verwenden können , habe er bei Seite gelegt , und habe sich entweder ein Buch oder ein Kunstwerk gekauft , oder habe eine Reise zu seiner Belehrung gemacht . Da sich seine Verbindungen mehrten und stets ergiebiger zu werden versprachen , habe er meine Mutter kennen gelernt und ihre Hand gewonnen . Sie habe eine nicht unbeträchtliche Mitgift in das Haus gebracht , und so sei gemeinschaftlich der Grund gelegt worden , daß wir Kinder nun nicht nur frei und unabhängig bei unsern Eltern in ihrem eigenen Hause leben können , sondern auch für die Zukunft einen Notpfennig zu erwarten hätten , und daß er selber sich mit manchem habe umringen können , was ihm die sanfte Neigung seines Herzens ge boten habe , und was ihm als Erheiterung und nach der Liebe seiner Gattin und der Wohlgeratenheit seiner Kinder auch als Lohn seines Alters dienen werde . Der be tagte Abt habe ihn als seinen letzten Schüler noch ge traut , und sei bald darauf gestorben . Mit der jungen Frau habe er dreimal seine alten Eltern , welche fern in einem waldigen Lande von einer wenig ergiebigen Feldwirtschaft lebten , besucht , sie seien dann kurz darauf eins nach dem andern gestorben . Sein edler Dienstherr habe uns noch aus der Taufe gehoben , sei dann von den Geschäften zurück getreten , habe bei seinem einzigen Kinde , einer Tochter , die an einen angesehenen Güterbesitzer verheiratet war , gelebt , und sei bei ihr auch endlich gestorben . So haben sich alle Verhältnisse geändert . Das heimatliche Waldhaus mit der geringen Feldwirtschaft habe er und sein Bruder einer Schwester geschenkt , diese sei ohne Kinder gestorben , und da weder er noch der Bruder das Haus bewirtschaften konnten , so haben sie eingewilligt , daß es an einen entfernten Verwandten falle . Der Bruder sei während unserer Unmündigkeit gestorben , eben so die Großeltern von mütterlicher Seite , und endlich ein Großoheim von eben dieser Seite , der uns Kinder zu Erben eingesetzt , und da die Mutter keine Geschwister gehabt habe , so seien wir nun allein , und so sei keine Verwandtschaft weder von väterlicher noch von mütterlicher Seite übrig . Er habe die Liebe , welche ihm durch den Tod seiner Angehörigen , denen er , besonders dem Bruder , eine treue Erinnerung weihe , anheimgefallen sei , an die Mutter und uns übertragen , sein Haus sei nun sein Alles , und wir zwei , die Schwester und ich , sollten verbunden bleiben und sollten in Neigung nicht von einander lassen , besonders wenn auch wir allein sein und er und die Mutter im Kirchhofe schlummern würden . Diese Ermahnung zur Liebe war nicht nötig ; denn daß wir , die Schwester und ich , uns mehr lieben könnten , als wir taten , schien uns nicht möglich , nur die Eltern liebten wir beide noch mehr , und wenn eine Anspielung darauf gemacht wurde , daß sie uns einst verlassen sollten , so betrübte uns das außerordentlich , und wohin wir die Liebe , die uns dann zurückfallen sollte , wenden würden , wußten wir sehr wohl , wir würden sie an gar nichts wenden , sie würde von selber über die Grabhügel hinaus gegen die verstorbenen Eltern bis an unser Lebensende fortdauern . Die andern Vorkommnisse , die zwar auch in unserer Familie , aber nicht in ihr allein , sondern zugleich in Gesellschaft von geladenen Menschen vorfielen , waren mir nicht so angenehm als in früheren Zeiten , ja sie waren mir eher widerwärtig und dünkten mir Zeitverlust . Sie bestanden beinahe gleichmäßig wie in früheren Jahren aus abendlichen Kreisen , in denen gesprochen wurde , oder aus Gesellschaften , in denen etwas Musik oder gar Tanz vorkam . An dem letzteren nahm ich gar keinen Teil , und die Schwester , welche , wie ich schon seit länger wahrnahm , schier alle meine Neigungen teilte , tat es sehr wenig , und flüchtete an solchen Abenden sehr gerne zu mir . Ich hatte die Leute , darunter aber vorzüglich die jungen welche bei solchen Gelegenheiten zu uns kamen , schon genau kennen gelernt , und wenn ich in früherer Zeit eine Scheu , ja sogar eine gewisse Gattung von Ehrfurcht vor ihnen gehabt hatte , so war dies jetzt nicht mehr der Fall ; ich hatte durch Nachdenken und durch Erfahrungen im Umgange mit andern Menschen einsehen gelernt , daß das , wovor ich besonders eine Scheu hatte , nämlich ihre Sicherheit und Vornehmheit , nur ein Ding ist , welches man lernt , wenn man sehr viel in solchen Gesellschaften ist , wie sie bei uns waren , und wenn man in diesen Gesellschaften viel spricht und in den Vordergrund tritt . Und daß dieses Ding nicht schwer zu erlernen ist , sah ich daraus , daß es solche inne hatten , deren Geisteskräfte hoch zu achten ich nicht veranlaßt war . Meine Erfahrungen an Menschen hatte ich aber nicht bloß in hohen Ständen gemacht , sondern auch in niedern , und in diesen zwar nicht in der Stadt , sondern bei Gebirgsbewohnern und Landbebauern . In hohen Ständen sah ich junge Leute , namentlich bei der Fürstin war das der Fall , welche jenes Benehmen , das mir sonst so hoch über mir schien , nicht hatten , sondern sich einfach und wenig vortretend gaben , höflich und nicht linkisch waren , und an das Wort , das ich öfter in meiner Jugend gehört , aber falsch verstanden hatte , ein junger Mann von guter Erziehung erinnerten . In den untern Ständen habe ich manchen Mann kennen gelernt , der , wenn er vor solchen stand , die er für höher erachtete als sich selbst , nicht die Mühe übernahm , auch höher in seinem Benehmen sein zu wollen , sondern der ruhig so sprach , wie er die Sache verstand , und ruhig die Rede anhörte , die ihm ein anderer erwiderte . Dieser Mann schien