ist mein Kind ? « » Höre mich , « sprach Lesüeur - » Du bist weniger schuldig , als ich dachte . Gewiß scheint mir , Du glaubtest an ihren Tod , als Du diese zweite Verbindung schlossest - und weil Dich das weniger schuldig macht , wie ich Dich hielt , so will ich Dir einen Tropfen reichen , der vielleicht in Etwas Deine Qualen dereinst lindern kann . - Höre denn - noch lebt Fennimor - aber am Rande des Grabes - und ihr einziger - heißester Wunsch ist , Dich noch ein Mal zu sehen ! « Mit einem Schreie war Leonin bei Lesüeur ' s letzten Worten aufgesprungen - seine zweite , Bewegung war , fortzustürzen - fort zu ihr hin - es war der einzige Gedanke , den er fassen konnte ! » Halt ! « rief Lesüeur und ergriff sein Kleid . » Laß ' mich , « stammelte Leonin - » ich muß fort , fort zu ihr in dieser Stunde - ohne Aufenthalt ! « » Nicht eher « - rief Lesüeur mit der alten Kraft - » als bis Du mir gelobt , ihre heilige Engelsruhe hier zu schützen - den Frevel ihr verhüllt zu lassen , der indeß begangen . - Willst Du bloß hin , um Dein ungestümes Herz vor ihr zu entladen , so treffe Dich der ganze Fluch des Unglücks , das Du verschuldet ! Niemand wünscht Dich dort zu sehen - und mit Recht ; - doch Fennimor ' s Sehnsucht , die sie nicht leben , nicht sterben läßt , hat den Widerwillen der Anderen , Dich zu sehen , gebrochen . « - » O , lasse mich fort , fort , fort zu Fennimor , zu meinem heißgeliebten Weibe - ich habe keine heiligere Pflicht - sie soll in mir Nichts finden , als ihren Gatten ! « » Und Viktorine ? « rief plötzlich die verhüllte Gestalt , indem sie sich rasch vom Boden erhob ; - und Fenelon stand vor Leonin , und aus seinem bleichen Antlitze blitzten zürnende Augen . Leonin verhüllte sein Gesicht ! Doch nur einen Augenblick . Nichts konnte neben dem , was jetzt in ihm angeregt war , Raum behalten . » Und dennoch , dennoch muß ich fort ! Ist es möglich , Fenelon , so schützt Viktorinen - nicht um meinetwillen - um ihretwillen - denken kann ich jetzt nicht für sie - ich habe nur eine Pflicht - nur ein Gefühl ! - Aber betet - betet für mich , wie Ihr für den verurtheilten Verbrecher betet - und lebt wohl ! « » Unglücklicher ! « - rief Fenelon - » armes Spielzeug des Augenblickes - zwei Kronen reichte Dir das Leben zum - zertrümmern ! « Leonin hörte ihn nicht mehr . Auf Lesüeur ' s kalte Hand gebeugt , nahm er Abschied von ihm für diese Welt - streckte flehend die Hände gegen Fenelon empor und stürzte zum Zimmer hinaus . Fast besinnungslos trieb es ihn fort - er wäre zu Fuß nach Ste . Roche geeilt ; - aber sein Wagen stand vor der Thüre . » Jaques , « rief er dem alten Kutscher zu - » Du kennst den Weg nach Ste . Roche - treibe die Pferde an - laß ' sie mit Post wechseln - nur schnell , daß wir bald hingelangen ! « Der Wagen blieb halten . Dies eine Mal gehorchte Jaques nicht ; denn er war gewiß sich zu irren . Nach einigen Augenblicken stieg er vom Bocke und trat ehrerbietig an den Schlag : » Euer Gnaden befehlen nach Hause ? « » Nein , Jaques ! Nein , nicht nach Hause ! « - rief Leonin mit einem Ausdrucke , der Jaques die Ahnung einer ganz ungewöhnlichen Begebenheit gab - » nach Ste . Roche ! Nach Ste . Roche ! Ueberall frische Pferde - und schnell , schnell ! « Jetzt gehorchte Jaques - der Wagen eilte fort und Leonin dachte mit keinem Gedanken daran , daß im Pallast Crecy heute sein Sohn getauft werden sollte . Den Fahrweg durch das Thal von Ste . Roche entlang flog der einsame Wagen des Grafen Crecy ; ohne Vorreiter , ohne Livreen , ohne berittene Diener oder Reisegepäck . Niemand aus dem Schlosse erkannte daher den Ankommenden . Nur Fennimor sagte in diesen letzten Tagen oft : » er komme jeden Tag zu ihr und weine lange und heiß zu ihren Füßen , weil er sich so sehr nach ihr sehne ; - aber er sähe so bleich aus - und so anders , wie früher , daß sie immer weinen müsse , wenn er komme . « - Das glaubte ihr Niemand , obwol auch Niemand ihr zu widersprechen wagte . Aber , wer aus dem Nebenzimmer sie zuweilen betrachtete , wenn sie allein zu sein glaubte , konnte wohl sehen , daß in ihrem Geiste eine besondere Regsamkeit war . Himmlisch mitleidig blickte sie in den leeren Raum , bis Thränen aus ihren Augen niederfielen ; sie neigte sich vor , und die feine , weiße Hand schien eine Täuschung , die ihr vorstand , erreichen zu wollen . - Wer hätte durch Geräusch oder Frage sie stören mögen ! Alle , die sie seit ihrem Unglück umgaben , hatten sich die Hand gereicht zu einem Bunde des Schweigens . Jeder bezwang das schwellende Herz über ihr Schicksal , wie es wirklich war , und erwartete fast mit Andacht , was sie daraus machen würde . Lange Zeit hatte die Krankheit sie mit einer Heftigkeit beherrscht , die wenig Hoffnung für ihre Genesung ließ - und ihr selbst keine Besinnung . Auch war der Arzt vom Anfange an überzeugt , daß diese heftige Störung in der ersten , so verhängnißvollen Zeit einer Mutter , ihre Lebenskräfte verzehren würde . - Und als er die erste furchtbare Krankheit gebrochen hatte , wartete er nur , welchen Weg die Natur