Liebe zu Dir genug zu tun . Denn diese Freundschaft , dies Sein mit Dir , konnte nur einmal gedeihen . Ich zum wenigsten fühle , daß keiner mit mir wetteifern könnte in der Liebe , und darum siegt auch meine Großmut , - ich mag niemand eine Schuld aufbürden , um die er ewig büßen müßte . Mein Brief ist zerstreut geschrieben , das ist , weil ich Dich suche , - sonst stehst Du vor mir , wenn ich Dir schreibe , da spreche ich mit Dir , die Hälft sind da meine Gedanken , und die Hälft Deine Antwort , denn ich weiß allemal , was Du antwortest , wenn ich Dir was sage ; so lerne ich immer das Tiefere , das Weise , das Bestätigende aus Dir . - Die Post geht ab - ich lasse den Brief noch liegen , vielleicht kommt ein Brief , dann bitte ich Dir gleich noch in diesem meine Beschwerde ab . - Ach käm doch ein Brief . - Nein , es ist kein Brief gekommen . Ich bin böse - aber nicht auf Dich - auf mich bin ich böse , woher kommt mir die Krankheit ? - Ja , es ist Krankheit , und schon lange lag es in mir ; - es ist ja als ob ich nichts von Dir wisse , so verzage ich ganz , war ich denn im vorigen Jahr so bang ? - Da sind doch auch Zeiten vergangen , wo Du nicht schriebst . Du hast mich verwöhnt mit Deinen kleinen Briefen aus dem Rheingau , ich kenne ja doch Deine große Ruhe , in die Du manchmal so schweigsam versunken warst , daß ich oft stundenlang mit Dir war , und Du sprachst nicht , so wird ' s jetzt auch sein - der Nachhall Deiner stillen Begeistrung ist ' s , oder es wiederholen sich tiefe Melodien Deiner Seele in Dir , denen horchst Du zu . Ja ! Wie ' s in jener himmlischen zauberhaften Nacht war , auf dem Rhein , wo wir zusammen unter der blühenden Orangerie auf dem Verdeck saßen . - Wie schön war ' s doch , daß die grade von Köln nach Mainz fuhr , und daß wir beide auf dem Schiff die einzigen waren , die in der Nacht da oben blieben , die andern fürchteten die kalte Nachtluft , das war ein rechtes Glück . Wir freuten uns , als der letzte hinabgeflüchtet war und wir waren ganz allein und bloß der Steuermann und die Ruder und die große Stille , - und meinen Pelz warf ich um Dich und saß zu Deinen Füßen , und der deckte mich auch noch , und wie schön war die Mondnacht , es sollte nicht ein Wölkchen am Himmel sein , der unermeßliche Luftozean , in dem allein der Mond schwamm . - Da warst Du auch so stille , und wenn ich ein Wort sagte , so verlor sich ' s gleich im tiefen Schweigen - daß ich auch nicht mehr reden mochte aus Ehrfurcht vor der stillen Versunkenheit der ganzen Natur ! - Und wer kann ' s je vergessen , der in so heller Nacht auf dem Rhein schifft , wenn beide Ufer sich im Mondglanz baden ; - und dann kam der Wind und rauschte erst leise in den Kronen und dann stärker , und es fielen Blüten auf Dich und mich , und da sah ich mich um nach Dir , hinauf zu Dir , da lächeltest Du , weil es zu schön war , was uns da widerfuhr , aber wir beide schwiegen still , um nicht zu stören , alles was sich an Schönheit rund um uns ausbreitete , und wir fuhren um die stillen Inseln und kamen näher ans Ufer , daß die Weiden herüberhingen und verwickelten ihre Zweige in unsre Bäume , und schüttelte über Dir die Krone , daß sie all ihre Blüten Dir in den Schoß warf , da warst Du erschrocken aufgewacht , denn Du warst eingeschlafen grade - einen Augenblick . - Ja , ich auch schlaf gern , wo es grad mir am seligsten ist , da ist immer die Ruhe über mir , als wäre Seligkeit nur eine Wiege und schaukelte die Seele und wiegte sie aus einem Traum in den andern hin und her , wo es schön und schöner wär . - Ich dachte da , es war ein köstlich Wohlgefühl in mir , und betete es vor Gott , ich