Städten und fanden auch dort ihren Tod . So war die Lage des Landes beschaffen , als der Kaiserliche General Graf Gallas mit seiner 60000 Mann starken Armee von Malchin , aus dem Mecklenburgischen , heranrückte , um die Schweden von der Elbe und Havel zu vertreiben . Plünderung , Brand und Mord bezeichneten jeden seiner Schritte . Nun wetteiferten Pest und unmenschliche Barbarei , das Land Ruppin in eine der ödesten Wüsteneien umzuwandeln . 82 Alles floh nach Ruppin und Wusterhausen , wohin sich Gallas wegen der noch nicht ganz gedämpfen Pest nicht getraute , und haufenweise starben die unglücklichen Schlachtopfer vor den Städten an der Mauer . Am 5. Oktober rückte er endlich in die Stadt Ruppin ein und erpreßte von den armen Bewohnern , was die verödeten und rauchenden Hütten der Landleute nicht mehr leisten konnten . Arme Leute mußten Eichelbrot essen , und Kaspar von Zieten erzählt , daß man sich auf dem Markte in Neu-Ruppin um eine tote Katze gezankt habe . Bei ihrem Abzuge setzten die Kaiserlichen unter Gallas ihren Schandtaten die Krone auf : sie verließen Ruppin und steckten an einem Tage das Städtchen Wildberg und 28 Dörfer in Brand . Die Gottberger Kirchenbücher Die Gottberger Kirchenbücher Diese » Gallassche Zeit « nun oder mit andern Worten diese durch vier Wochen hin systematisch betriebene Verwüstung des Ruppinschen Landes ist es , die von zeitgenössischer Hand in den Gottberger Kirchenbüchern ihre Schilderung gefunden hat . Der Aufzeichnende war Emanuel Collasius ( Kohlhase ) , Prediger in dem benachbarten Dorfe Protzen , das er infolge der totalen Verödung dieses Ortes verließ , um sich nach Gottberg ( wo er geboren war ) zu begeben . Erst nach etwa Jahresfrist wurde er , da an Rückkehr nach Protzen nicht zu denken war , Prediger in seinem Geburtsdorfe Gottberg und schrieb in die dortigen Kirchenbücher seine und des Ruppiner Landes Leidensgeschichte ein . Diese beiden Bücher sind : 1. ein Kirchenrechnungsbuch und 2. ein eigentliches Kirchenbuch . Das Kirchenrechnungsbuch , ein Folioband , ist aus dem Jahre 1587 und enthält auf der vordersten Seite , die zu diesem Behuf in Gebrauch blieb , die Namen der Gottbergschen Prediger von 1581 bis jetzt . Das Buch wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts neu gebunden . Sein Inhalt ist oft schwer zu entziffern . Das eigentliche » alte Kirchenbuch « ist um ein Jahr jünger , beginnt mit 1588 und schließt mit 1766 . Es ist ein Quartband in Pergament . Nur wenige Bogen sind lose ; alles andere hat noch festen Zusammenhang und eignet sich , bei sorgsamer Behandlung , in seinem gegenwärtigen Zustande immer noch besser zur An-und Durchsicht , als wenn es einen neuen Einband erhielte . Leider ist die Schrift auch dieses Buches oft schwer zu lesen . Historische Notizen finden sich nur hier und dort eingestreut , unter denen die wichtigsten ( wie auch im Kirchenrechnungsbuche die aus der Gallasschen Zeit sind . Zwischen den Aufzeichnungen in beiden Büchern ist nur der Unterschied , daß Prediger Collasius in dem Kirchenbuche mehr das Allgemeine , in dem Kirchenrechnungsbuche mehr das Persönliche gegeben hat . Wir beginnen mit dem letzteren . Prediger Collasius ' Aufzeichnungen im Gottberger Kirchenrechnungsbuche » Dies 1638te Jahr ist wohl ein recht elend und trübselig Jahr gewesen , wie dergleichen wohl kein trübseligeres in unserem geliebten Vaterlande erlebt worden ist ... Zumal auch wegen der Pest , darannen die Dörfer bald ausgestorben sind ... So hat mein Antecessor zu Gottberg , Herr Joachimus Becker , in eben diesem Jahr an der Pest erliegen müssen . Meine Pfarrkinder zu Protzen sind meist weggestorben und nur 8 Personen übrig geblieben . Weil ich zu Protzen weder Pfarrhaus noch Zubehör behalten , habe ich nothwendig in dem großen Elend dem lieben Brot nachziehen müssen und habe mich zu Gottberg bei meiner inzwischen seligverstorbenen Mutter ein halb Jahr aufgehalten anfangs nicht der Meinung , als wollte ich zu Gottberg als Pfarrer verbleiben , sondern um wieder nach Protzen zu ziehen . Weil aber im letzteren Dorf sobald keine Besserung zu hoffen war und mir die Gemeinde zu Gottberg , auf Gutachten des Achatz Quitzowschen Verwalters allhier , das Schmiedehaus im Dorfe zur Wohnung einräumte , blieb ich zunächst noch ein Jahr , bis ich endlich durch Gottes Vorsehnung zu einem Prediger der Gottberger Gemeinde , von den wohledlen Gebrüdern Dietrich und Achatz von Quitzow als Kirchenpatronen , legitime ernennet und von kurfürstlicher Durchlaucht confirmiret worden bin . Habe also in dem Schmiedehause gewohnet 9 Jahr und darin viel Noth und Ungemach leiden und ausstehen müssen , so daß ich auch willens gewesen bin , wo ich keine andere Wohnung hier würde haben können , wieder zu vertiren . Eben da aber ward mir von einem alten Wohnhaus gesaget , das mir sollte verkauft werden , ein Haus , das der von Zernikow zu Werder gebauet habe , aber darüber weggestorben sei . Dieses Haus haben wir abbrechen lassen und ist auf die alte Pfarrstelle zu Gottberg wieder hingesetzet worden , welches Haus ich dann Anno 1647 auf Trinitatis bezogen habe und worinnen ich nach Gottes Willen noch jetzo wohne . « Prediger Collasius ' Aufzeichnungen im Gottberger Kirchenbuche » ... Kurz nach der Roggen-Ernte in diesem Jahre 1638 ist die Kaiserliche Armee unter Graf Gallas von Malchin in Mecklenburg aufgebrochen und hat allhier , in der Nähe von Fehrbellin , ihr Feldlager aufgeschlagen . Sie hat vier ganze Wochen an dieser Stelle still gelegen . Bei ihrem Aufbruch sind folgende Pfarren und Rittersitze , soweit mir bewußt , abgebrannt gefunden worden . Pfarren : 1 ) die Pfarre zu Bechlin , abgebrannt ; 2 ) die Pfarre zu Gottberg , abgebrannt ; 3 ) die Pfarre zu Wildberg , abgebrannt , wie auch der ganze Flecken , 4 ) das ganze Dorf Rohrlack abgebrannt , sowohl die Kirche als andere Gebäude ; 5 ) die Pfarre zu Segeletz und das halbe Dorf ; 6 ) die Pfarre zu Protzen und das halbe Dorf ; 7 ) die