des Grafen Schulter lag , der vor den Mineralien saß und ordnete , kleine Zettel anklebte , und im Anschauen verloren war . Die Fürstin schrie auf ; sie meinte , es wäre wieder jenes Geräusch , das sie umgebe , und der Graf strafte zärtlich seine Frau , wie sie so erschrecken könne ; wirklich ist das Leisegehen eine Art Falschheit oder Bosheit , aber die Gräfin war laut aufgetreten , der Graf war nur in den Mineralien , die Fürstin in ihm vertieft . Aber ist es nicht bedeutend , wenn uns zufällig das Bekannte durch seine unerwartete geliebte Nähe erschreckt ? Die Gräfin hing diesem Gedanken nach ; ihr war , als hätte sie etwas sehr Ähnliches , was sie dort erblickt , in früherer Zeit gelesen ; sie suchte unter ihren längst vergessenen deutschen Büchern nach , und fand im vierzigsten Teile von Wallers sämtlichen Schriften folgende Versuchungsgeschichte bei seinen mineralogischen Wanderungen , die wir als eine Darstellung Italiens hier auch wohl dulden mögen , wenn sie gleich unsre Geschichte unterbricht . Was ist uns denn in einer Geschichte wichtig , doch wohl nicht , wie sie auf einer wunderlichen Bahn Menschen aus der Wiege ins Grab zieht , nein die ewige Berührung in allem , wodurch jede Begebenheit zu unserer eigenen wird , in uns fortlebt , ein ewiges Zeugnis , daß alles Leben aus Einem stamme und zu Einem wiederkehre . Warum sind doch die Leser meist so ungeduldig , warum muß ich hier Ereignis auf Ereignis zusammendrängen und von der liebevollen Erziehung der Kinder , wie Dolores und Klelia sie ihnen geben , muß ich ganz schweigen , um mich nicht in unendlicher Betrachtung zu verlieren . Überschlagt nicht diese lehrreichen Verse . Elegie aus einem Reisetagebuche in Schottland Genua seh ich im Geist , so oft die unendlichen Wellen Halten den Himmel im Arm , halten die taumelnde Welt ; Seh ich die klingenden Höhlen des nordischen Mohrenbasaltes , Glaub ich die Erde gestützt auf den Armen der Höll ; Dann , dann sehne ich mich in deine hellschimmernde Arme Weißer carrarischer Stein , kühlend die schwülige Luft , Denk ich der Treppen und Hallen von schreienden Menschen durchlaufen Keiner staunet dich an , jedem bist du vertraut . Sage Vertraulichkeit mir , du innere treu mir gehegte , Was zum Norden mich trieb , ach und du schweigest beschämt . Meine Begleiter , die rufen sich Geister des Fingal im Echo , Und ich denke mich fern , hin nach südlichem Land , Liege am Felsen gestreckt mit zierlich gebundenem Tagbuch , Und verlange vom Geist , daß er was Gutes bescher ! Fingal , das klinget schon wieder so hell , mir wird doch so trübe , Frierend wähn ich mich alt , Jugend verlorene Zeit ! Dreht sich die Achse der Welt ? Wie führt mich Petrarka zu Fingal , War es doch gestern , ich mein , daß ich nach Genua kam . Ja dort sah ich zuerst das Meer , das nun mehr mir grauet , Weil es vom Vaterland mich , von den Freunden mich trennt ; Damals von der Bocchetta herab in des Frührots Gewühle Sah ich die Hoffnung darauf , weichlich im schwebenden Bett , Nicht am Anker gelehnt , nein sorgenlos schlummernd , sie dreht sich , Daß die Schifflein so weiß , flogen wie Federn davon ; Lässig band sich vor mir die Göttin das goldene Strumpfband , Zweifelnd , daß frühe so hoch steige der lüsterne Mensch . Und so stehend und ziehend am Strumpfe sie lebte und schwebte Wie ein Flämmelein hin über die spiegelnde Welt . » Fiametta ! « ich rief , mir schaudert , sie faßte mich selber , Ja ein Mädchen mich faßt , lächelnd ins Auge mir sieht ; » Ich bin ' s ! « sagte sie peitschend den buntgepuschelten Esel , Daß aus dem ledernen Sack schwitzte der rötliche Wein : » Esel , du kennst schon den Weg zum Markte der glänzenden Hauptstadt , Mit Laternen zur Nacht stiegest du gestern erst hier . Lieber , was willst du ? « sie fragt , » du riefest mich eben bei Namen ? « Wenn sie nicht Blicke verstand , Worte , die wußt ich noch nicht ! Der Beschämung sich freuend , sie strich mir die triefenden Haare , Tau und Mühe zugleich hatten die Stirne genetzt , Wie ein Bursche der Schweiz ich schien ihr nieder zu wandeln , Um zu suchen mein Glück und sie wollte mir wohl . Als sie den Stein erblicket , den sorglich in Wissenschaftsliebe Auf den Händen ich trug , daß der Anbruch nicht leid ' , Rötlicher Feldspat es war mit köstlich großen Kristallen , Wie er nirgends als dort schmücket den alten Granit ; Ei da lachte sie laut , und riß mir den Stein aus den Händen , Warf ihn über den Weg , daß er zum Meere hinrollt , Und dann spielte sie Ball , sich freuend meiner Verwirrung Mit der Granate , die schnell kehrte zu ihr aus der Luft ; Nicht der schrecklichen eine , die rings viel Häuser zerschmettert , Doch die feurige Frucht , mystisch als Apfel bekannt . Und ich sprach ihr in Zeichen so zärtlich ich immer vermochte , Küßte die innere Hand , warf dann mein Küßlein ihr zu . Und sie verstand mich doch wohl ? O Einverständnis der Völker , Das aus Babylons Bau blieb der zerstreueten Welt , Suchte doch jeder den Sack beim brennenden Turm und fragte , Also blieb auch dies Wort » Sack « all den Sprachen gesamt . - Ob der Esel auch eilte so schnell mit dem Sacke hernieder , Doch die Liebe versteht jegliche Zeichen geschwind , Die sie niemals gebraucht im Blick in guter Gebärde , Sei es in südlicher Glut , sei es auf nordischem Eis . Folgend dem trabenden Esel , sie blickte sich um so gelenkig , Die Granate entfiel ,