nieder und trank einen Tee , welcher alle Poren öffnete und mir aber dafür die Augen schloß . Ich schlief ein . Als ich erwachte , war es Nacht . Veilchen dufteten , drüben an der Balustrade saß Schakara , vom Monde hell beleuchtet . Ich sah , daß sie die Augen auf mich gerichtet hielt . » Dschanneh , wo sind die Veilchen her ? « fragte ich . » Im Garten und auf der Weide blühen sie nicht mehr . « » Ich ließ sie von hoch oben holen , « antwortete sie . » Jenseits des Alabasterzeltes hören sie gar nicht auf , zu blühen und zu duften . Du hast sehr gut geschlafen und sehr regelmäßig geatmet . Nun sag , kannst du klar und deutlich denken ? Oder macht es dir Mühe , Gedanken zu fassen und festzuhalten ? « » Gar keine Mühe ! Es liegt Alles bestimmt und scharf vor meinem Geiste . Ich könnte dir ohne die geringste Anstrengung jedes einzelne Wort wiederholen , welches drüben im Allerheiligsten gesprochen worden ist . « » Das ist gut , sehr gut ! Deinem geistigen Körper sind die Ansteckungsstoffe also fern geblieben , und aus dem leiblichen werden wir sie schnell wieder herausbekommen . « » So ist also wohl kein Rückfall zu befürchten ? « » Da es so steht , nicht . Der Ustad ist derselben Meinung wie ich . Er war öfters hier ; erst wieder vor einigen Minuten . « » Nun aber schläft er wohl ? « » Schlafen ? Was nennst du Schlaf , Effendi ? Ich schlafe wohl auch , indem ich hier bei dir wache ; aber so oft du die Augen öffnest , wirst du die meinen auch offen sehen . Du nennst mich ja Dschanneh ! « Das waren so tiefe Worte ! Sie sagten so viel über Leib und Geist und Seele . Ich dachte über sie nach und schloß dabei die Augen . Da rauschte Schakara ' s Gewand . Sie war aufgestanden , kam zu mir her , legte mir die Hand auf die Stirn und sagte : » Ich fühle , daß mein Bruder denkt . Er will den Sinn ergründen , der in meinen Worten liegt . Das ist aber nicht möglich , weil er noch so viele Stufen zu steigen hat , bis er dahin kommt , wo er mich verstehen kann . Und , weißt du , vergebliches Bemühen des Geistes bereitet der Seele Schmerzen . Darum zog es mich von dort auf und zu dir her . Bitte , denke nicht mehr darüber nach ! Wir gehen ja , sobald hier Alles vollendet ist , hinauf zu unserer Marah Durimeh . Das sind die Stufen , die du zu steigen hast . Sind wir oben , so wirst du sie und mich und dann wohl auch dich selbst begreifen . Jetzt schlaf - - - schlaf wieder ein ! Dschanneh will es ; du wirst es also tun ! « Ich verstand jedes ihrer Worte , war also vollständig wach . Ich fühlte , daß von ihrer Hand ein süßer Friede , eine selige Ruhe auf meine Stirn herüberfloß und sich von da aus über mein ganzes Wesen breitete , und wenn man das so deutlich , so scharf beobachtend empfindet , so kann man doch wohl nicht schon eingeschlafen sein ! Und aber doch und doch - - - denn ich führte meine Hand zur Stirn , um sie auf die ihrige zu legen und ihr zu danken , da sagte sie : » Effendi , ich berührte dich , um dich zu wecken . Es nahen uns Gäste , die du vielleicht gern kommen sehen möchtest . « Die Augen wieder aufschlagend , sah ich sie im hellsten Sonnenlichte vor mir stehen . Es war fast Mittagszeit ! » Du staunst ? « fragte sie , schalkhaft lächelnd . » Du wirst dich wohl noch öfters wundern , bis du weißt , was Dschanneh ist und was sie kann ! Agha Sibil ist mit seiner Familie angekommen und hat schon begonnen , sein Zelt zu errichten . Und vor einigen Minuten berichtete ein Bote aus dem Grenzduar , daß deine Bagdader Freunde dort übernachtet haben und gegen Mittag hier sein werden . Wenn du sie sehen willst , darfst du aufstehen , doch nur für ein Stündchen , und ohne hinunter zu gehen oder sie heraufkommen zu lassen . « » Kennt Agha Sibil die Zeit ihrer Ankunft ? « » Nein . Wir verschwiegen es ihm . Er wird zwar in seinem Zelte wohnen , ist aber für heute Mittag unser Gast . Wir richten es so ein , daß ihn sein Schwiegersohn hier in der Halle beim Essen überrascht . « » So stehe ich freilich auf und mache es wie Hadschi Halef , der sich jedenfalls auch ganz vorn aufs Dach postieren wird , um unsern früheren Bimbaschi und jetzigen Mir Alai zu begrüßen . « » Und ob er das tun wird ! « antwortete sie heiter . » Er sitzt wohl schon jetzt bereit , denn Hanneh war im Hofe , als der Bote kam , und hat es ihm sofort berichtet . Der Ustad ist mit Dschafar Mirza dem Mir Alai entgegengeritten . Errätst du , auf welchem Pferde ? « » Auf der Sahm ? « » Nein , sondern auf dem Assil Ben Rih . « » Wirklich , wirklich ? « fragte ich , nicht verwundert und nicht erstaunt , aber außerordentlich erfreut . » Ja ; er hat den Rappen gleich schon gestern vorgenommen , als du hier oben eingeschlafen warst . Er muß sich doch für den Fall vorbereiten , daß du auf jede Teilnahme am Rennen zu verzichten hast , und grad auf Assil sind Hoffnungen gesetzt , die wir nicht täuschen dürfen . Jetzt gehe ich hinab , um dir dein Frühstück zu bereiten und Syrr für dich mit Aepfeln zu