daß unser Gelübde , seine Gemeinschaft zu fliehen , ein schweres ist , das , wenn wir in allen Versuchungen treu an ihm fest halten , uns Kraft geben muß , auch jeden andern Kampf im Leben oder in uns selbst siegreich zu bestehen . Die Bewunderung , die ein schönes Kunstwerk uns einflößt , die Andachtsschauer der Verehrung , die ich zuweilen empfand , wenn ich zur Himmelskönigin betete , das Mitleid mit dem Leiden und Dulden anderer heiligen Frauen , denen wir Monumente und Altäre weihen - das hab ' ich für diese Elisabeth empfunden , und rechne mir diese Gefühle nicht als Sünde an , um so weniger , als ich an ihre Tugend glaube und sie meiner Verehrung würdig finde . Ich wäre nur unglücklich , wenn ich an ihr irre werden müßte . Unser Gelübde der Entsagung bereue ich darum nicht , es erscheint mir nur in einem andern Lichte : ein Freibleiben und Losgerissensein von irdischen Banden und Pflichten , die dem Genius Fesseln anlegen können , der nur frei und allein sich entfalten kann - ein Aufschwung und Aufstreben zur höchsten Freiheit , die sich selbst bewußt an das Ganze hingiebt und nur im Ideal Ziel und Schranken findet ! - Sage mir , Hieronymus , wenn man mich auch beschuldigt , wirst Du an mich glauben ? « » Ich habe es gethan bis zur Stunde , « antwortete Hieronymus , » und begreife Deine Frage nicht , noch was Dich sonst so bewegt ? « » Eine Ahnung , « antwortete Ulrich , » vielleicht auch die feierliche Beklommenheit , die immer über uns kommt , wenn wir die letzte Hand an ein Werk legen , an dem wir lange gearbeitet . Sieh ' , diese Halbsäule mit ihrem Hochbild vorn ist bald vollendet , « fuhr er fort , auf eine solche deutend , aus der Eichenzweige hervortraten , auf welchen ein Eichhörnchen saß , zum Sprunge ausholend , indeß von unten eine Schlange emporzischte , die Eichenblätter wölbten sich oben zu einer Krone empor ; » das unschuldige Eichhörnchen braucht nicht im Bann der Schlange zu bleiben , « fuhr er fort , » aber es wird doch immer so erscheinen , es kann höher klettern , im freien Walde von Zweig zu Zweig sich schwingen , die drohend vorgesteckte Schlangenzunge und ihr Gift verachten , kein ekles Kriechthier vermag ihm etwas anzuhaben . So hab ' ich in den Stein hinein gedichtet , woran ich jetzt zumeist gedacht . « Die letzten Worte hörte der Pallirer , der jetzt näher zu den Beiden getreten war , und sagte : » Seid Ihr das Eichhörnchen selbst oder hab ' t Ihr an eine andere Person dabei gedacht ? « » Nicht an eine bestimmte Person , « antwortete Ulrich ; » es ist ja kein Conterfei , sondern ein Symbol . Wer in Unschuld wandelt und doch vermag sich zu den höchsten Höhen mit kühnem Sprunge empor zu heben , den mag die Schlange irdischer Gemeinheit und Bosheit immer zu verderben drohen - ja ihn gar einmal verschlingen , wo er sie am wenigsten vermuthet : er war dennoch eines höhern Looses werth ! « Der Pallirer klopfte ihm auf die Schulter und sagte : » Grabet Euer Zeichen ein , man wird bei diesem Symbole Eurer selbst gedenken ! « Dann wandte er sich mit einem mitleidigen Blicke ab , als habe er schon zu viel gesagt . Die andern Gesellen und Lehrlinge waren einstweilen auch gekommen und das Morgengebet ward gehalten . - Es war ein schwüler Sommertag , eine drückende heiße Luft lag auf der Bauhütte und verbreitete in ihr einen Dunst , der Alle lässig oder beklommen machte . Nur Ulrich gönnte sich nie eine Minute Ruhe , um sein Werk zu vollenden . In dem kleinen Gemach in der Hütte , neben dem großen Saal , in welchem die Steinmetzen arbeiteten , pflegte sich der Hüttenmeister aufzuhalten , wenn es Geschäfte zu ordnen , Contrakte abzuschließen oder eine Untersuchung zu führen gab . Es war eine Art von Comptoir . Als es um die zehnte Stunde war , ließ er Hieronymus und Ulrich hinein rufen . Neben dem Hüttenmeister befanden sich zwei ältere Gesellen , die , wie es schien , als Zeugen dienen sollten . Der Hüttenmeister begann zu den Beiden : » Es sind schwere Anklagen wider Euch erhoben worden . Ich frage Euch im Namen Gottes , des Sohnes und des heiligen Geistes , der heiligen Dreieinigkeit , zu der sich die gesammte Christenheit bekennt - ich frage Euch im Namen des heiligen Johannes , des erhabenen Schutzpatrones und Vorbildes aller freien Maurer : wollet Ihr die Wahrheit bekennen unerschrocken und ohne Menschenfurcht gleich ihm ? wollet Ihr sie bekennen , auch wenn sie Euch hinaus in die Wüste führte oder in ' s Gefängniß , oder Euch den Tod brächte ? « » Wir wollen sie bekennen ! « riefen Beide zugleich , aber bei Ulrich klang es wie der entschlossene Ruf eines Märtyrers , bei Hieronymus mischte sich etwas wie Schreck und Furcht hinein . » Leistet den Schwur jetzt vor mir mit Wort und Hand ; was Ihr ausgesagt hab ' t , werdet Ihr dann vor der ganzen Baubrüderschaft noch einmal bekennen müssen ! « Nach diesen Worten des Hüttenmeisters leisteten Beide den üblichen Schwur . Ulrich ward einstweilen entlassen und Hieronymus zuerst verhört . » Du bist sammt Ulrich von Straßburg angeklagt worden , daß Ihr mit ehrlosen Juden gemeinschaftliche Sache gemacht hab ' t und eine Judendirne mehr als einmal nächtlicher Weile in Eurer Wohnung gewesen ist ; daß Ihr mit denselben wieder im Benediktinerkloster seid zusammen gekommen und dann einen Mönch , der darin wohlverdienter Maaßen zum Tode verurtheilt gewesen ist , befreit hab ' t und im Kloster Andere dazu verführt , Euch bei diesem Werke zu helfen . Steh ' Rede über das Alles . « Hieronymus antwortete erstaunt : » Das