festgeschlossenen Lippen konnten zu einem Scherzwort auftauen , das den freien Ton der Unterhaltung überbot , und wenn ihr schwarzbraunes Auge einmal flüchtig über den Gast hinstreifte , so war es ihm , als ob sie hinter diesem stillen Blick eine Glut verberge , die sie plötzlich verzehrend auflodern lassen könnte . Er sagte sich vor , er wolle sie nur ein wenig auf die Probe stellen , indem er , durch Margaretens freches Strohfeuer erhitzt , sein Knie an das ihrige drückte ; sie rückte aber leise weg , und er beschloß , den Versuch nicht so bald zu wiederholen . Der » Balo « war unter Scherzen und Erzählungen verspeist , wobei die Geschichte des Ausbruchs von Hohentwiel , der einem der drei Kühnen das Leben gekostet hatte , den Hauptgegenstand bildete , und das auf einem Baumstumpf aufgelegte Fäßchen war schon geneigt , als der Zigeuner zum Beweise für die Schlechtigkeit der Welt die Lebensgeschichte des neuen Freundes zu erzählen begann und ihn dadurch zu Berichtigungen und Ergänzungen nötigte . Die Mitteilung wurde mit der lebhaftesten Teilnahme aufgenommen , und selbst Schwamenjackel bemerkte , es sei scheußlich , so mit einem Menschen umzugehen . » Wie könnte es mir einfallen « , sagte die alte Anna Maria , » meine Kinder im Heiraten beschränken zu wollen ! Ich hab ihnen stets ihren Willen darin gelassen , es ist ja ganz ihre eigene Sache . « Am stärksten aber verurteilte die Gesellschaft das Benehmen der Obrigkeit , die sich in Dinge gemischt habe , welche sie gar nichts angehen . Dabei wurde Friedrichs Standhaftigkeit mit Bewunderung hervorgehoben , und das Gefühl des erlittenen Unrechts , das schon zuvor an ihm zehrte , immer heftiger in ihm angefacht , bis es zuletzt ihm wie den andern feststand , daß die Welt aus lauter Spitzbuben bestehe , die man mit allen Waffen zu bekämpfen berechtigt sei . Die Weigerung des Pfarrers endlich , eine Trauung ohne Trinkgeld , wie es Schwamenjackel nannte , vorzunehmen , rief eine Empörung hervor , welche , von Leuten dieses Schlages ausgesprochen , einen besonderen Nachdruck erhielt und sie selbst wiederum in den Augen des Neulings , besonders wenn er ihre gesellschaftliche Stellung mit der Amtswürde des habsüchtigen Geistlichen verglich , bedeutend heben mußte . Sie bekannten sich sämtlich für gute katholische Christen und versicherten mit nicht geringem Stolze , daß ihre Konfession an solchen abschreckenden Beispielen weit ärmer sei . » Wißt ihr das Stückchen vom Leutnant Löw und seinem Louisd ' or ? « fragte die jüngere der beiden Zigeunermädchen , und auf Verneinen der anderen erzählte sie : » Eine arme Frau mit einem Kind steht weinend an der Kirche . Begegnet ihr ein Jud und fragt , warum sie weine . Der Pfarrer will mein Kind nicht taufen , sagt sie , weil ich die Taufgebühr nicht zahlen kann . Ei , sagt er , da ist bald geholfen , und gibt ihr einen Sonnenlouisd ' or , sie solle ihn dem Pfarrer bringen und sagen , eine Christenseele habe ihr aus der Not geholfen . Darauf geht sie in die Sakristei , und wie die Kirche aus ist , kommt sie ganz vergnügt heraus . Nun ! wie hat ' s gegangen ? fragte der Jude , der auf sie gewartet hat . Das Kind sei glücklich getauft , sagte sie , sie hätte freilich geglaubt , der Pfarrer solle ihr auf das Gold herausgeben , was ihm nicht eingefallen sei ; aber dennoch hat sie dem Juden tausendmal gedankt . Gott ' s Wunder , sagt der Leutnant Löw , wenn der Pf äff herausgegeben hält , so war der Spaß freilich noch größer , aber Dank ' s wert ist ' s auf keinen Fall , denn der Luckedor war falsch . « Die Gesellschaft brach in ein unbändiges Gelächter aus , in welchem sich Schwamenjackels Stimme durch ein eigentümliches Grunzen unterschied . Bettelmelcher lachte , daß ihm die Tränen in den Augen standen . » Leutnant Löw ? « fragte der Gast , als man sich müde gelacht hatte . » Unter welchem Militär gibt ' s denn jüdische Offiziere ? « Das Gelächter brach von neuem so heftig aus , daß er , in der Überzeugung , ungeschickt gefragt zu haben , mitlachen mußte . » Diese Art Militär « , belehrte ihn der Zigeuner , » ist bei Mergental zu Hause , steht aber nicht im Dienste des deutschen Ordens , obwohl unter allen Ländern dort am besten zu leben ist , denn der Deutschmeister hat gelobt , nie einen mit einer Todesstrafe zu belegen und nie die Auslieferung eines Flüchtigen zu verlangen , und alle seine Untertanen vom Schultheißen bis zum Nachtwächter halten ' s mit uns ; dort ist kein Bub und kein Mägdlein , das nicht Jenisch versteht . Darum wird auch kein vernünftiger Koch um in jenem Gebiet etwas anstellen , aber es ist ein sehr günstiges Terrain , um von da aus in der Umgegend mit Unternehmungen aufzutreten . Drei Leutnants haben dort Gesellschaften gegründet mit einer Einrichtung , die man sonst nirgends trifft . Jeder hat ungefähr dreißig Mann unter sich , meist Juden , auch Zigeuner , und im Notfall werben sie auch sonst taugliche Leute dazu . Wenn ein Koch unternommen werden soll , so wird zuerst der Waldoberer ausgeschickt , der die Gelegenheit auskundschaftet und dafür seine besondere Belohnung erhält . Der kauft dann etwa einem Bauern ein paar Ochsen ab und sieht , wo er das Geld hintut , damit man ' s wieder holen kann und weiteres dazu . Dann schickt der Leutnant seine Knechte aus und läßt seine Leute von Ort zu Ort - bei den Judenschulen trifft man sie am sichersten - auf einen Sammelplatz zusammenbieten , reicht ihnen auch , bis die Sache ausgeführt ist , was oft acht Tage und darüber ansteht , allen ihr regelmäßiges Taggeld nebst Unterhalt , und wenn das Unternehmen gut ausfällt , noch obendrein jedem