, um ihn zu heiraten , weiß ich . Europa ' s Civilisation steht noch auf einer so niedrigen Stufe , um die Giltigkeit der Ehe an eine so leere Ceremonie zu binden . Mir ist es aber gänzlich einerlei , nach welchem Ritus es geschieht , und ich kann ebenso gut katholisch als kalvinistisch oder lutherisch mich nennen lassen . « » Ach , arme Judith , in welchem Wahn sind Sie befangen ! Die katholische Kirche betrachtet die Ehe als einen unauflöslichen Bund , welcher der Gnadenordnung , nicht den Gelüsten der wandelbaren menschlichen Natur angehört . Im Blut Jesu haben die Eheleute das Sakrament empfangen , sind sie verbunden zu einer Einheit , die nur der Tod scheidet . Dawider gibt es keinen menschlichen Richterspruch , und so lange Graf Windeck ' s Gemahlin lebt , ist eine Ehe mit einem anderen Weibe für ihn unmöglich . « » Die Sekten aber gestatten sie ? « » Ja ! denn sie beruhen auf Irrlehren ! und eine solche ist es , welche die Ehe ihres sakramentalischen Charakters beraubt , und gerade sie , welche mehr wie jedes andere menschliche Verhältnis des Beistandes der heiligmachenden Gnade bedarf , zu einem lockern Vertrag herabsetzt , über dessen Dauer der Rausch der Leidenschaft entscheiden darf . Judith ! Judith ! den Bund der Ehe dürfen Sie nicht anrühren . Sie dürfen es nicht ! « » Also auf Wiedersehen in Rom ! « sagte Judith abbrechend . » Reisen sie glücklich , lieber Lelio . Ich halte Sie keinen Augenblick zurück , denn ich sehe wohl , daß der Lelio , den ich vier Jahre lang gekannt habe , durch vier Wochen in Einsiedeln mir fremd geworden ist . « » Und gerade jetzt möcht ' ich bei Ihnen bleiben , möchte wachen und warnen .... « - » Sie werden langweilig , Lelio ! ich brauche keinen Mentor . Ich will jetzt noch einige Wochen Nachsommer in Genua oder Nizza genießen ; dann komme ich nach Rom . A rivederlo ! « Sie winkte ihm freundlich mit der Hand zu und verließ das Zimmer . Lelio sah ihr traurig nach und seufzte heimlich : O die Arme ! sie stürzt in den Abgrund und reißt ihr Opfer mit sich hinab . Niemand geht allein in den Himmel , allein in die Hölle . Die Seelen hängen zusammen - im Abfall , in der Heiligung . Das erste Menschenpaar verwickelte die ganze Menschheit in den Sündenfall ; Christus zieht die ganze Menschheit am Kreuz empor . Drei Jahre im Ehestand Während der Genfer See in Sonnenglanz und Farbenpracht funkelte und strahlte , hingen graue Wolken über den Odenwald ; am Morgen lagen schwere Nebel auf den Tälern und am Abend sauste der Sturm durch die entlaubten Wälder und drehte kreischend die Wetterfahne des Schloßturms von Stamberg . Im Schloß herrschte tiefe Stille , kein Laut war zu hören , keine Bewegung zu sehen , kein Gehen und Kommen von Dienern und Untergebenen wahrzunehmen . Kein Pferd stampfte im Stall , kein Hund spielte im Hof . Ein trübes Gestirn schien über dem Schloß zu walten , so daß sich seit den Tagen der Gräfin Juliane kein frisches Leben darin entfalten konnte . Und doch war es mit Luxus und Komfort eingerichtet ! von der Eingangshalle bis zum Speisesaal - und vom Salon bis zu den Zimmern für Gäste - allüberall Behagen und Eleganz ! die weichsten Teppiche , die bequemsten Polster , die ausgesuchtesten Möbel , um in behaglichster Weise zu sitzen , zu liegen , zu lesen , zu schreiben , zu essen , zu ruhen - kurz , um dem Körper schlafend und wachend ein Nonplusultra des Wohlseins zu bereiten . Überdies arbeitete der Koch im weißen Baret und mit der weißen Schürze äußerst tätig in der Küche und der Haushofmeister saß mit der Feder in der Hand und führte Buch über den Inhalt des Weinkellers , und die Kastellanin wandelte mit einem Federwedel in der Hand durch die unbewohnten Gemächer , um sie zu lüften und von jedem Stäubchen zu befreien . Es war also nicht ausgestorben , das stattliche Schloß - und doch so tot ! denn es fehlte in diesen prächtigen Räumen das etwas , das Leben hervorruft : das häusliche Glück . In einem runden Turmkabinet befand sich die Herrin des verzauberten Schlosses - Corona Windeck , mit ihrer kleinen Tochter Felicitas . In diesem Gemach war Leben - ja , gleichsam ein Brennpunkt alles Lebens : eine traurige Frau und ein fröhliches Kind . Das Kabinett war mit der höchsten Eleganz eingerichtet ; die Wandtapeten , die Vorhänge vor den beiden Spitzbogenfenstern und vor der Türe , der Möbelbezug , alles war dunkelblauer Damast . Die Tische und die in der Dicke der Mauer eingelassenen Wandschränkchen mit zierlichen gothischen Türen waren von der schönsten eingelegten Holzarbeit mit feinen Metallstreifen und Perlmutterverzierungen . In dem weißen Marmorkamin brannte ein munteres Feuer , und auf dessen Gesims stand eine Garnitur Vasen von Meißener Porzellan in Blau und Gold , unter einem prächtigen Spiegel . In dem einen Fenster stand Corona ' s Schreibtisch , ganz überladen mit den Millionen von Sächelchen , welche einen Schreibtisch höchst elegant - und höchst unbequem zum Schreiben machen . Überdas hatte sie eine kleine Gemäldegallerie von Familienportraits , sehr schön in Aquarell ausgeführt , darauf eingerichtet . Im anderen Fenster stand ihr Stickrahmen und daneben auf besonderem Gestell zwei große chinesische Deckelkörbe voll Seide , Wolle , Garn , Stickmuster und allem , was die weiblichen Arbeiten erfordern . Ein ganz niedriges Kindertischchen , mit Spielzeug und Bildern dermaßen überladen , daß die Hälfte davon auf dem sammtweichen Teppich am Boden lag , verriet - auch wenn sie beide nicht dagewesen wären - daß Corona ' s Kabinett auch das Zimmer ihres Kindes sei . Sie saß am Schreibtisch und hielt einen Brief in der Hand , den sie überlas , um ihn zu beantworten . Aber es traten