, und ein wundersam Geschick trieb Lenardo auf seine Spur ; und nun soll er , so wünscht sie , ihr den Abschied von dort erleichtern und so die Freude , die Beruhigung empfinden , einen Teil der verschränkten Schicksalsfäden selbst wieder aufgefaßt und angeknüpft zu haben . Nun aber müssen wir , um das Geistliche , das Gemütliche zu einer Art von Vollständigkeit zu bringen , auch ein Geheimeres offenbaren , und zwar folgendes : Lenardo hatte über eine nähere Verbindung mit der Schönen-Guten niemals das mindeste geäußert ; im Laufe der Unterhandlungen aber , bei dem vielen Hin-und Widersenden war denn doch auf eine zarte Weise an ihr geforscht worden , wie sie dies Verhältnis ansehe und was sie , wenn es zur Sprache käme , allenfalls zu tun geneigt wäre . Aus ihrem Erwidern konnte man sich so viel zusammensetzen : sie fühle sich nicht wert , einer solchen Neigung wie der ihres edlen Freundes durch Hingebung ihres geteilten Selbst zu antworten . Ein Wohlwollen der Art verdiene die ganze Seele , das ganze Vermögen eines weiblichen Wesens ; dies aber könne sie nicht anbieten . Das Andenken ihres Bräutigams , ihres Gatten und der wechselseitigen Einigung beider sei noch so lebhaft in ihr , nehme noch ihr ganzes Wesen dergestalt völlig ein , daß für Liebe und Leidenschaft kein Raum gedenkbar , auch ihr nur das reinste Wohlwollen und in diesem Falle die vollkommenste Dankbarkeit übrig bleibe . Man beruhigte sich hiebei , und da Lenardo die Angelegenheit nicht berührt hatte , war es auch nicht nötig , hierüber Auskunft und Antwort zu geben . Einige allgemeine Betrachtungen werden hoffentlich hier am rechten Orte stehen . Das Verhältnis sämtlicher vorübergehenden Personen zu Makarien war vertraulich und ehrfurchtsvoll , alle fühlten die Gegenwart eines höheren Wesens , und doch blieb in solcher Gegenwart einem jeden die Freiheit , ganz in seiner eigenen Natur zu erscheinen . Jeder zeigt sich , wie er ist , mehr als je vor Eltern und Freunden , mit einer gewissen Zuversicht , denn er war gelockt und veranlaßt , nur das Gute , das Beste , was an ihm war , an den Tag zu geben , daher beinah eine allgemeine Zufriedenheit entstand . Verschweigen aber können wir nicht , daß durch diese gewissermaßen zerstreuenden Zustände Makarie mit der Lage Lenardos beschäftigt blieb ; sie äußerte sich auch darüber gegen ihre Nächsten , gegen Angela und den Astronomen . Lenardos Inneres glaubten sie deutlich vor sich zu sehen , er ist für den Augenblick beruhigt , der Gegenstand seiner Sorge wird höchst glücklich gesichert ; Makarie hatte für die Zukunft auf jeden Fall gesorgt . Nun hatte er das große Geschäft mutig anzutreten und zu beginnen , das übrige dem Folgegang und Schicksal zu überlassen . Dabei konnte man vermuten , daß er in jenen Unternehmungen hauptsächlich gestärkt sei durch den Gedanken , sie dereinst , wenn er Fuß gefaßt , hinüber zu berufen , wo nicht gar selbst abzuholen . Allgemeiner Bemerkungen konnte man hiebei sich nicht enthalten . Man beachtete näher den seltenen Fall , der sich hier hervortat : Leidenschaft aus Gewissen . Man gedachte zugleich anderer Beispiele einer wundersamen Umbildung einmal gefaßter Eindrücke , der geheimnisvollen Entwickelung angeborner Neigung und Sehnsucht . Man bedauerte , daß in solchen Fällen wenig zu raten sei , würde es aber höchst rätlich finden , sich möglichst klar zu halten und diesem oder jenem Hang nicht unbedingt nachzugeben . Zu diesem Punkte aber gelangt , können wir der Versuchung nicht widerstehen , ein Blatt aus unsern Archiven mitzuteilen , welches Makarien betrifft und die besondere Eigenschaft , die ihrem Geiste erteilt ward . Leider ist dieser Aufsatz erst lange Zeit , nachdem der Inhalt mitgeteilt worden , aus dem Gedächtnis geschrieben und nicht , wie es in einem so merkwürdigen Fall wünschenswert wäre , für ganz authentisch anzusehen . Dem sei aber , wie ihm wolle , so wird hier schon so viel mitgeteilt , um Nachdenken zu erregen und Aufmerksamkeit zu empfehlen , ob nicht irgendwo schon etwas Ähnliches oder sich Annäherndes bemerkt und verzeichnet worden . Funfzehntes Kapitel Makarie befindet sich zu unserm Sonnensystem in einem Verhältnis , welches man auszusprechen kaum wagen darf . Im Geiste , der Seele , der Einbildungskraft hegt sie , schaut sie es nicht nur , sondern sie macht gleichsam einen Teil desselben ; sie sieht sich in jenen himmlischen Kreisen mit fortgezogen , aber auf eine ganz eigene Art ; sie wandelt seit ihrer Kindheit um die Sonne , und zwar , wie nun entdeckt ist , in einer Spirale , sich immer mehr vom Mittelpunkt entfernend und nach den äußeren Regionen hinkreisend . Wenn man annehmen darf , daß die Wesen , insofern sie körperlich sind , nach dem Zentrum , insofern sie geistig sind , nach der Peripherie streben , so gehört unsere Freundin zu den geistigsten ; sie scheint nur geboren , um sich von dem Irdischen zu entbinden , um die nächsten und fernsten Räume des Daseins zu durchdringen . Diese Eigenschaft , so herrlich sie ist , ward ihr doch seit den frühsten Jahren als eine schwere Aufgabe verliehen . Sie erinnert sich von klein auf ihr inneres Selbst als von leuchtendem Wesen durchdrungen , von einem Licht erhellt , welchem sogar das hellste Sonnenlicht nichts anhaben konnte . Oft sah sie zwei Sonnen , eine innere nämlich und eine außen am Himmel , zwei Monde , wovon der äußere in seiner Größe bei allen Phasen sich gleich blieb , der innere sich immer mehr und mehr verminderte . Diese Gabe zog ihren Anteil ab von gewöhnlichen Dingen , aber ihre trefflichen Eltern wendeten alles auf ihre Bildung ; alle Fähigkeiten wurden an ihr lebendig , alle Tätigkeiten wirksam , dergestalt daß sie allen äußeren Verhältnissen zu genügen wußte und , indem ihr Herz , ihr Geist ganz von überirdischen Gesichten erfüllt war , doch ihr Tun und Handeln immerfort dem edelsten Sittlichen gemäß blieb . Wie sie