bestimmt haben konnten , sich einem Trunkenbolde vertraulich zu nähern , von dem er durch Erziehung und Bildung und Gründe aller Art entfernt gehalten werden sollte . Der Graf kehrte jetzt mit dem Prediger scheinbar ruhig zu der Gesellschaft zurück und sagte , indem er dem ängstlichen Blicke der Gräfin begegnete , mit heiterem Lächeln : Der Herr Prediger hatte mir Mancherlei über die Gemeinde mitzutheilen ; aber nicht wahr ? setzte er hinzu , indem er ihm die Hand bot , wir werden gemeinschaftlich alle Uebel abwenden . Gewiß , antwortete der Pfarer lächelnd , das Schwerste haben Sie ja schon gethan . Die Gräfin , die durch die lange Abwesenheit ihres Gemahls und des Predigers beunruhigt worden war , glaubte nach diesem heiteren , gleichgültigen Gespräch , daß nichts Bedeutendes vorgefallen sein könnte , und wollte sich der Unterhaltung wieder hingeben , aber es war diesen Abend kein Leben in die Gesellschaft zu bringen . Der Graf war innerlich mit der Unterredung beschäftigt , die am folgenden Tage Statt finden sollte . Die Gäste des Grafen Robert waren , von Kummer und Mißtrauen gedrückt , zu keiner harmlosen Theilnahme an der Unterhaltung zu bewegen , so daß man zuletzt zu den Karten seine Zuflucht nahm , womit der Prediger besonders zufrieden war . Da der Baron Lehndorf , sein Freund Wertheim und der Prediger die Parthie des Obristen Thalheim machten , so redete der Pfarrer den Verwundeten oftmals an und nöthigte ihn die verabredete kleine Fabel zu wiederholen , daß er nämlich mit dem Pferde gestürzt sei und sich den Arm beschädigt habe , welcher Unfall ihn genöthigt , das Vorwort seines Freundes zu benutzen , um die Gastfreundschaft hier in Anspruch zu nehmen , wo er zugleich so glücklich gewesen sei , den Beistand des Herrn Doktors für seinen Arm benutzen zu können . Und davon haben Sie mir nichts gesagt , sagte der Prediger , indem er einen scharfen Blick auf den Arzt richtete , der dem Spiele zusah . Der überraschte Freund wurde roth und sprang einen Schritt zurück , drückte dann die Augen zu und sagte , vor Verlegenheit blinzelnd : Es ist eine unbedeutende Beschädigung , es war nicht der Mühe werth darüber zu sprechen . Der Prediger erwiederte nichts weiter , richtete aber noch einige gleichgültige Fragen über das französische Militair an den Baron Lehndorf und seinen Freund , und spielte ruhig seine Parthie zu Ende . Nach dem Abendessen nahm er den Arzt am Arme und schlug ihm vor , noch eine Pfeife Tabak in seinem Zimmer zu rauchen , welches dieser nicht ablehnen konnte , und so trennte sich die Gesellschaft , weil ein Jeder sich danach sehnte , sich seinen Gedanken ungestört überlassen zu können . Nachdem der Prediger im Zimmer des Arztes mit großer Gelassenheit seine Pfeife in Ordnung gebracht , gestopft und angezündet hatte , lud er seinen Freund ein , seinem Beispiel zu folgen , woran dieser noch nicht gedacht hatte , denn ihm war heute die Aussicht , daß der Geistliche noch lange könne bei ihm verweilen wollen , nicht angenehm , weil er sich gern losmachen und seine Pflicht erfüllen wollte ; denn die Wunde des Herrn von Wertheim mußte noch verbunden werden , und er wollte den jungen Mann nur ungern noch länger die Ruhe der Nacht entbehren lassen . Also , fing der Prediger das Gespräch an , den Rauch aus seiner Pfeife in die Höhe blasend , der Herr von Wertheim ist mit dem Pferde gestürzt und dadurch ist er verwundet worden ? Unbedeutend , erwiederte der Arzt , er wird bald hergestellt sein und seine Reise fortsetzen können . Und nach Warschau will er ? fragte der Prediger weiter . So höre ich , sagte sein ängstlich werdender Freund . Lieber Doktor Lindbrecht , erwiederte hierauf der Geistliche lächelnd , Sie haben durchaus kein Talent zum Lügen . Das müssen Sie besser lernen , wenn Sie mich hintergehen wollen . Ich will Ihnen jetzt sagen , wie die Sache zusammenhängt . Ihr Kranker ist im Duell mit einem französischen Obristen verwundet worden , der noch übler weggekommen ist , denn an seinem Aufkommen wird gezweifelt , und der Divisions-General hat der Gemahlin des Obristen versprochen , den Mörder desselben auf ' s Nachdrücklichste zu verfolgen , deßwegen thun Sie gut , wenn Sie Ihrem Patienten rathen , seine Genesung nicht hier abzuwarten , und Sie müssen den Ruhm ihn herzustellen schon einem Andern überlassen . Der Arzt betrachtete seinen Freund mit weit geöffneten Augen , blieb eine Zeit lang sprachlos vor Erstaunen und rief dann : Sie haben einen Dämon , der Sie lehrt in die Tiefe eines jeden Geheimnisses zu blicken , denn auf gewöhnlichen Wegen können Sie unmöglich Alles erfahren . Sie sehen , ich habe meine Nachrichten , erwiederte der Prediger selbstgefällig lächelnd , und Sie sehen auch , daß das zuweilen nicht so übel ist , denn man kann unbesonnenen Leuten dienen , wenn man wohl unterrichtet ist . Noch stand der Arzt in Staunen verloren über die unbegreifliche Klugheit seines Freundes , als die Thüre geöffnet wurde und der Graf Robert eintrat , der mit einiger Verlegenheit den aufgeregten Arzt und den gelassen rauchenden Prediger betrachtete . Sie sehen nach , hob der Letztere schalkhaft lächelnd an , ob Sie unsern Freund , den Doktor , noch nicht allein finden , damit er die Wunden des Herrn von Wertheim endlich verbinde . Nicht ich , rief der Arzt heftig vorspringend und die Hand auf die Brust legend , nicht ich habe den Verrath begangen . Er weiß unser Geheimniß , aber , welcher Dämon es ihm verrathen , ist mir unbekannt . Sein Sie ruhig , sagte der Prediger ernsthaft , und gebehrden Sie sich nicht so wunderlich . Ich habe von Reisenden zufällig erfahren , daß ein französischer Obrist von einem verabschiedeten preußischen Offizier schwer verwundet worden ist . Also lebt der Obrist , rief der Graf in freudiger Ueberraschung , jede Zurückhaltung aufgebend