oder diesem hochummauerten Garten gesetzt und wissen nichts von der ganzen Welt . Du aber bist immer still und selig , als müßte das alles so sein . « » Es muß auch alles so sein . « » So ? und wie wird es enden ? « » Er wird kommen und wird mich befreien . « » Nun , Weißlilie ! du hast einen starken Glauben . Wären wir daheim im Mauretanierland und sähe ich dich nachts zu den Sternen blicken , so sagte ich wohl : du habest das alles in den Sternen gelesen . Aber so ! Ich begreife das nicht « - und sie schüttelte die schwarzen Locken - » Ich werde dich nie begreifen . « » Doch , Aspa ! du wirst und sollst , « sprach Mataswintha sich aufraffend und zärtlich den weißen Arm um den braunen Nacken schlingend , » deine treue Liebe verdient längst diesen Lohn , den besten , den ich zu spenden habe . « In der Sklavin dunkles Auge trat eine Träne . » Lohn ? « sprach sie . » Aspa ward geraubt von wilden Männern mit roten , fliegenden Locken . Aspa ist eine Sklavin . Alle haben sie gescholten , viele geschlagen . Du hast mich gekauft wie man eine Blume kauft . Und du streichelst mir Wange und Haar . Und bist so schön wie die Göttin der Sonne und sprichst von Lohn ? « Und sie schmiegte das Köpfchen an der Herrin Busen . » Du bist meine Gazelle ! « sagte diese , » und hast ein Herz wie Gold . Du sollst alles wissen , was niemand weiß , außer mir . Höre also . Ich hatte eine Kindheit ohne Freude , ohne Liebe : und doch verlangte meine junge Seele nach Weichheit , nach Liebe . Meine arme Mutter hatte einen Knaben , einen Thronerben heiß gewünscht und sicher erwartet : - und mit Widerwillen , mit Kälte und Härte behandelte sie das Mädchen . Als Athalarich geboren war , nahm die Härte ab , aber die Kälte nahm zu : dem Erben der Krone allein ward alle Liebe und Sorge . Ich hätte es nicht empfunden , hätte ich nicht in meinem weichen Vater den Gegensatz gesehen : ich fühlte , wie auch er litt unter der kalten Härte seiner Gattin : und oft drückte mich der kranke Mann mit Seufzen , mit Tränen an die Brust . Und als er gestorben und begraben war , da war mir alle Liebe in der Welt erstorben . Wenig sah ich Athalarich , der von andern Lehrern und im andern Teil des Palastes erzogen ward : weniger noch die Mutter : fast nur , wenn sie mich zu strafen hatte . Und doch liebte ich sie so sehr : und doch sah ich , wie meine Wärterinnen und Lehrerinnen ihre eignen Kinder liebten , herzten und küßten : und nach gleicher Wärme verlangte mit aller Macht mein Herz . So wuchs ich heran , wie eine bleiche Blume ohne Sonnenlicht ! Da war denn mein liebster Ort in der Welt das Grab meines Vaters Eutharich im stillen Königsgarten zu Ravenna . Da suchte ich bei dem Toten die Liebe , die ich bei den Lebenden nicht fand : und sowie ich meinen Wärtern entrinnen konnte , eilte ich dorthin , zu sehnen und zu weinen . Und dies Sehnen wuchs , je älter ich ward : in Gegenwart der Mutter mußte ich all meine Gefühle zusammenpressen : sie verachtete es , wenn ich sie zeigte . Und wie ich vom Kind zum Mädchen heranwuchs , merkte ich wohl , daß die Augen der Menschen oft wie bewundernd auf mir ruhten : aber ich dachte , sie bedauerten mich : und das tat mir weh . Und öfter und öfter flüchtete ich zum Grabe des Vaters , bis es der Mutter gemeldet ward : und ich ward verklagt , daß ich dort weinte und ganz verstört zurückkäme . Zornig verbat mir die Mutter , ohne sie das Grab wieder zu besuchen : und sprach von verächtlicher Schwäche . Aber dawider empörte sich mein Herz und ich besuchte das Grab trotz dem Verbot . Da überraschte sie mich einst daselbst : und schlug mich : und ich war doch kein Kind mehr : und führte mich in den Palast zurück : und schalt mich schwer : und drohte , mich zu verstoßen für immer : und fragte im Scheiden zürnend den Himmel , warum er sie mit einem solchen Kinde gestraft . Das war zuviel . Namenlos elend beschloß ich , dieser Mutter zu entrinnen , der ich zur Strafe leben sollte , und davonzugehen , wo mich niemand kennte : ich wußte nicht wohin : am liebsten in das Grab zu meinem Vater . Als es Abend geworden , stahl ich mich aus dem Palast , ich eilte nochmals an das geliebte Grab zu langem , tränenreichem Abschied . Schon gingen die Sterne auf , da huschte ich aus dem Garten , aus dem Palast und eilte durch die dunkeln Straßen der Stadt an das faventinische Tor . Glücklich schlüpfte ich an der Wache vorbei ins Freie und lief nun eine Strecke auf der Straße fort , gradaus in die Nacht , ins Elend . Aber auf der Straße kam mir entgegen ein Mann im Kriegsgewand . Als ich an ihm vorüber wollte , schritt er plötzlich heran , sah mir ins Antlitz und legte die Hand leicht auf meine Schulter : Wohin , Jungfrau Mataswintha , allein , in so später Nacht ? Ich erbebte unter seiner Hand , Tränen brachen aus meinen Augen , und schluchzend rief ich : In die Verzweiflung ! Da faßte der Mann meine beiden Hände und sah mich an , so freundlich , so mild , so besorgt . Dann trocknete er meine Tränen mit seinem Mantel und sprach in weichem Ton der tiefsten Güte : Und warum ? Was quält dich so ?