Angst . Aber Heinrich tat den Einwand : » Hinter dem Graben stehen gewappnete Wächter , die möchten uns leichtlich gefangen nehmen , weil wir fremd . Drum wollen wir uns gleichfalls mit Fichtengrün kränzen und so tun , als gehörten wir zum Sonnwendfeste . Ich nähere mich sachte dem Kinde und führe es unbemerkt beiseite . Ihr lauert indessen nahebei und deckt mit euren Pistolen meinen Rückzug , wann ich den Knaben bringe . « Sogleich schnitt Heinrich Zweige von den Fichten , und wir Frauen machten Kränze . Dann prüften wir die Pistolen und schlichen hinter Heinrich her zum Felsengipfel . Wie wir zur Lichtung kamen , war ich erstaunt , die Stätte gänzlich verändert zu finden . Wo früher Wald gestanden , war eine Matte . An den Felsen lehnte ein Balkenhaus , im weiten Kreise umgeben von Graben und Wall . Das große Feuer war nicht bei dem Gehäus , sondern auf des Felsens andrer Seite . Wie besessen tanzten bekränzte Männer und Frauen in bunten Kleidern um die lodernde Flamme , in die soeben ein Tannenwipfel gestürzt war , daß es prasselte . Vom Walde geborgen , schlichen wir an eine Stelle , wo wir aus nächster Nähe den Vorgang betrachten konnten . Was uns hinderte , vollends heranzukommen , war der Graben und dahinter der Wall , so mit zugespitzten Pfählen versehen war . Auf der Matte , die sich innerhalb dieser Wehr zum Abendburgfelsen hinan erstreckte , waren vereinzelte Männer mit Feuerrohren und Partisanen . Sie bewachten den Platz . Auf einmal kam neue Bewegung in die Menge , weil jemand etwas ausgerufen hatte . Man lief und drängte zum großen Feuer . Ein paar Geigen intonierten eine wildfeierliche Weise , und dann sangen Kranzjungfern : » Komm ins Leuchten , komm ins Leuchten , O du wunderweiße Braut ! Deine trüben Erdentage Sind nun alle , alle aus . O weh und juchhe ! O weh und juchhe ! Weinet und lachet : Lichtbraut ade ! Bald mit Flügeln angetan , Fleugst du wie der rote Hahn . « Da war auf einmal die bekränzte Berthulde auf dem Felsen , in ihrem weißen Gewand rot angestrahlt . Nicht weit von ihr stund mein kleiner Johannes , ebenfalls weiß gekleidet und bekränzt . Staunend hielt er das Fingerlein an seinen Mund . Mir jauchzte das Herz , daß mein Kind heil und munter . Ich wollte hineilen , ward aber von Sibyllen zurückgehalten . Den Arm erhoben , gebot Berthulde Stille , und dann brachte man ihr eine Harfe . Wie eine Verzückte starrte sie in die Glut und redete getragen zum Harfenschall : » Lichtsonne , Born der Lust ! « Wie eine betende Prozession murmelte die Menge : » Lichtvater in uns , nicht über uns . « Und Berthulde fuhr fort : » Zu deines Gottesleibes Gliedern heilige uns ! Absterben laß dein Kind der Schattentiefe , begrabe das Opfer in läuternden Flammen . « Gleich einem Widerhall scholl es : » Lichtvater in uns , nicht über uns . « Nach diesem Gebet gab Berthulde die Harfe zurück und sprach , erhoben die Hand : » Höret mich an ! Heilig ist die Stunde , da wir feiern des Lichtes Triumphieren , und weil allhie eine Braut stehet , sich hinzugeben der Flamme . Wohlan , lasset mich bekennen , wer diese Lichtbraut ist . Von Mitternacht aus dem Harzgebirge bin ich kommen , eine Flüchtige , nebst meinem Bruder . Dieweilen ich schon in der Heimat dem Lichtvater gehuldiget , haben mich die dummen Pfaffenknechte zu Asche brennen wollen . Eine Hexe haben sie mich gescholten , unwissend , daß die Hexen mit Magie das Beste zu erlangen suchen , was die Erde ihren Kindern darbeut : Lust und Minne ! Gern wär ich eine Hexe worden , habe mir auch ein magisch Ding zugelegt , denn auf minnigliche Lust ging all mein Seufzen aus . Ein ander Los indessen ward mir vom Lichtvater bestimmet . Zu seiner Lichtbraut hat er mich erkoren ; blieb mir doch das Glück der Minne alleweil versagt , als habe Frau Venussin den Auftrag , mir den Rücken zu kehren . Den ich zuletzt und am heißesten liebgewann , dessen Burg heut eingeweihet wird , auch er hat mich verschmäht - oh , verschmäht ... « Schmerzlich preßte die Tolle die Faust auf ihre Brust und starrte in die Glut . » Und warum verschmäht ? Ein sanft Weibsbild hat es ihm angetan und mir sein Herz entwendet . Ich aber habe meinen Dolch in ihr Herzblut getaucht , daß sie hingegangen ist , wohin sie gehört . Mag sie Halleluja singen in ihrem Pfaffenhimmel ! Ihr Herz hab ich bluten lassen , denn sie hat das meine zuvor bluten lassen . Und weil sie an mir zur Räuberin worden , hab ich ihr Kind geraubt ... Hie stehet es ja , das Schätzchen . « Heinrich wandte in stummer Frage sein Angesicht zu mir , Sibylle preßte meine Hand , ich war wie versteinert vor Angst . Die unsinnige Lichtbraut aber sank nach dem Auflodern ihrer Wildheit wieder in dumpfen Trübsinn . Griff sich an die Schläfe und sahe ratlos umher : » Was soll ich anoch allhie ? Will lieber tun , was mir bestimmt ist . Sterben will ich ... « Wie Verzückung kam es über sie : » Doch in Minne sterb ich , für meinen Liebsten sterb ich , für sein Lichtreich sterb ich , für euch alle sterb ich ! « Die Menschen drunten , mit aufgerissenen Augen regten sich murmelnd , und Zurufe kamen : » Heil Berthulde ! Lichtbraut ! Lichtvater in uns , nicht über uns ! « - » Ja , Lichtvater in uns - « triumphierte die Besessene . » Er bleibt in mir , ich bleib in ihm . Stirb dem finstern Abgrunde , so gewinnst du Geburt im seligen Lichtreiche . Gehet nun auch mein Liebster in das Reich