unendlich groß . Ich habe Euch viel , sehr viel zu sagen . Der Eindruck , den Yin auf mich gemacht hat , ist ganz unbeschreiblich . Es gibt keine Worte , mit denen ich das sagen - - - « Er unterbrach sich abermals . Es gab ein Geräusch unter unsern Balken . Hinabschauend , sah ich , daß man einen Palankin aus dem Hause brachte und vor dem Tore niedersetzte . Dann erschien Yin . Da sprang der Governor sehr schnell von seinem Stuhle auf und sagte : » Da ist sie ja ! Schon jetzt ! Sie will fort ! Ich muß augenblicklich hinab , um Abschied von ihr zu nehmen . « » Wo will sie hin ? « fragte ich . » Nach Raffley-Castle hinüber . Aber davon wißt Ihr ja gar nichts . Mir jedoch hat sie es vertraulich mitgeteilt . Seht , da steigt sie eben ein ! Ich muß rasch noch hinab , sonst trägt man sie mir davon , ehe ich ihr noch einmal die kleine , unendlich schöne Hand habe küssen dürfen . Wartet ! Ich gehe nur hinab zu ihr , sonst weiter nirgendwo hin . Ich bin gleich wieder da bei Euch , und dann - - - « Was » dann « geschehen sollte , das hörte ich nicht , denn grad bei diesem Worte machte er meine Tür von draußen hinter sich zu . Ich sah , daß er trotz dieser seiner Eile zu spät kommen werde , denn Yin war in die Sänfte gestiegen , welche nun jetzt von den beiden Kulis aufgehoben und mit jener schnellen Art von Schritten fortgetragen wurde , welche den chinesischen Sänftenträgern zur Gewohnheit geworden ist , nämlich ein ausgiebiger , schnell vorwärtsbringender Trab . Als der Governor unten aus dem Hause kam , waren sie schon eine ziemliche Strecke mit ihr den Berg hinunter . Da rannte er hinter ihnen drein und rief dabei zu mir herauf : » Ich hole sie ein ; ich hole sie ein , Charley ! Kommt mir nach , in die Stadt , nach dem Hafen ! Es gibt vor heut abend nichts zu essen hier oben ! « Das klang sonderbar . Wie kam er auf diese letzteren Worte ? Und als ich nun sah , mit welcher Eile er , der vornehmste und bedachtsamste aller Gentlemen , hinter dem Palankin drein rannte und welche Schritte er dabei machte , da brach ich in ein lautes , herzliches Lachen aus . Ich glaubte , mir das gestatten zu können , denn ich war ja allein ; aber da hörte ich hinter mir ein Echo klingen . Ich drehte mich um und sah Tsi . Er war in meine Stube gekommen , ohne daß ich es gehört hatte . Nun stand er da an der offenen Balkontür , sah den » uncle « laufen und lachte grad ebenso herzlich wie ich selbst . Daß er die letzten Worte des Governor gehört hatte , bewies er mir , indem er sagte : » Nichts zu essen bis heut abend ? Da hat er mich nicht richtig verstanden . Er eilte gar zu schnell an mir vorüber ! Wir gönnen unsern lieben Gästen ihre eigene Zeit und bitten sie darum erst für heut abend in den Speisesaal . Das sagte ich ihm , als er an mir vorüberging . Für außerdem hängt neben jeder Tür die Speisekarte . Er hat es auf die Sänfte abgesehen . Wer sitzt darin ? Vielleicht Yin ? « » Ja , Raffley ist schon voran nach dem Hafen . Sie wollen nämlich - - - ah , das darf ich ja vielleicht gar nicht sagen ! « » Warum nicht ? Nur immer heraus damit ! Sie wollen hinüber nach Raffley-Castle , nicht ? Er hat es auch mir mitgeteilt und meinem Vater ebenso , im Vertrauen natürlich ! Und Yin hat es meiner Schwester gesagt , meiner Mutter und meiner Großmutter , ebenso nur im Vertrauen ! Sie sehen , das Leben beginnt bereits , sich chinesisch zu gestalten : Man behandelt die Vorkommnisse des Familienlebens nicht öffentlich , sondern vertraulich . Uebrigens , wenn Sie speisen wollen , so geben Sie das Zeichen mit dem Gong und sagen Sie dem Diener , was Sie wünschen ! Das war es , worauf ich Sie aufmerksam machen wollte . Sonst aber sind Sie Ihr eigener Herr . « Als er fort war , schaute ich draußen nach . Da hing neben jeder Tür ein kleiner Gong und über ihm ein Verzeichnis der Speisen und Getränke , welche man sich auf das Zimmer wünschen konnte . Das war eine Aufmerksamkeit , die ich sonst noch nirgends gefunden hatte . Ich hatte jetzt weder ein Bedürfnis noch einen Wunsch , sondern nur die Pflicht , dem Governor nach der Stadt zu folgen , da er das sehr wahrscheinlich von mir erwartete . Ich spazierte also ganz denselben Weg wie er , wenn auch bedeutend langsamer , den Berg hinunter , um zu versuchen , ihn dann irgendwo zu treffen . Aber ich ging nicht allein , sondern ich wurde begleitet . Nämlich als ich zur Treppe hinunterkam , wurde eine der im Parterre liegenden Türen geöffnet , und es trat ein Chinese heraus , der ganz augenscheinlich nicht von gewöhnlichem Stande war . Er wollte auch hinunter nach der Stadt , blieb aber stehen und verbeugte sich sehr höflich , um mich an sich vorüberzulassen . Als ich ebenso höflich zögerte , dies zu tun , sagte er in einem sehr guten Englisch , er vermute , daß ich ein Gast dieses Hauses sei , und als solcher stehe mir der Vortritt vor ihm zu . Da ich das nicht annehmen wollte , entspann sich ein kleines , wohlwollendes Wortgeplänkel , welches zu dem heiteren Ergebnis führte , daß wir Einer dem Andern erlaubten , neben ihm herzulaufen . Dieser Mann war der Pu-Schang52 von Ocama . Er war bei dem