Trinktische knüpfen , so brauche ich Euch nur den Wirth zur Traube zu Worms in ' s Gedächtniß zu rufen , um Euch mit einemmale von Allem in Kenntniß zu setzen . « - » Ha ! der Schelm ! « braußte Gerhard auf : » Ich wollte , ich dürfte bei einem Ringelrennen seinen nichtswürdigen Glotzkopf vom Rumpfe stechen . Der Bursche lügt , wenn er das Kleinste noch an mich begehrt . Hie Paar Turnosen , die ich ihm schuldig wurde , weil er immer doppelt und dreifach in ' s Holz schneidet , sind ihm längst bezahlt ; das will ich durch einen gestabten Eid erhärten und bekräftigen . « - » Laß das ! « antwortete der Schultheiß verächtlich : » Daß Ihr zahltet , wissen wir . Sagt uns lieber , wie Ihr bezahlet . « » Je nun , « .... hob Gerhard an , und verstummte aber in selbigem Augenblick , da ihm plötzlich der Handel mit dem Juden beifiel . - Der Oberstrichter fiel dagegen siegreich ein : » Da haben wir ' s. Dieses Stocken verräth den ganzen Hergang . Die Wormser Juden haben Recht , und Junker Gerhard wird sich freisam herausreden müssen , wenn er mit ehrlichem Schild aus dem Gedränge zu kommen Lust hat . « - Gerhard nahm mit einer wehmüthigen Miene das Schwert von der Hüfte und reichte es wie ein armer Sünder dem Oberstrichter hin . - » Getrenge Herren , « stammelte er verlegen : » Eure Weisheit und Gerechtigkeit wird ja wohl einen Fehler von einem Verbrechen unterscheiden . « » Nicht alles , was Juden und ähnliche Heiden über einen eifrigen Christen aussagen , ist ein Evangelium . - Ich vermuthe , « fuhr er immer verzagter fort , während seine Zuhörer das Lachen verbeißen mußten , - » daß hier von einem gewissen Knaben die Rede werden dürfte , der mir zu Worms plötzlich zu , und noch plötzlicher abhanden gekommen seyn soll . Ich kann jedoch einen körperlichen Eid darauf ablegen , daß der verdammte Jude , « .... - » hier ist nicht der Ort zu Eurer Rechtfertigung , noch zum Eide , « unterbrach ihn der Schultheiß : » Der Oberstrichter wird Euch beides abfordern , wann er es für nöthig erachtet . Folgt ihm jetzt . « - Gerhard rieb sich ängstlich die Stirne . » Euer Haus , liebster Herr , « seufzte er , » ist so nahe am Eschenheimer Thurm , daß ich nichts Gutes aus meiner Einkehr bei Euch erwachsen sehe . Und dennoch - Ihr werdet sehen - bin ich eigentlich schuldlos . Laßt mich daher zum mindesten im Staat gewahrsam . Ich gebe Euch meinen adlichen Handschlag , durch kein Pförtlein noch Thor zu entwischen . « - Der Oberstrichter verneinte . - » Traut Ihr dem Worte eines biedern Edelmanns nicht , so verstattet mir einen Bürgen ; « fuhr Gerhard dringender fort . » Mein bester Freund lebt zum Glücke hier , Herr Dagobert Frosch des Schöffen Sohn . Er wird sich für meine Redlichkeit und Haft verbürgen , und mir ein vorteilhaft Zeugniß geben können , da , wie mir gerade einfällt , er selbst just bei dieser ganzen Wormser Begebenheit gegenwärtig gewesen . « » Dagobert Frosch ? « fragte der Oberstrichter schnell . - » Der junge Mann hat ja überall die Hände im Spiel ; « setzte der Schultheiß mit Schadenfreude hinzu , und dem armen Gerhard wurde es mit einemmale recht klar , daß er des Freundes wohl zu vorschnell erwähnt hatte . Nun half ihm kein Zögern mehr . Der Schultheiß wieß ihn bloß auf ein aufrichtiges Bekennen an , und , statt auf der Zunftstube Wein und Lob im ungeheuern Maße zu genießen , mußte er dem Oberstrichter ohne Widerrede folgen . Wie ein Sieger war er eingezogen , und saß nun zwischen vier kahlen Wänden . Von einer Säule des Ruhms hatte ihm geträumt , und vor den Gittern seines Fensters streckte sich der Eschenheimer Thurm in die Höhe , sein künftiger Aufenthalt , wenn Zufall oder Willkür oder Gerechtigkeit seine Lage verschlimmern würden . Von Dagoberts Klugheit allein hoffte er einen Ausweg aus diesem Gewirre von bösen Folgen einer übeln That , und darum war bald der Entschluß in ihm fest geworden , den jungen Mann ohne Rückhalt mit in die Geschichte zu verwickeln ; überzeugt , daß der Verstand desselben gewiß Sieger werden würde . Fußnoten 1 Des Oberstrichters Wohnung war in der Regel das Schuldgefängniß angesehener Leute . Neuntes Kapitel . Ein wenig Lieb ' ist karg und leer , Ein wenig Lieb ' ist keine ; Viel Lieb ' ist eben auch nicht mehr ; Lieb ' ist die völlig Eine , Lieb ' ist nicht wenig und nicht viel , Deine Lieb ' ist ohne Maß und Ziel . St. Schütz » Leb ' wohl , mein süßes Kind ! Gott behüte Dich , arme Maid ! « hatte Dagobert bei seinem Abschiede zu Esther gesprochen , und dieses einfache herzliche Lebewohl war der Verlaßenen fest im Gedächtniß geblieben . An jedem Tage wiederholte sie wohl tausendmal die Worte ihres Beschützers , wie ein frommes Gebet , denn sie schienen ihr einen unfehlbaren Segen zu enthalten . Die gute Crescenz , die - ein seltnes Beispiel in ihrer finstern Zeit - Dankbarkeit höher achtete , denn Vorurtheil , bemühte sich , an Esther aus Kräften zu vergelten , was sie von deren Vater empfangen , und war treu in der Sorgfalt , die sie dem scheidenden Junker Dagobert gelobt hatte . Auf diese Weise konnte es denn geschehen , daß Esther auf dem Schellenhofe einige Tage verlebte , so ruhig , als sie nur , den Umständen nach , seyn konnten . In einem versteckten Giebelstübchen hausend , von niemand bemerkt . Allen im Hause fremd , - die gutmüthige Pflegerin ausgenommen - hatte sie völlige Muße , ihres treuen Freundes zu denken , und ihres