des heutigen Abends vor . Old Surehand und Apanatschka waren kürzlich an der Pazific gewesen , von welcher aus die Umgebung des Mount Winnetou zu verproviantieren und mit allen erforderlichen Lebensbedürfnissen zu versehen war . Auch das war ein Geschäft , bei dem man viel Geld zu verdienen hoffte . Die Verbindung mit der Bahn mußte durch einen regen Wagen- und Packtierverkehr unterhalten werden . Diesen einzurichten , war die höchste Zeit , weil die Menschenflut , die man erwartete , hier nun bald einzutreffen hatte . Nach dem Festmahle kehrten alle in ihre Zelte heim . Nur Wakon blieb mit seiner Squaw bei uns . Wir vier hatten uns gegenseitig schnell liebgewonnen . Ihre Tochter war oben im Wachtturm bei den Arbeiterinnen , die von dem » jungen Adler « beschäftigt wurden . Ich schlug vor , zu ihm hinaufzuspazieren . Aschta war schnell einverstanden und bat , auch den alten , guten Pappermann mitzunehmen . Wakon aber hatte den Wunsch , in Winnetous Zimmer bleiben und dessen » Testament « durchsehen zu dürfen . Das gestattete ich ganz selbstverständlich sehr gern . Pappermann wurde gerufen ; dann stiegen wir durch den Wald zu dem » Adler « empor . Dieser freute sich aufrichtig , als er uns sah , und führte uns auf das platte Dach seiner Wohnung . Dort gab es große Heimlichkeiten , von denen ich jetzt noch nichts erzählen möchte . Es handelte sich , soviel sah ich sogleich , um einen Flugapparat , aber um keine der bis jetzt bekannten Konstruktionen . Ich sah für heut nur zwei eigenartige flordünne Flügel im Entstehen und zwei hohle Körper , oder sagen wir , zwei eng anliegende Gewänder , welche außerordentlich kunstreich aus stahlharten aber federleichten Binsen geflochten waren . Es gab hierzu einen kleinen , nicht sehr schweren aber sehr wirkungsvollen Motor , den er sich aus dem Osten mitgebracht hatte . Das war das Paket gewesen , welches er trug , als er in Trinidad zu uns kam . Die Körper waren noch nicht fertig . Es wurde noch an ihnen gearbeitet , und zwar schien Aschta , die Jüngere , sich vorgenommen zu haben , sie gänzlich fertig zu stellen . Es war eine wunderbare Aussicht hier oben . Darum blieben wir so lange da , bis wir nicht länger warten konnten . Dann stiegen wir wieder hinab nach unserer Wohnung , wo wir Wakon so vertieft in seine Lektüre fanden , daß er es fast überhörte , daß wir bei ihm eintraten . Er legte das Heft , in dem er soeben gelesen hatte , beiseite , stand auf und sprach : » Ja , das ist Winnetou , Winnetou selbst ! Wenn wir heut abend den vorlesen , wird er sich riesengroß und riesenstark in uns erheben und alle Gegner aus dem Felde schlagen . Ich fühle ihn schon in mir mild , ernst , rein , keusch und edel , nur aufwärts strebend zur irdisch möglichsten Vollkommenheit . Das wird ein herrliches , ein schöpferisches Entstehen in uns selbst . Davon soll meine Squaw nicht ausgeschlossen sein . Ich nehme Achta mit ! « » Und auch mich ! « bat das Herzle . » Oder ist es uns Frauen verboten , mit anwesend zu sein ? « » Eigentlich ja , « antwortete ich . » Aber niemand wird wagen , euch zurückzuweisen . Es handelt sich nicht um eine Häuptlingsversammlung , denn Young Surehand und Young Apanatschka sind auch geladen . Wo diese sein dürfen , dürft auch ihr erscheinen . « Eben als ich dies sagte , kam Kolma Putschi . Sie sagte uns , daß Old Surehand , Apanatschka und ihre Söhne schon bei Tatellah-Satah seien . Sie habe sich mit ihnen eingestellt , um bei uns anzufragen , ob Aschta und das Herzle gesonnen seien , sich zu beteiligen . Da wünsche sie , sich ihnen anzuschließen . Das wurde ihr ganz selbstverständlich gewährt . Ich nahm , als wir nun gingen , nur die ersten beiden der Hefte mit , die Winnetou für mich geschrieben hatte . Als wir bei Tatellah-Satah ankamen , waren schon alle anderen Eingeladenen anwesend . Er hatte sie nach dem herrlichen Passiflorenraum bringen lassen , nach welchem er nun auch uns geleitete . Da waren aus Fellen zahlreiche Sitze bereitet . Hohe , aus dem Wachse wilder Bienen bereitete Kerzen brannten . Damit die köstliche Blütenluft nicht durch die vielen Lichterflammen verunreinigt werde , stand die in das Freie führende Treppentür offen . Für den Vorleser , der war ich , gab es einen erhöhten Sitz , zu dessen Seiten , um mir das nötige Licht zu geben , die Kerzen vervielfacht waren . Als wir eintraten , standen die Anwesenden alle auf . Daß wir unsere Frauen mitbrachten , schien ihnen ganz verständlich zu sein . Tatellah-Satah forderte sie durch einen Wink auf , ihre Sitze wieder einzunehmen . Er selbst blieb stehen , um einige Worte des Grußes und der Einleitung zu sprechen . Er erklärte den Zweck unserer heutigen Zusammenkunft und Vorlesung und forderte die Versammelten auf , ihre Augen nach innen zu richten , um die Ankunft dessen , dem dieser Abend gewidmet war , ja nicht zu übersehen . Dann begann die Vorlesung . Die ersten Zeilen lauteten : » Ich bin Winnetou . Man nennt mich den Häuptling der Apatschen . Ich schreibe für mein Volk . Und ich schreibe für alle , die da Menschen sind auf Erden . Manitou , der Große , der Allgütige , breite seine Hände aus über dies mein Volk und über alle , die es ehrlich mit ihm meinen ! « Als diese Worte erklangen , ging eine tiefe , fast möchte ich sagen , eine heilige Bewegung durch die Versammlung . » Winnetou ! « » Winnetou ! « » Winnetou ! « hauchte es rundum . Ich las weiter . Ein voller , inhaltsreicher Lapidarstil war meinem unvergleichlichen roten Bruder eigen gewesen , wie