kann göttlich sein . * * * Wie begierig ist die Seele nach Wahrheit , wie durstet sie , wie trinkt sie ! - Wie die lechzende Erde , die tausend Pflanzen zu nähren hat , den fruchtbaren Gewitterregen trinkt ; die Wahrheit ist auch elektrisch Feuer wie der Blitz . - Ich fühl den weiten wolkendurchjagten Himmel in meiner Brust ; ich fühl den feuchten Sturmwind in meinem Kopf ; das weiche Heranrollen der Donner , wie sie steigen , mächtig , und das elektrische Feuer des Geistes begleiten . - Das Leben : eine Laufbahn , die mit dem Tod abschließt durch die Liebe , durch den Geist ; ein geheim verborgen Feuer , das sich bei diesem Abschluß ins Licht ergießt . Ja , elektrisch Feuer ! Das glüht , das braust , die Funken , die Gedanken , die fahren zum Schornstein heraus . Wer mich berührt im Gefühl meiner Geistigkeit , mit dem zusammen erbraust der Geist gewitterhaft und spielt im Pulsschlag der Stürme , im elektrischen Zittern der Luft . Das hab ich gedacht , wie wir miteinander sprachen und Du meine Hand berührtest . Geschrieben nach dem Gewitter , wie sich ' s nach dem Sturm noch einmal erhellen wollte und die Nacht dem nachträglichen Tag das Regiment abnahm . * * * Schon manch Vorurteil hab ich gelöst , so jung wie ich bin , wenn ich auch das eine lösen könnte , daß die Zeit nichts verjährt , Hunger und Durst werden auch nicht älter ; so ist ' s auch mit dem Geist , in der Gegenwart bedingt er schon die Zukunft . Wer Ansprüche an die Zukunft macht , wer der Zeit voraneilt , wie kann der der Zeit unterworfen sein ? Ich habe bemerkt an den Bäumen , immer ist hinter dem abwelkenden Blatt schon der Keim einer zukünftigen Blüte verborgen ; so ist auch das Leben im jungen , frischen , kräftigen Leib die nährende Hülle der Geistesblume ; und wie sie welkt und abfällt in der irdischen Zeit , so drängt sich aus ihr hervor der Geist als ewige himmlische Blüte . Wenn ich im späten Herbst im Vorübergehen das tote Laub von den Hecken streifte , da sammelte ich mir diese Weisheit ein ; ich öffnete die Knospen , ich grub die Wurzeln aus , überall drängte sich das Zukünftige aus der gesamten Kraft des Gegenwärtigen hervor ; so ist denn kein Alter , kein Absterben , sondern ewiges Opfern der Zeit an das neue junge Frühlingsleben , und wer sich der Zukunft nicht opferte , wie unglücklich wär der ! - * * * Zum Tempeldienst bin ich geboren , wo mir nicht die Luft des Heiligtums heimatlich entgegenweht , da fühl ich mich unsicher , als hab ich mich verirrt . Du bist mein Tempel , wenn ich mit Dir sein will , reinige ich mich von des Alltäglichen Bedrängnis wie einer , der Feierkleider anlegt ; so bist Du der Eingang zu meiner Religion . Ich nenne Religion das , was den Geist auf der Lebensstufe des Augenblicks ergreift und im Gedeihen weiter bildet wie die Sonne Blüten und Früchte . Du siehst mich an wie die Sonne und fächelst mich an wie der Westwind , unter solchen Reizungen blühen meine Gedanken . Diese Lebensepoche mit Dir zieht eine Grenze , die das Ewige umfaßt , weil alles , was sich innerhalb ihrer bildet , das Überirdische ausspricht , sie zieht einen Kreis um ein inneres Leben ; nenne es Religion , Offenbarung , über alles , was der Geist Unermeßliches zu fassen vermag ! Was wacht , das weckt ! Gewiß , in Dir wacht , was mich weckt . Es geht eine Stimme von Dir aus , die mir in die Seele ruft . - Was durch diese Stimme geweckt wird , ist Geheimnis ; erwachtes Geheimnis ist Erleuchtung . Manches sehe und fühl ich , was schwer ist auszusprechen . Wer liebt , lernt wissen , das Wissen lehrt lieben , so wachse ich vielleicht in die Offenbarung , die jetzt noch Ahnung ist . Ich habe das Gefühl von dem Zeitpunkt an , wo mir ' s so freudig in die Sinne kam , meine Gedanken , mein geistiges Leben in Deinen Busen zu ergießen , als habe ich mich aus tiefem Schattental erhoben in die sonnigen Lüfte . * * * In dem Garten , wo ich noch als Kind spazierte , da wuchs die Jungfrauenrebe hoch empor an plattem Gestein . Damals hab ich oft ihre kleine Samtrüssel betrachtet , mit denen sie sich anzusaugen strebt , ich bewunderte dies unzertrennliche Anklammern in jede Fuge , und wenn der Frühling erschöpft war und die Sommergluten dem jungen weichen Keimleben dieser zarten Pflanze einfeuerten , da fielen allmählich ihre zierlichen rotgefärbten Blätter zum Schmuck des Herbstes ins Gras . Ach , ich auch ! Absterbend , aber feurig werd ich von Dir Abschied nehmen ; und diese Blätter werden wie jenes rote Laub auf dem grünen Rasen spielen , der diese Zeiten deckt . * * * Ich bin nicht falsch gegen Dich ; - Du sagst : » Wenn Du falsch bist , Du hättest keine Ehre davon , in bin leicht zu betrügen . « Ich will nicht falsch sein , ich frage nicht , ob Du falsch bist , sondern wie Du bist , will ich Dir dienen . Den Stern , der dem Einsamen jeden Abend leuchtet , den wird er nicht verraten . Was hast Du mir getan , was mich zur Falschheit bewegen könnte , alles , was ich an Dir verstehe , das beglückt mich ; Du kannst weder Auge noch Geist beleidigen , und es hat mich weit über jede kleinliche Bedingung erhoben , daß ich Dir vertrauen darf ; und aus dem tiefsten Herzen kann ich Dir immer nur den reinen Wein einschenken , in dem Dein Bild sich spiegelt . Nicht wahr , Du glaubst nicht ,