Bauern freundlich zunickend , reitet er hinter dem herzoglichen Banner her , das zwiefach im Geviert den Löwen und die blauweißen Rautenfelder zeigt . Er zwingt mit ruhiger Faust das scheuende Roß . Kraftvoll , ein Fünfzigjähriger , sitzt er fest im Sattel , obwohl sein Oberkörper in nachlässiger Haltung gegen die linke Hüfte hängt . Der mit Adlerfedern und dem Rautenflügel geschmückte Helm bedeckt einen wuchtigen Kopf . Das dicke Haar ist bräunlich , der starke Vollbart mit dem lang herunterhängenden Schnauzer ist dunkelblond . Blaue Augen glänzen unter dem aufgeschlagenen Helmvisier über die scharfgeschnittene Nase heraus . Der vorgeschobene Mund , obwohl er freundlich lächelt , gibt dem Gesichte ungerecht einen Zug von Härte und übler Laune . Am Gürtel hängt das breite Schwert und daneben ein klobiger Streithammer . Über den Brüstling des Panzers geht eine Goldkette mit großem , blitzendem Rubin . Auf den roten , die Halsberge deckenden Samtkragen sind die Wappen der Städte von Bayern-München gestickt . Und der starre Waffenrock ist wie das Bannertuch gewürfelt mit den Rautenfeldern und dem silbergestickten Löwen . An der Seite des Vaters , auf einem schweren Apfelschimmel , reitet Prinz Albrecht , der Einundzwanzigjährige , den das Volk den Schmucksten unter allen Fürstensöhnen des Reiches nennt . Auch wenn er nicht den gleichen Helm , die gleiche Wehr und den gleichen Waffenrock trüge wie Herzog Ernst , müßte er als ein verjüngtes Bild seines Vaters erscheinen , freundlich , gütig und kraftvoll . Er ist von jenen Menschen einer , die man liebt , weil sie leben und lächeln . Die Bauern jubeln , haschen nach seiner Hand , schwatzen und scherzen mit ihm . Heiter gibt er Antwort und nickt ihnen zu . In dem drängenden Schwärme fällt ihm ein junger Bursch auf , gewachsen wie ein Frühlingsbaum , mit gesunden Gliedern , strotzend von Kraft und Leben , mit froh blitzenden Blauaugen und dickem Blondhaar , das um die heißen Wangen baumelt . Der Prinz sagt zum Herzog : » Schau , Vater ! Was für Leut wir haben ! « Er deutet auf den jungen Bauern , der ein altes , rostiges Langschwert über der Schulter trägt . Herzog Ernst winkt den Bursch zu sich heran . » Wer bist du ? « » Ich bin aus Schwabing , Herr ! Einer Stalzstößerin einziger Sohn . « » Wie heißt du ? « » Michel Ungeraten . « Der Herzog sagt : » Da hat das Schwabinger Kirchenbuch eine Dummheit gemacht . Ein so wohlgeschaffener Mensch sollt anders heißen . Halte dich tapfer , wenn es zum Schlagen kommt . Und ich gebe dir einen gerechten Namen . « Der Bub schreit einen Jauchzer in die Sonne . Und der Marsch geht weiter . Bei der Feuerstätte von Pasing , wo die halbverbrannten Hütten noch flackern und qualmen , gibt ' s einen kleinen Aufenthalt . Männer und kreischende Weiber , die sich wie wahnwitzig gebärden , schleppen zwei Gefangene vor die Rosse des Fürsten hin . Das wären zwei von den feindlichen Brandschatzern ; man hätte sie festgenommen , als sie in der Nacht das Feuer in die Kirche von Pasing warfen . Von den Weibern zetert eines : » Die sollt man in einen Ziegelofen schmeißen , daß sie am Tag verschmecken , wie den Bauern in der Nacht das Brennen tut ! « Der Herzog mustert die beiden , die in ihren Prügelwunden und blauen Malen schrecklich aussehen . Es scheinen fahrende Musikanten zu sein ; der eine , klein und dick , hat eine zerfetzte Blatterpfeife um den Hals hängen , der andere , in dessen fahlem Gesicht die Augen scheu und angstvoll rollen , trägt auf dem Rücken eine verbeulte Laute . Ruhig sagt der Herzog : » Strafen ? Diese zwei ? Die haben mitgeholfen , um uns zu wecken in der Nacht . Wir wollen diese Wohltäter mit Dank zurückschicken zu ihrem Herren . « Da sprengen vier Kundschaftsreiter über die Straße her . Sie haben bei Freiham den fliehenden Feind entdeckt , der über Alling und Puechheim hinaus entrinnen und zwischen den weglosen Mooren die feste Landbrücke bei Olehing gewinnen will . » Drauf und dran ! « Mit diesem frohen Kampfschrei läßt Prinz Albrecht seinen Schimmel jagen . » Jung ! Sei bedächtig ! « mahnt der Herzog . Aber da drängen schon alle Gäule dem Schimmel nach . Mitten in dem Reiterschwarme springen und hopsen keuchend die beiden Musikanten , jeder mit der Hand an einen Sattel gefesselt . Und hinter den Gäulen , von Staub umwirbelt , folgen im Laufschritt die drei Heerhaufen der Zünfte und das Gewirr der Bauern . Bei Freiham , auf einer Wiese , sitzen Verwundete , die dem fliehenden Trupp des Wessenacker nimmer folgen konnten . Erschöpfte Menschen und niedergebrochene Rosse liegen in dem Buchenwald , durch den der Weg des rasselnden Reiterhaufens geht . Und als die Herzöge das breite , lange Wiesental des Starzelbaches erreichen , das sich beim Jägerhause von Hoflach aus bewaldeten Hügeln nach Norden gegen die Sümpfe des Dachauer Mooses hinzieht , sehen sie aus den Dächern von Puechheim und Alling , die der fliehende Wessenacker in Brand gesteckt , den Rauch und die Flammen aufgehen . Und weit da draußen , über tausend Schritte vom Hügel des Jägerhauses , gegen Olching hin , gewahren sie in der Mittagssonne das bunte , funkelnde , blitzende Gewirr eines großen , auf vierhalbtausend Helme zu schätzenden Heerhaufens , dessen gestaute Massen von zwei Seiten gegeneinander drängen und sich zu ordnen suchen . Während die Flammen der Dörfer wachsen und von den Brandstätten das Jammergeschrei der Bauern und ihrer Weiber herüberschrillt , faßt Herzog Ernst den Gaul des Sohnes am Zügel . » Langsam , Brechtl ! Das Ding wird ernst . Der Vetter Loys ist da . Er ist der Stärkere . « » Wir sind die Besseren ! « trotzt der Junge . » Jetzt wirst du den Schnabel halten und dich gedulden .