Fesseln einzuschlagen , daß Ihr Euch der freien Berathung mit Euch selbst entzieht , und blind und ohne Zweck ein abgerissenes Dasein lebt , unwissend , ob der Weg , den Ihr mit festgeschlossenen Augen geht , derjenige sein wird , auf dem Ihr vor Gott dereinst wünschen werdet Euch befunden zu haben ! Ist das die Stimme des Gewissens , der wir folgen sollen , die Euch von dem verlassenen Wesen fortruft , welches , verlockt durch falsche Kunst , aus ehrenvollem Schutz getrieben , hier unter grauenhaften Umständen von neuen , dunkel drohenden Gefahren sich umgeben sieht ? O , werft ein so fremdes Wesen von Euch , gehorcht dem heiligen Geiste , der in der Brust des bessern Menschen Thun und Lassen richtet ! O , daß ich Euch rührte , für Euch selbst , für mich ! Es entstand eine Pause . Der Pater war in eine Stimmung gebracht , die ihn entsetzte ; doch in dem Maaße , als er , was er eben vernommen , innerlich wie eine harte Versuchung zu bezwingen trachtete , riß er sich mit seiner ganzen Kraft davon los , und erwiederte mit mehr Kälte und Härte , als zu erwarten war : Haltet ein mit Euern unbesonnenen Reden ; Euer Verstand ist ein keckes Ding und überbietet mit leichten Worten schnell jedes Maaß , womit Ihr wenigstens trachten solltet , das zu würdigen , was fremd oder widersprechend erscheint . Lernt erst begreifen , daß , wer zu gehorchen vermag , in sich einer größern Kraft bedarf , als zum Widerstehen gehört , daß nur der mit Ruhe die äußere Freiheit aufgiebt , der sie nach Innen gesichert hält , und daß der Weg kein fremder ist , auf welchem das Panier des Heilandes weht . Eben darum verstummt die neugierige Frage , ob seine Bahn auch rauh und öde , über Fels und Trümmer , durch stille , nie bemerkte Thäler führe . Ihr wißt es selbst nicht , wie ich in Euerm Wesen eben jetzt die Weisheit derjenigen verehre , die Euch hier zur Erkenntniß Eurer selbst die Gelegenheit geben . - Scheltet mich , wie Ihr wollt , rief Maria , schnell seine weitere Rede hindernd , aber verlaßt mich nicht ; stellt mich so unmündig dar , wie Ihr wollt , überzeugt Euch nur , daß ich um so mehr Eures Schutzes bedarf . Ich glaube , daß Ihr mich kennt , und Eurer Weisung will ich gehorchen ; aber schweigt mir von der fremden Macht , von der ich mich gekannt denken soll . Oder , fuhr sie plötzlich ernster fort , ich muß glauben , wer ich bin , zu wem ich gehöre , ist nur ein mir vorenthaltenes Geheimniß , und jene Obern tragen irgend eine Absicht , mich , die Freigeborene , hier als Gefangene verschmachten zu lassen . O entsetzliches Loos ! Könnt Ihr es denken , dauert Euch meine Jugend nicht , nicht der Schmerz derer , die mich vielleicht zu finden trachten , und denen ich hier widerrechtlich vorenthalten bin ? Ihr werdet mit dieser Art , die Umstände anzusehen , erwiederte der Pater , unter die Ihr Euch fügen müßt , Euer Loos schwerer machen , als es der Wahrheit nach zu nennen ist . Nehmt die Dinge so einfach , wie sie vor Euch liegen , und überlaßt es der Zeit , die Veränderungen darin hervor zu rufen , die der Himmel Euch bestimmt . - Ach , welch ein Rath , für ein Herz , das in so kurzer Zeit alle Gefahren einer schutzlosen Lage durchkämpfen mußte , und sich nicht verhehlen kann , daß es auf sich , auf seine eigenen Kräfte angewiesen ist , auf eine Erfahrung , so jung und ungeprüft , die , muß ich Euern Worten glauben , so unzulänglich sich erwies , daß es einer fremden Einwirkung bedurfte , um die schrecklichen Folgen des ersten selbst gelenkten Schrittes abzuwenden . - Ihr solltet daraus lernen , wie wenig Ihr zur eignen Lenkung Euers Schicksals berufen seid , und dankbar anerkennen , daß Eurer Jugend diese Hülfe von einer Seite kömmt , wo mit der reifsten und weit reichendsten Erfahrung der Wille sich verbindet , sie zu Euerm Nutzen anzuwenden . - Nein , nein ! Ihr überredet mich umsonst , diese heimlich waltende Macht als eine wohlthätige anzusehen ; ihre Anordnungen sind im eigenen Interesse , mit Beschränkung der Freiheit dessen angeordnet , dem sie zu helfen vorgiebt . Ich will mich frei erklären . Ich verlange über mich Gewalt zu haben ; diese Mauern will ich verlassen , und heute noch ; ich will von Gott geschützt den suchen , der allein ein Recht hat , mir zu gebieten . - Da Ihr denn selbst diesem heiligen Schutze entsagt , so danket Gott , daß Niemand in diesen Mauern lebt , der Euch zu willfahren berechtigt ist . Ich warne Euch noch ein Mal , ergebt Euch mit Gelassenheit in Eure Lage . Der Widerstand möchte eine Aufmerksamkeit erregen , die Euer Schicksal auf eine Weise bestimmte , wie Ihr sie am meisten fürchtet , und wie sie jetzt vielleicht noch abzuwenden ist , wenn Ihr still ergeben Euern aufstrebenden Geist verberget . - Ihr sprecht in Räthseln und laßt doch ahnen , man habe mich zu andern Zwecken hierher gebracht , als mich der Schande zu entziehen . Ihr wißt mehr . Es ist gewiß , Ihr kennt die Absicht , die über mich bestimmt , und seid nicht ohne Mitleid , ohne Theilnahme . Erbarmt Euch denn und thut mehr ; entreißt mich dieser Lage , die so viel Bedrohliches in sich schließt . Ich muß Euch vertrauen , obwol Ihr Euch so klein , so gering als Diener jener fremden Macht bezeichnet . Ihr habt ein Herz , ich weiß es : Ihr könnt es nicht so sehr im Gehorsam ersticken , daß es Euch nicht sagte , was menschlich und gerecht ist . Fürchtet