eine Gelegenheit geeignet sein , ihn mir so zu zeigen , wie ich ihn kennen lernen wollte , so war es die gegenwärtige hier . Einer von den zwölfen ritt einen hochgebauten turkmenischen Fuchs von , wie es schien , hochedler Tiukihrasse . Er war ein schöner Mann von gegen sechzig Jahren , schwarzgrau bebartet , sehr wohlhabend gekleidet und außer mit ausgelegten Schießwaffen mit einem krummen Säbel versehen , dessen von Steinen blinkende Scheide für sich allein ein kleines Vermögen bedeutete . Ich habe überhaupt keine besonders große Vorliebe für sogenannte schöne Männer , und wenn sie sich selbst bei gewöhnlichen Gelegenheiten so herausputzen wie dieser hier , so lasse ich sie am liebsten ihrer Selbstbewunderung über . Die wahre , edle Schönheit bedarf des Putzes und des Tandes nicht . Dieser Mann war Ghulam el Multasim , der sich einbildete , mit zwölf Pferden den ganzen Widerstand der Dschamikun niederreiten zu können . Er sah sich , sobald sein Turkmene still stand , im Kreise um , nahm den Ustad scharf in das Auge und fragte ihn in strengem Tone : » Wer bist du ? « Der Gefragte that , als ob er ihn weder gehört noch gesehen habe , als ob er gar nicht vorhanden sei . Er sagte zum Pedehr : » Reinige den Tempel ! Sobald ich zurückkehre , wird die Feier dieses Freudentages beginnen . « Hierauf ging er langsamen Schrittes hinaus zu seinen Rosen . » Der ist taub ! « lachte der Multasim . Und sich nun an den Pedehr wendend , fragte er diesen : » Wer war dieser alte Mann , der weder Augen noch Ohren zu haben scheint ? « Auch der Scheik antwortete nicht , wenigstens nicht durch Worte . Er that einige Schritte bis vor die nächste Säule hinaus und wehte mit einer emporgehobenen Falte seines weißen Oberkleides zum hohen Hause hinüber . Das Zeichen wurde gesehen ; die Glocken verstummten . Hierauf rief er den draußen in den Gängen des Parkes wartenden Dschamikun einige mir nicht geläufige kurdische Worte zu . Das war ein Kommando , dem sie augenblicklich gehorchten . Sie besetzten im Nu und auf allen vier Seiten das Innere des Tempels in der Weise , daß für keinen Unbewaffneten ein Entkommen möglich gewesen wäre . Dann wendete er sich wieder zurück , sah dem Perser groß in die Augen und sagte : » Der ehrwürdige Mann , der jede Roheit flieht , ist der Schah-in-Schah der Dschamikun , die ihn ihren Ustad nennen . Ich bin der Scheik desselben Stammes . Wer bist du ? « » Man pflegt mich Ghulam el Multasim zu nennen . Du wirst mich kennen ! « » Wenn du dieser bist , so kenne ich dich besser , als dir lieb sein kann ! Weißt du , wo du dich befindest ? « » Der Ort ist mir gleichgültig ! « » Aber uns nicht ! « » Dieses Haus ist keine Moschee und keine Kirche ! « » Aber auch kein Pferdestall ! Schaut euch um ! Hier stehen zweihundert Dschamikun ; da draußen noch weit mehr . Was habt ihr hier zu schaffen ! « Ghulam wurde unsicher . Er begann , einzusehen , daß sein Einfall einen andern Ausgang nehmen könne , als er gedacht hatte . Da aber zog einer der Reiter , der neben ihm hielt , seine Doppelpistole aus dem Gürtel , spannte beide Hähne und rief : » Was sollen Worte ! Wir sind Bluträcher . Namen zu nennen ist unnötig ; aber ich bin Mirza141 , und hier sind noch zwei andere , die auch Mirza sind . Was aber seid denn ihr ? « Der Pedehr sah ihm ruhig lächelnd in das Gesicht und antwortete : » Mirza nennt sich heut ein jeder , dessen Urahne verurteilt worden ist , der spätere Mann eines früheren Weibes in Teheran oder Isfahan zu sein . Die Dschamikun aber sind ohne Ausnahme alle Prinzen , echte , wirkliche , wahre Prinzen , nicht einer unrühmlichen Abstammung wegen , sondern zufolge der edlen Zwecke , für welche sie leben und für welche sie jetzt auch zu handeln wissen werden ! « Das waren beleidigende Worte . Die Pistole war gespannt , die andern elf besaßen wahrscheinlich mehr Mut als der Multasim . Es war für sie mit solchen Pferden und solchen Gewehren sehr wohl möglich , die sich ihnen entgegenstellenden Dschamikun niederzureiten . Und selbst wenn ihnen dieses nicht gelingen sollte , so mußte es , wenn es einmal zum Schießen kam , Tote und Verwundete geben . Da kam mir ein Gedanke . Ich näherte mich der Gruppe , um im befürchteten Augenblicke der Gefahr entgegentreten zu können . » Welch eine Frechheit gegen uns ! « rief der vorige Sprecher aus . » Wer hätte das zu dulden ? « » Ich nicht - ich nicht - ich nicht - - auch ich nicht ! « So riefen die andern alle , indem sie die Flinten oder Pistolen schußfertig machten . In diesem Augenblicke geschah etwas , was uns später oft Veranlassung zur heitern Erinnerung gegeben hat . Es kam nämlich jemand sehr eilig die Stufen herauf , drängte sich zwischen den dort stehenden Dschamikun hindurch und blieb dann für einen Augenblick stehen , um die Situation mit einem Blicke zu überfliegen . Dieser Jemand war unser Kara Ben Halef . Er hatte sich vollständig bewaffnet und trug außerdem meinen Henrystutzen in der Hand . Sein Erscheinen warf eine kurze Pause in die Scene . Als er mich stehen sah , trat er schnell auf mich zu , reichte mir den Stutzen und sagte laut so daß es alle hörten : » Es kam die Meldung auf das hohe Haus , der Bluträcher sei gekommen und mit elf andern hierher geritten . Ich wußte , daß ihr ohne Waffen seid , nahm schnell die meinen und bestieg die Sahm , die am nächsten zu handen war , um dir